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Extremismus: BKA warnt vor Denis Cuspert

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Über Twitter verbreitetes Foto von Cuspert: In Kampfmontur im Olivenhain Zur Großansicht

Über Twitter verbreitetes Foto von Cuspert: In Kampfmontur im Olivenhain

Gesucht wird: Denis Cuspert. Das Bundeskriminalamt warnt mit Plakaten vor dem Islamisten aus Berlin. Die Staatsschützer verdächtigen den früheren Rapper, Terroranschläge gegen westliche Einrichtungen zu planen.

Düsseldorf - "Terrorismus" steht in großen Buchstaben auf dem Plakat, mit dem das Bundeskriminalamt seit Freitag vor dem Dschihadisten Denis Cuspert warnt. Unter einem Foto des früheren Berliner Rappers ist notiert: "Die abgebildete Person ist verdächtig, terroristische Anschläge gegen westliche Einrichtungen und Interessen zu planen." Es folgen die Personenbeschreibung (178 cm, athletisch, dunkle Haare) und ein Warnhinweis, dass Cuspert gewalttätig und bewaffnet sein könnte.

Cuspert ist eine der schillerndsten Figuren der wachsenden deutschen Islamistenszene. Einst nannte er sich Deso Dogg, war ein Berliner Gangsta-Rapper, der über Frauen, Drogen und schnelle Autos sang. 2010 dann der Bruch: Cuspert beendete seine HipHop-Karriere und wandelte sich zum radikalen Islamisten. Erst nannte er sich Abu Malik, später Abu Talha al-Almani.

Inzwischen gehört Cuspert zu den zahlreichen deutschen Islamisten, die aus Deutschland in den Bürgerkrieg nach Syrien aufgebrochen sind. Nach Informationen des SPIEGEL erlitt der Berliner bei einem Bombenangriff in Aleppo schwerste Verletzungen und lag zeitweise im Koma. Inzwischen soll es ihm aber besser gehen. Ein aktuell erscheinendes Foto zeigt ihn in Kampfmontur vor Olivenbäumen.

Cuspert war zuletzt immer wieder in Propagandavideos der Szene aufgetreten und hatte dabei zu Selbstmordanschlägen aufgerufen: "Ich zünde die Bombe inmitten der Menge", verkündete er etwa im August. Diese Auftritte führten unter anderem dazu, dass das Bundeskriminalamt (BKA) nun mit Plakaten vor dem Extremisten warnt. Vor allem im Ausland sollen Verbündete, aber auch Mitarbeiter deutscher Botschaften und Bundeswehrangehörige für die abstrakte Gefahr sensibilisiert werden.

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft teilte auf Anfrage mit, es gebe keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass Cuspert Aktionen in Deutschland oder Europa vorbereite.

200 Radikale aus Deutschland in Syrien

Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hatte in den vergangenen Wochen verstärkte Reisebewegungen von deutschen Islamisten in Richtung Syrien registriert. Nach SPIEGEL-Informationen sind inzwischen rund 200 Radikale aus Deutschland in Syrien oder auf dem Weg dorthin. Das Land sei für kampfwillige Islamisten derzeit "der mit Abstand 'attraktivste' Dschihad-Schauplatz", heißt es in einem als geheim eingestuften Lagebericht des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Europaweit gehen die Behörden von etwa 1000 freiwilligen Kämpfern in Syrien aus - Ende 2012 waren es noch 250. Die Islamisten stammten aus allen Teilen des Kontinents, darunter etwa 90 aus Großbritannien, 120 aus Belgien und 50 aus Dänemark. Rund 150 sind Kosovaren. Nach einer aktuellen Statistik deutscher Dienste sind bislang acht der aus Deutschland angereisten Kämpfer in Syrien ums Leben gekommen.

Im Computersystem der Polizei ist Denis Mamadou Gerhard Cuspert übrigens bereits seit Juni 2012 zur "Festnahme aufgrund Haftbefehl" ausgeschrieben. Er soll sich damals zunächst nach Ägypten abgesetzt haben und später nach Syrien gelangt sein. Zuletzt hatte Cuspert Anfang Mai 2012 für Aufsehen in Deutschland gesorgt, als er bei Ausschreitungen von Salafisten in Bonn als Rädelsführer auftrat. Die Polizei ermittelte daher wegen besonders schweren Landfriedensbruchs gegen ihn.

In Berlin war Cuspert in den Jahren zuvor wegen Diebstählen, Einbrüchen, Raub, Erpressung, Körperverletzung und Totschlags immer wieder in den Fokus der Behörden geraten. Und auch heute scheint er es mit dem streng islamischen Lebenswandel nicht allzu genau zu nehmen: Die Ermittler stufen ihn jedenfalls als "Konsumenten von Betäubungsmitteln" ein, wie es in einem internen Dokument des Landeskriminalamts heißt, in dem auch vor Cusperts Gewalttätigkeit und vor "Explosivstoffen" gewarnt wird. Denn die könnte er bei sich führen.

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1. Heiner Geißler
Raschelsack 22.10.2013
Zitat von sysopGesucht wird: Denis Cuspert. Das Bundeskriminalamt warnt mit Plakaten vor dem Islamisten aus Berlin. Die Staatsschützer verdächtigen den früheren Rapper, Terroranschläge gegen westliche Einrichtungen zu planen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/extremismus-bka-warnt-vor-denis-cuspert-a-929333.html
schlägt vor, dass der Bischof von Limburg als Coach für Cuspert eingesetzt wird: In einem Nordafrikanischen Wüstenstreifen sollen die beiden bei Tee und flachem Brot über die Gnade des Raps sprechen und über die Frage was Maria gehört hätte, sowie über Lohnverhandlungspalusibilitäten und das spätberufene Richteramt Jesuitischer Minister im Ruhestand von Anstands wegen. So wird auch Cuspert an seine Grenzen geführt. Raffiniert, oder?
2. Wenn ich sehe, welches entsetzliche Massaker einige wenige Terroristen...
otzer 22.10.2013
in Nairobi anrichten konnten, dann wird mir angst und bange vor bereits 200 (!) deutschen Islamisten in Syrien. Wenn diese mit "Kampferfahrung" nach D. zurückkehren, dann stellen sie m.E. ein unkalkulierbares Risiko dar. Wenn diese Entwicklung so weiter geht: wie sieht es dann erst in 10 Jahren aus?
3. Precision Bombing
Walther Kempinski 22.10.2013
Er wurde bei einem Bombardement beinahe tödlich verletzt? Na so unpräzise scheinen die Smart-Bombs dann ja wohl doch nicht zu sein. Die paar Querschläger, die dann tatsächlich zivile Opfer kosten oder aber tatsächlich voll im Ziel einschlagen (vorher aber falsche Ziel"aufklärung", werden von den linken Medien dann als Beleg dargestellt, als ob die NATO alles kurz und klein schießen würde. Aber die NATO ist eben nicht die russische Armee, die in Grosny und anderen Kriegen die Zivilbevölkerung ungezielt und massiv unter Feuer nahm.
4. Warum ist er denn gefährlich???
harmlos01 22.10.2013
Er unterstützt mit Hilfe von westlichen Waffen und selbst deutscher "nichtlethaler Hilfe" die doch so demokratischen Rebellen, welche dem armen syrischen Volk Demokratie und Freiheit bringen soll!! Eigentlich ist er doch nur ein Erfüllungsgehilfe deutscher Aussenpolitik und somit eigentlich ein Held! Entweder dass, oder die Syrienpolitik des Westens ist eine einzige Katastrophe, welche die Islamisten erst zu einer noch größeren Gefahr gemacht hat.
5.
Questionator 22.10.2013
Zitat von otzerin Nairobi anrichten konnten, dann wird mir angst und bange vor bereits 200 (!) deutschen Islamisten in Syrien. Wenn diese mit "Kampferfahrung" nach D. zurückkehren, dann stellen sie m.E. ein unkalkulierbares Risiko dar. Wenn diese Entwicklung so weiter geht: wie sieht es dann erst in 10 Jahren aus?
Also wenn ich in Deutschland was in die Luft jagen wollte, würde ich mich nicht erst durch Reisetätigkeit outen und anschließend in Syrien beschießen lassen, sondern das gleich tun. Ich glaube, wir brauchen einfach mal wieder ein wenig Panik im Volk.
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