Anklage in USA Ingenieur wollte Pläne für US-Kampfjet nach Iran schmuggeln

Auf den Kisten stand "Haushaltsgüter", doch darin fanden US-Beamte Tausende Unterlagen über den neuen F-35-Kampfjet - sie sollten per Schiff nach Iran gehen. Jetzt ist ein iranischstämmiger Ingenieur angeklagt worden.

F-35-Kampfjet: Heikle Unterlagen sollten gen Iran gehen
REUTERS/ U.S. Marine Corps/ DVIDS

F-35-Kampfjet: Heikle Unterlagen sollten gen Iran gehen


Washington - Mozaffar Khazaee hat bis vor kurzem als Ingenieur für den US-Maschinenbauer Pratt & Whitney gearbeitet. Er war dort mit sensiblen Daten befasst: Das Unternehmen liefert dem Flugzeugbauer Lockheed Martin für dessen neuartigen F-35-Kampfjet zu - ein Multimilliarden-Dollar-Projekt des Militärs.

Im August vergangenen Jahres musste der 59-Jährige das Unternehmen im Zuge eines Stellenabbaus verlassen. Offenbar brachte er noch vor seiner Entlassung massenweise wichtige Unterlagen über den Kampfjet in seinen Besitz. Denn nun klagte ihn ein US-Bundesgericht an, weil er versucht haben soll, Tausende Dokumente nach Iran zu schmuggeln.

Am 10. Januar war der Ingenieur in New Jersey auf dem Flughafen festgenommen worden, bevor er eine Maschine Richtung Frankfurt am Main besteigen konnte. Vor dort sollte es weitergehen nach Teheran.

Khazaee hat zwei Staatsangehörigkeiten

Anfang Januar hatten Zollbeamte auf einem Schiff in Long Beach Kisten überprüft, die nach Iran gehen sollten. Der Inhalt war als "Haushaltsgüter" deklariert. Doch stattdessen fanden die Zollmitarbeiter Tausende Dokumente über das F-35-Programm. Die Maschine wird von Lockheed Martin im texanischen Fort Worth gebaut - jedoch liefern Hunderte Firmen Teile zu. Darunter auch Khazaees Ex-Arbeitgeber Pratt & Whitney.

Der gebürtige Iraner Khazaee erhielt 1991 die amerikanische Staatsbürgerschaft, die iranische behielt er ebenfalls. Die heikle Sendung hatte er an seinen Schwager in Hamadan im Nordwesten Irans adressiert. Einem Bericht der "Los Angeles Times" zufolge soll der Ingenieur versucht haben, insgesamt 44 Kisten mit technischen Unterlagen und Informationen über das größte Waffenprogramm in der US-Geschichte zu verschiffen.

Was genau Khazaee mit den Unterlagen vorhatte, ist unklar. Die "L. A. Times" zitiert Experten mit der Auffassung, dass die iranische Luftwaffe mit dem Material kaum etwas hätte anfangen können. Deren Flotte bestehe aus Maschinen der Serien F-14 und F-5 - gekauft noch vom Regime des Schahs vor dem Umsturz von 1979. Zwischen diesen alten Maschinen und dem F-35 liege ein Technologiesprung von 40 Jahren.

Khazaee ist nun wegen des internationalen Versandes von gestohlenen Gütern in zwei Punkten angeklagt. Ihm droht eine Haftstrafe von zehn Jahren und ein Bußgeld von bis zu 250.000 Dollar pro Anklagepunkt.

ler



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Seite 1
pass.opp.do 23.01.2014
1. Kein großer Schaden...
Der Vogel ist doch sowieso von Anfang an eine Fehlkonstruktion. Klarer Fall von Industriespionagen-Fail. :D
nickleby 23.01.2014
2. Verrat
Der iranische Klaus Fuchs sollte für sein Verbrechen die rechtlich höchstmögliche Strafe erhalten. Die zu erwartende Geldstrafe wird ihn finanziell in arge Probleme bringen. Das ist auch gut so
darthmax 23.01.2014
3. Papier
wenn er als Ingenieur noch auf dem Papierstadium hängengeblieben ist anstatt die Informationen auf einen Stick zu überspielen, was natürlich mit Arbeit verbunden gewesen wäre...selbst Schuld und seine Entlassung war wohl überfällig.
lustiger_leser 23.01.2014
4. Verstehe ich nicht...
Die Relationen bezüglich des Strafmaßes in USA sind nicht verständlich: das "drohen" jemandem, der dem "Feind" militärisch hochbrisante technische Baupläne für einen aktuellen Kampfjet verkaufen wollte "nur" 10 Jahre (also jemandem, der explizit den "Gegner militärisch unterstützen/stärker machen/den USA schaden wollte), Bradley Manning aber wird für 35 Jahre weggesperrt, weil er offensichtliche Missstände innerhalb des US-Militärs (und darunter eindeutig belegten Mord) aufdecken half. Und was Snowden oder Assange drohen, davon möchte ich gar nicht reden... Völlig bekloppt, das alles.
blackmane 23.01.2014
5.
Zitat von sysopREUTERS/ U.S. Marine Corps/ DVIDSAuf den Kisten stand "Haushaltsgüter", doch darin fanden US-Beamte Tausende Unterlagen über den neuen F-35-Kampfjet - sie sollten per Schiff nach Iran gehen. Jetzt ist ein iranischstämmiger Ingenieur angeklagt worden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/f-35-kampfjet-ingenieur-wollte-plaene-von-usa-nach-iran-schmuggeln-a-945074.html
Als ob in Iran die Ingenieure nur mit Dampfmaschinen auskennen. Natürlich wissen wir nicht, welche Art von Informationen da nach Iran geschafft werden sollten, aber selbst wenn es nur um einzelne Komponenten ginge oder eher diffuse Beschreibungen der Triebwerke, sind solche Dokumente IMMER eine wahre Goldgrube für die bestens international ausgebildeten Ingenieure des Iran. Das sind keine Idioten. die hätten ihren Nutzen schon daraus gezogen.
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