Faisabad Bundeswehr-Lager unter Raketenbeschuss

Neuer Angriff auf die Bundeswehr in Afghanistan: Drei Tage nach dem Anschlag in Kunduz sind erneut deutsche Soldaten angegriffen worden. Ein Lager in Faisabad wurde mit Raketen beschossen, verletzt wurde niemand.


Faisabad - Nach Angaben von Thomas Raabe, Sprecher des Verteidigungsministeriums, schlugen gestern Nacht um 23.15 Uhr Ortszeit zwei Raketen im Lager im nordafghanischen Faisabad ein, eine Rakete sei auf dem Gebiet des Flughafens eingeschlagen. Die Besatzung eines Spähpanzers habe zwei Verdächtige bemerkt und Warnschüsse abgegeben. Die Untersuchungen seien im Gange, erklärte Raabe.

Bei dem Angriff sei niemand verletzt worden. Auch habe es keinen Sachschaden gegeben.

Am Samstag waren bei dem Selbstmordanschlag auf einem Markt in Kunduz drei deutsche Soldaten und acht afghanische Zivilisten getötet worden. Die getöteten Bundeswehrsoldaten wurden heute aus Usbekistan nach Deutschland geflogen.

In Kunduz wollen die Einwohner am Donnerstag der Soldaten und der getöteten Afghanen gedenken - vor allem aber für das weitere Engagement der Deutschen in Kunduz werben. Tausende Menschen sollen zu einer Demonstration zusammenkommen, sagte Gouverneur Mohammed Omar, der die Kundgebung mit dem Stadtältesten organisiert. "Die Deutschen sind traurig. Ich teile diese Trauer, will aber auch Dank für den großen Einsatz aussprechen, der uns bisher sehr geholfen hat."

Die Demonstration hat das Motto "Germany please stay, we need you" - "Deutschland, bitte bleib, wir brauchen dich". Mohammed Omar warnt vor einem Abzug: "Das wäre eine Katastrophe für uns. Dann kehren Chaos und Verbrechen in die Stadt zurück."

Die drei getöteten Bundeswehrsoldaten wurden heute in einem Airbus A310 aus Usbekistan nach Deutschland abgeflogen. Das sagte ein Sprecher der Bundeswehr in Köln. Die Maschine wurde am frühen Abend auf dem militärischen Teil des Kölner Flughafens erwartet. Dort ist eine Trauerfeier geplant. Die Leichen der Soldaten waren zunächst mit einer Transall-Maschine von Kunduz zum Lufttransportstützpunkt Termez in Usbekistan geflogen worden. Da der Airbus ein Zivilflugzeug ohne Schutzeinrichtungen gegen Angriffe ist, fliegt er nicht direkt bis nach Afghanistan.

Mit einer Schweigeminute hat das Bundeskabinett der drei getöteten deutschen Soldaten gedacht. Den bei dem Attentat verletzten Bundeswehrangehörigen wünschte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rasche Genesung, wie Regierungssprecher Ulrich Wilhelm mitteilte. Merkel habe erneut darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Soldaten und zivilen Helfern in Afghanistan unverzichtbar sei.

Weiterer tödlicher Angriff auf Isaf-Patrouille

Bei einem Anschlag im Nordwesten Afghanistans sind heute ein finnischer Soldat und ein Zivilist getötet worden. Es ist das erste Todesopfer der finnischen Armee im Rahmen des Nato-Einsatzes in Afghanistan. Durch die Bombenexplosion nahe des Stützpunkts Maimana in der Provinz Farjab erlitten den Militärangaben zufolge zudem vier norwegische Soldaten Verletzungen. Die europäischen Soldaten hätten zu Fuß eine Gruppe von Isaf-Sanitätern begleitet, als der Sprengsatz detonierte. Finnland hat etwa 100 Soldaten in Afghanistan stationiert, Norwegen 600.

Zuvor hatte bereits ein Selbstmordattentäter in der Hauptstadt Kabul einen afghanischen Polizisten mit in den Tod gerissen. Der Anschlag ereignete sich nur wenige Stunden nach der Weiterreise von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) nach Pakistan. Steinmeier hatte gestern die Bundeswehrsoldaten nach dem Anschlag in Kunduz besucht.

Der Regierung in Kabul sagte der Minister dennoch weitere Unterstützung zu, vor allem bei der Ausbildung von Polizei und Armee. Die Bundeswehr ist im Rahmen der Nato-geführten Internationalen Sicherheitstruppe (Isaf) in Afghanistan im Einsatz.

asc/AP/Reuters/ddp/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.