Explosionsserie: Dutzende Tote nach Bombenanschlägen in Indien

Verheerende Anschlagsserie in Indien: Bei etlichen Explosionen in der Stadt Ahmadabad sind mindestens 29 Menschen gestorben. Die Angst vor blutigen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen in Indien wächst.

Neu Delhi/Ahmedabad - Bei der exakt koordinierten Anschlagsserie sind am Samstag in der westindischen Stadt Ahmedabad nach Polizeiangaben mindestens 29 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 90 Verletzte in Krankenhäuser seien gebracht worden, sagte ein Sprecher der örtlichen Polizei.

Polizist bei Untersuchung eines verdächtigen Sacks: Dutzende Tote, viele Verletzte
AP

Polizist bei Untersuchung eines verdächtigen Sacks: Dutzende Tote, viele Verletzte

Bei den geschätzt 16 Explosionen wurden viele Menschen von Metallteilen wie Bolzen und Muttern getroffen, die in den Bomben steckten. Die Täter hatten zahlreiche der vermutlich auf Fahrrädern angebrachten Sprengsätze mitten auf Märkten gezündet, auf denen zahlreiche Menschen unterwegs waren.

Besonders perfide: Einige Explosionen gab es Behördenangaben zufolge auch vor Krankenhäusern, in denen Verletzte behandelt werden sollten. Auch Sanitäter und Ärzte waren unter den Verwundeten. Dies spreche laut den Behörden für einen detailliert geplanten Anschlag.

Nach Angaben der Polizei in Ahmedabad explodierte die erste Bombe gegen 18 Uhr Ortszeit auf einer Brücke. Ein weiterer Sprengsatz sei offenbar in einem Bus abgelegt worden. Die Sprengsätze seien alle mit Zeitzündern versehen gewesen und einem Zeitraum von 90 Minuten oder weniger detoniert. Zwei der Explosionen hätten sich im Wohngebiet Maninagar ereignet, in dem der ranghohe Politiker Marendra Modi von der nationalistischen Hindu-Partei BJP seinen Wahlkreis hat. Die Behörden gehen davon aus, dass die Opferzahlen noch steigen könnten. Bisher habe sich keine militante Gruppierung zu der Tat bekannt - anderen Meldungen zufolge hat dagegen eine islamistische Gruppierung mitgeteilt, sie habe die Anschläge aus Rache für die Übergriffe auf Muslime 2002 begangen.

Gujarat war wiederholt Schauplatz blutiger Unruhen. Im Februar 2002 hatten Muslimextremisten dort einen Zug mit Hindupilgern in Brand gesteckt. Das Massaker löste Unruhen zwischen Hindus und Muslimen aus, bei denen bis zu 3000 Menschen ums Leben kamen - die meisten Muslime.

Angst vor neuen Unruhen zwischen Hindus und Muslimen

Staatspräsidentin Pratibha Patil verurteilte die Gewalt und rief die Menschen auf, Ruhe zu bewahren. Es gehe jetzt vor allem darum, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Polizei errichtete nach der Bombenserie Straßensperren und kontrollierte in der Innenstadt Fahrzeuge. Zudem wurden zusätzliche Polizeistreifen eingesetzt. Auch Indiens Premierminister Manmohan Singh verurteilte die Anschläge und rief die Bewohner von Ahmedabad zur Ruhe auf.

In Neu Delhi sprach der stellvertretende Innenminister von einem "Komplott", der das Land destabilisieren solle. Die Behörden befürchteten, dass die Bombenserie in Ahmedabad, dem wirtschaftlichen Zentrum des Bundesstaates Gujarat, zu erneuten Spannungen zwischen Hindus und Muslimen führen könnte.

Erst am Freitag waren bei einer Bombenserie in der südindischen Hightech-Metropole Bangalore zwei Menschen getötet und sechs verletzt worden. Insgesamt waren dort nach Angaben der Behörden binnen 15 Minuten acht selbst gebaute Bomben mit schwacher Sprengkraft detoniert.

tno/dpa/AFP/AP

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