Addis Abeba/Nairobi - Kinder, die kraftlos auf dem Boden liegen, Frauen, die sich und ihre Familien mit letzter Kraft voran schleppen: Die Bilder von den Menschen, die in Ostafrika unter der Jahrhundertdürre leiden, sind erschütternd.
Für das Uno-Flüchtlingshilfwerk UNHCR ist die Situation in Somalia die "schlimmste humanitäre Katastrophe" der Welt. "Noch nie habe ich in einem Flüchtlingscamp Menschen in einem so verzweifelten Zustand gesehen", sagte der Chef der Behörde, Antonio Guterres, nach einem Besuch des Lagers in Dadaab in Kenia. Er rief die Internationale Gemeinschaft zu "massiven Spenden" für die hungernden Menschen auf.
Die meisten der Notleidenden kommen aus Somalia - Hunderttausende sind wegen einer schweren Dürre und Nahrungsmittelknappheit von dort in den vergangenen Wochen nach Kenia und Äthiopien geflohen. Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms brauchen zwölf Millionen Menschen in der Region Hilfe.
380.000 Menschen in einem Camp
"Was ich hier in diesem Monat gesehen habe, ist mit nichts zu vergleichen", sagte Guterres bei einem Besuch des größten Flüchtlingslagers der Welt, Dadaab in Kenia, wo derzeit 380.000 Menschen leben. Zuvor hatte er bereits ein Camp in Äthiopien besucht. Am schlimmsten von der Dürre betroffen ist die Grenzregion zwischen Kenia, Äthiopien und Somalia.
"Ich habe eine Mutter gesehen, die auf dem Weg dorthin drei ihrer Kinder verloren hat", zitierte der arabische Sender al-Dschasira Guterres. In dem von ihm besuchten Lager hätten "die Ärmsten der Armen und die Verwundbarsten der Verwundbaren" Zuflucht gesucht.
Guterres wolle sobald wie möglich mit dem kenianischen Präsidenten Mwai Kibaki über die Eröffnung eines weiteren Camps beraten, berichtete der britische Sender BBC. Die Regierung in Nairobi hatte bisher ein neues Camp für rund 40.000 Menschen nahe Dadaab abgelehnt. Kenia fürchtet, dass die Flüchtlinge dauerhaft im Land bleiben könnten.
Schnelle Hilfe verlangt auch das Uno-Kinderhilfswerk Unicef. Es sei "eine gemeinsame Kraftanstrengung" nötig, um die Krise am Horn von Afrika zu bekämpfen, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider - und appellierte damit auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in dieser Woche auf ihrer Afrikareise unter anderem Kenia besucht. Allein in Kenia litten in Folge extremer Dürre und Missernten über 385.000 Kinder an Mangelernährung, 65.000 davon schwer, sagte Schneider. Sie seien besonders von Krankheiten wie Masern, Durchfall und Lungenentzündung bedroht.
anr/AFP/dpa
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