Explosive Stimmung Experten erwarten Revolution in der Ukraine

Der Prozess gegen Julija Timoschenko bringt viele Ukrainer auf, Gleiches gilt für den Sparkurs der Regierung - die Stimmung ist aufgeheizt: Politikforscher sagen dem Land sogar eine weitere Revolution voraus.

Ausschreitungen in der Ukraine: Aufgeheizte Stimmung im Land
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Ausschreitungen in der Ukraine: Aufgeheizte Stimmung im Land


Kiew - Ukrainische Politikwissenschaftler erwarten einen neuen Volksaufstand im Land. Die Bevölkerung wehrt sich seit Monaten gegen die Inhaftierung der Oppositionsführerin Julija Timoschenko und die Sparpolitik der Regierung. Bei einer Pressekonferenz in Kiew zeigten sich die Experten überzeugt, dass sich der Protest zu einer revolutionären Bewegung vereinigen werden, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Unian am Dienstag berichtete.

2004 hatte die Orange Revolution in der Ukraine eine Demokratisierung des Landes eingeleitet, das unter dem derzeit regierenden Präsidenten Wiktor Janukowitsch wieder autoritäre Tendenzen aufweist. Unian zitierte den Politikwissenschaftler Sergei Gajdaj: "Die ukrainische Gesellschaft modernisiert sich schneller als die Regierungsmacht. Das führt zu einer revolutionären Stimmung im Land."

Trotz der jüngsten Krise in den bilateralen Beziehungen wollen die Ukraine und die Europäische Union an ihrem für den 19. Dezember geplanten Gipfeltreffen festhalten. Das berichtete die russische Nachrichtenagentur Itar-Tass am Dienstag unter Berufung auf diplomatische Kreise in Brüssel. Voraussetzung sei, dass sich die Krise nicht erneut zuspitze, zu der es nach der Verurteilung Timoschenkos gekommen war. Wegen der Verstimmungen war sogar ein Besuch von Präsident Janukowitsch in Brüssel Mitte Oktober kurzfristig abgesagt worden.

Auf dem Dezember-Gipfel wollen die EU und die Ukraine ein Assoziierungs- und Freihandelsabkommen unterzeichnen. Brüssel macht dafür jedoch bislang die Freilassung Timoschenkos zur Voraussetzung.

Timoschenko hatte die EU kürzlich zur Unterzeichnung des Abkommens aufgefordert. Der zukunftsweisende Vertrag dürfe nicht an ihrem persönlichen Schicksal scheitern, schrieb sie in einem offenen Brief aus dem Gefängnis.

Ein Kiewer Gericht hatte die ehemalige Regierungschefin zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil sie beim Abschluss eines Gasvertrages mit Russland im Jahr 2009 ihr Amt missbraucht haben soll. Unterdessen verschlechterte sich Timoschenkos Gesundheitszustand nach Angaben ihres Anwalts Sergej Wlasenko. Wegen eines Rückenleidens sei sie nicht mehr in der Lage, Besuch zu empfangen.

jok/dapd



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insgesamt 27 Beiträge
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harterhase 08.11.2011
1. reloaded
Zitat von sysopDer Prozess gegen Julija Timoschenko bringt viele Ukrainer auf, gleiches gilt für den Sparkurs der Regierung - die Stimmung ist aufgeheizt: Politikforscher sagen dem Land sogar eine weitere Revolution voraus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,796448,00.html
Daß die Ukrainer/innen dazu in der Lage sind, haben sie bereits gezeigt. Auch daß die Gesellschaft bereits weiter ist als die politische Klasse, die mehrheitlich einer älteren, sowjetisch geprägten Generation angehört, ist durchaus plausibel. Insofern stehen die Chancen auf Orange Revolution reloaded nicht schlecht. Der KGB-Onkel in Moskau kippt dann vor Schreck wieder aus dem Sessel, weil er notorisch realitätsfremd ist.
luca duca conte 08.11.2011
2. Revolution??
Wird es in der Ukraine nicht geben... Sinn und Zweck dieses Artikels sind ?? Wieder so ne Orange Revolution?? Bitte nicht! Warum warnen diese Experten nicht vor einer Revolution in Westeuropa??
fuchs008 08.11.2011
3. Wen interessiert Timoschenko?
"Die Bevölkerung wehrt sich seit Monaten gegen die Inhaftierung der Oppositionsführerin Julija Timoschenko und die Sparpolitik der Regierung." Man sollte Realität und Wunschdenken auseinanderhalten, besonders wenn man sich Experte nennt. Gegen den Sparkurs wehrt sich die Bevölkerung, das ist nachvollziehbar. Aber warum sollte sich jemand für eine Politikerin einsetzen, korrupt und machtgeil wie alle anderen? Bei uns würde doch auch niemand demonstrieren, wenn man Frau Merkel per Gerichtsurteil einsperren würde. Die Ukrainer sind aufgeklärt genug, zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden.
uinen_osse 08.11.2011
4. Hoffentlich erfolgreicher
aber auch die Ukrainer müssen halt einsehen dass die Zeiten härter geworden sind.
duk2500 08.11.2011
5. wer will Revolution?
So ganz eindeutig ist die Stimmung in der ukrainischen Bevölkerung nicht. In der Süd- und Ostukraine wollen die Menschen weiterhin ihre russische Muttersprache sprechen und wollen keinen Anschluss an die EU. Julia Timoschenko ist dort als Oligarchin verhasst, das muss man leider so sagen. Die deutschen Medien malen meistens ein Bild von einer nationalistisch-ukrainischen Bevölkerung, die einen schnellen Anschluss an Westeuropa will. Das ist bestenfalls in der Westukraine Mehrheitsmeinung. Schon in Kyev ist das Stimmungsbild gemischt. Amerikanische NGO unterstützen politische Gruppen, mir scheint, es liegt ihnen dabei weniger an einer Demokratisierung sondern hauptsächlich daran, nach Osteuropa und dem Baltikum jetzt mit der Ukraine früheres russisches Kernland in den westlichen Macht- und Einflussbereich zu speditieren. Das destabilisiert aber diese Region weiter, ähnlich wie bereits im Kaukasus durch die Unterstützung der NATO für Georgien erfolgt. Unabhängig von gebrochenen westlichen Versprechungen an Gorbatchev ("die NATO dehnt ihren Einflussbereich nicht weiter nach Osten aus wenn ihr Ostdeutschland freigebt!") sollten wir diese innenpolitischen Spannungen nicht noch weiter anheizen. Julia Timoschenko ist zwar prowestlich aber ganz sicher nicht sauberer und demokratischer als die jetzige Regierung dieses Landes unter Janukowitch.
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