Rassismus-Vorwurf US-Sender und Facebook boykottieren Trump-Werbeclip

Ein Wahlwerbespot von Donald Trump warnt in drastischer Weise vor angeblich kriminellen Einwanderern. Mehrere US-Medien stoppen jetzt die Ausstrahlung. Ihr Vorwurf gegen die Kampagne des US-Präsidenten: Rassismus.

REUTERS

Mehrere US-amerikanische Sender und Facebook haben bekannt gegeben, ein Video des Wahlkampfteams von Präsident Donald Trump nicht mehr ausstrahlen zu wollen. Das Werbevideo habe unangemessene Inhalte, hieß es in unterschiedlich formulierten Mitteilungen von NBC, CNN und auch dem konservativen Sender Fox News.

Vergangene Woche hatte Trump das 30-sekündige Video getwittert, in dem der zum Tode verurteilte mexikanische Immigrant Luis Bracamontes zu sehen ist. "Ich habe Polizisten getötet", sagt der einst illegal in die USA eingereiste Mexikaner, während er im Gerichtssaal sitzt. "Ich werde bald ausbrechen und noch mehr töten." Über die Bilder werden die Zeilen "Demokraten haben ihn in unser Land gelassen" und "Demokraten haben ihn bleiben lassen" eingeblendet.

Nach der Szene werden Bilder der sogenannten Migrantenkarawane gezeigt, die sich derzeit auf dem Weg von Mexiko in die USA befindet. Wieder eine Einblendung: "Wen lassen die Demokraten noch alles rein?" Zum Schluss noch einmal das Bild Baracontes und Trumps Slogan: "Making America safe again!"

Trump instrumentalisierte die Karawane von Tausenden Menschen aus Mittelamerika bereits mehrfach, um Ängste in der US-Bevölkerung zu schüren. Im Video werden die Migranten nun in direkten Zusammenhang mit einem verurteilten Mörder gesetzt. Trump schrieb über den Tweet: "Es ist abscheulich, was die Demokraten unserem Land antun. Wählt die Republikaner, jetzt!"

Im Video: Was ist dran an Trumps Mythen über den Flüchtlingstreck?

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Laut der Nachrichtenagentur AP nannte der Sender NBC die "unsensible Natur des Werbeclips" als Begründung dafür, ihn nicht mehr auszustrahlen. Zuvor war er unter anderem während "Sunday Night Football" gezeigt worden, einem der populärsten Fernsehprogramme der USA.

CNN twitterte, dass es in seinen Berichten sehr klargemacht habe, dass der Clip rassistisch sei, und eine Anfrage des republikanischen Kampagnen-Teams, ihn auszustrahlen, abgelehnt habe.

Und auch Facebook entschied sich, den Clip nicht auf der Plattform zu gestatten. "Diese Werbung wurde heruntergenommen, weil sie gegen die Richtlinien von Facebook verstößt", hieß es am Morgen anstelle des Videos.

Trumps Wahlkampf-Manager, Brad Parscale, reagierte wütend: "NBC, CNN und Facebook haben also beschlossen, sich hinter die zu stellen, die ILLEGAL IN DIESEM LAND SIND. Anstelle sich hinter die LEGALEN IMMIGRANTEN zu stellen und die, die unsere Gesetze befolgen", schrieb er auf Twitter ganz im Stil von Donald Trump. Er fügte hinzu, dass die Fake News versuchen würden, Gedanken zu beeinflussen.

Am 6. November finden in den USA die Midterm-Wahlen statt. Dabei werden alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat vergeben. Die Abstimmung ist auch ein Referendum über die umstrittene Politik Trumps, der zum Endspurt am Montag noch drei Wahlkampfauftritte in drei Bundesstaaten geplant hat. Bei den Kongresswahlen in der Mitte zwischen zwei Präsidentenwahlen bekommt oft die Regierungspartei einen Denkzettel verpasst.

kry/AP/dpa

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