Facebook Wenn schon Handelskrieg, dann richtig

Einfuhrbeschränkungen für Orangensaft und Erdnussbutter aus Amerika? Niedlich. Wenn man die USA treffen will, dann muss man gegen ihre Vorzeigeunternehmen vorgehen. Wie wäre es, zum Anfang, mit Facebook?

DPA

Eine Kolumne von


In Brüssel haben sie überlegt, Strafzölle auf Orangensaft, Bourbon und Erdnussbutter zu erheben. Damit will man Donald Trump davon abhalten, einen Handelskrieg mit Europa anzufangen.

Ich kenne mich, was die Einfuhrmenge amerikanischer Erdnussbutter angeht, nicht aus. Aber ich glaube nicht, dass die Drohung, Brotaufstrich zu verteuern, Trump davon abhalten wird, sich die europäische Stahlindustrie vorzunehmen.

Auch Zölle auf Whiskey oder Orangensaft scheinen mir kein besonders überzeugendes Argument zur Abwendung eines Handelskriegs. In Kalifornien hat Trump ohnehin wenige Wähler. Und was die Bourbon-Destillerien in Tennessee angeht, da wird dann eben eine Subvention erfunden, um den gebeutelten Whiskeybrennern den Schaden zu ersetzen.

Wenn man in einen Handelskrieg zieht, dann muss man dahin zielen, wo es dem Gegner wehtut. Wer die amerikanische Wirtschaft in Aufregung versetzen will, der sollte sich ihre Vorzeigeunternehmen vornehmen, nicht irgendwelche obskuren Nebenbranchen. Ich hätte auch einen Kandidaten für einen Warnschuss. Wie wäre es, zum Anfang, mit Facebook? Wenn es ein Unternehmen verdient hat, dass man ihm die Daumenschrauben anzieht, dann dieses.

Kein Ansprechpartner, keine Verantwortung

Ich halte Facebook für das größte Drecksunternehmen, das es gibt, um es klar zu sagen. Dagegen sind selbst ein Ölkonzern wie ExxonMobil oder ein Saatgutproduzent wie Monsanto hochrespektable Unternehmungen. Corporate Responsibilty; Achtung vor den Gesetzen der Länder, in denen man operiert; Transparenz im Umgang mit der Öffentlichkeit? All das halten sie in den Führungsetagen bei Facebook erkennbar für Gedöns.

Man muss sich nur die Anzeige ansehen, die das Unternehmen Anfang der Woche in mehreren Tageszeitungen veröffentlicht hat, um seine Kunden zu beruhigen - und man weiß, was es in Wahrheit von seinen Nutzern hält. "Es ist unsere Verantwortung, deine Informationen zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir diese Verantwortung nicht verdient", lautete der erste Satz.

Man kann seiner Verantwortung gerecht werden oder eben nicht - verdienen kann man sie sich nicht. Aber so ist es, wenn man seine Kunden in Wahrheit für nützliche Idioten hält, denen man alles erzählen kann: Dann macht man sich nicht einmal die Mühe, den Anzeigentext bei der Übersetzung auf grammatische Mindestanforderungen zu überprüfen.

Die einzige Voraussetzung, um bei Facebook in der PR-Abteilung angeheuert zu werden, scheint die Fähigkeit zu sein, Statements aufsagen zu können, ohne vom Blatt abzuweichen. Ich habe für einen Artikel im SPIEGEL vor Monaten einmal mit der Pressesprecherin Tina Kulow zu tun gehabt. Es ist in Deutschland verboten, Gespräche mitzuschneiden, sonst hätte ich hier ein Protokoll unserer Unterhaltung wiedergeben können. Wäre ich bei Facebook, müsste mich das nicht kümmern. Aber ich bin nun mal beim einem deutschen Unternehmen, wo der Datenschutz ernst genommen wird.

Auf die Frage, an wen sich ein Staatsanwalt in Deutschland halten solle, wenn es Probleme gebe, verwies sie mich an das Facebook-Team in Irland. Als ich daran erinnerte, dass dies aber keine juristische Person sei, die man vorladen könne, antwortete sie mir fröhlich, eine solche Person kenne sie auch nicht, da müsse ich mich an die Kollegen in Dublin wenden.

Der Grund für meinen Anruf war der Fall der Schauspielerin Jennifer Ulrich, die auf ihrer Facebook-Seite wüst beschimpft worden war, ohne dass Facebook reagiert hatte. Sie könne die Betroffenheit der Schauspielerin verstehen, erklärte Kulow in ihrer unnachahmlich aufgekratzten Art, aber Personen des öffentlichen Lebens müssten nun einmal mehr aushalten als Privatleute.

Für alle, die den Fall nicht verfolgt haben: Ulrich wurde angedroht, ihr Gesicht mit einer Kettensäge zu zerkleinern, eine Gewaltphantasie, die Facebook trotz Bitte der Schauspielerin nicht von seinen Seiten entfernte, weil das Unternehmen fand, dass dies nicht gegen die "Gemeinschaftsstandards" des Konzerns verstoße.

Das richtige Mittel gegen Internet-Unternehmen

Manche Leser werden einwenden, dass ich die Dinge unzulässig vermische, wenn ich den drohenden Handelskrieg mit Amerika und Sanktionen gegen Facebook zusammenbringe. Das mag schon sein, aber so ist es manchmal in der Politik. Da kommen Dinge zusammen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben.

Man muss nicht einmal Strafzölle erheben, um Facebook zu treffen. Zölle sind bei Internet-Unternehmen ohnehin kein besonders effektives Mittel. Auch Sondersteuern, wie sie derzeit in Brüssel erwogen werden, scheinen mir nicht sehr vielversprechend zu sein.

Mein Kollege Christian Reiermann hat neulich überzeugend dargelegt, warum eine Änderung der Steuerregeln, wonach ein Unternehmen dort Steuern zahlt, wo es seine Produktionsstätten hat, gerade Deutschland empfindlich treffen würde. Daimler hat im vergangenen Jahr zwei Milliarden an die Finanzbehörden gezahlt, obwohl es nur rund 15 Prozent seiner PKW in Deutschland verkauft.

Es gibt einen sehr einfachen Weg, Facebook daran zu erinnern, dass es sinnvoll sein könnte, sich an geltende Gesetze zu halten. Es reicht, dass man in Europa die Downloadgeschwindigkeit für alle Facebook-Seiten herabsetzt. Der ehemalige Piratenpolitiker Christopher Lauer hat mich auf die Idee gebracht, Ich wusste nicht, dass man Datenpakete dem jeweiligen Absender zuschlüsseln kann, aber es scheint technisch durchaus möglich zu sein.

Wenn der Facebook-Nutzer in Deutschland nur noch mit lahmen 250 Kilobit pro Sekunde auf der Facebook-Seite unterwegs ist, wird er entweder sehr viel Zeit bei Facebook verbringen - oder sich nach alternativen Beschäftigungen umsehen. In jedem Fall wird man sich in Menlo Park, dem Hauptsitz des Konzerns, überlegen, ob man weiterhin einfach alle Anfragen zur Geschäftspraxis ignoriert.

Mehr zum Thema
Newsletter
Kolumne - Der schwarze Kanal


insgesamt 132 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Elrond 29.03.2018
1. Daran erkennt man doch
dass weder die EU noch China wirklich an einem Handelskrieg interesiert sind. Sie reagieren mit Sanktionen, aber doch sehr moderaten. Was sollte es der EU oder China bringen knallharte Strafzölle zu verhängen. Das wäre das falsche Signal.
isnogood444 29.03.2018
2. Klartext
Sehr geehrter Herr Fleischhauer, vielen Dank für diese klaren und klugen Worte. Können Sie bitte Politiker schulen sich verständlich auszudrücken?
Morrison 29.03.2018
3. Stimme voll zu
Halte Facedoof auch für ein drecksunternehmen, obwohl ich selbst dort privat kein Account habe. Die idee mit der download rate ist sensationell! Und da wir ja jetzt alle nur noch ausgesprochen internet affine Spitzenpolitiker haben, Stichwort „digitalisierung“, sind diese Politiker sicherlich auch schon auf die gleiche Idee gekommen! Oder doch nicht?
skilliard 29.03.2018
4.
Ich lach mich tot. Für die Netzneutralität kämpfen und dann die Datenpakete nach Zuordnung drosseln wollen. Könnten solche Artikel nicht mal von jemandem geschrieben werden, der Ahnung von der Materie hat und nicht nur eine politische Agenda, die er sich bei Bedarf zurechtschnitzt?
elwoodblues1969 29.03.2018
5. Oder wie wäre es mit..
So ein Artikel kann nur von jenanden kommen der nicht bei Facebook ist und sich somit nicht ärgern würde. Wie wäre es statt dessen mit Apple? Das würde mich als Samsung Nutzer nun nicht stören...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.