Verfahren eingeleitet BKA soll Tod der Kriegsreporterin Niedringhaus aufklären

Der Tod der deutschen Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan soll von deutschen Ermittlern untersucht werden. Der Generalbundesanwalt leitete ein Verfahren ein und beauftragte das BKA, vor Ort den Hintergrund der tödlichen Schüsse eines Polizisten aufzuklären.

AP/ dpa

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Karlsruhe - Nach dem Tod der deutschen Kriegsreporterin Anja Niedringhaus hat der Generalbundesanwalt in Karlsruhe Ermittlungen aufgenommen. Eine Sprecherin der Behörde bestätigte auf Nachfrage, man habe gegen einen afghanischen Polizisten ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes und der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung eingeleitet.

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Heft 15/2014
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Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt, über die in Kabul ansässigen Verbindungsbeamten von den lokalen Behörden Informationen über den Fall einzuholen und über den festgenommenen afghanischen Polizisten, der mit einem Maschinengewehr auf die Reporterin gefeuert hatte. Die BKA-Beamten stehen deswegen bereits mit dem Kabuler Innenministerium in Kontakt.

Anja Niedringhaus war am vergangenen Freitag von einem afghanischen Polizisten erschossen worden, als sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Kathy Gannon von der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) mit einem Konvoi für Wahlunterlagen im Osten Afghanistans unterwegs war.

Der Konvoi war am Freitagmorgen auf dem Gelände einer Polizeistation in der Provinz Khost angekommen, als sich ein Polizist dem Auto näherte, die beiden Frauen in einem blauen Pkw sah und unvermittelt auf das wartende Auto feuerte.

Niedringhaus, die auf der linken Seite der Rückbank des Wagens saß, wurde von mehreren Kugeln in den Kopf getroffen und war sofort tot. Ihre Kollegin Kathy Gannon wurde schwer verletzt, ihr Zustand ist aber stabil. Sie ist mittlerweile zur medizinischen Behandlung in Deutschland eingetroffen.

Deutscher Botschafter mahnt zügige Ermittlungen an

Die Hintergründe der Tat sind bis heute nicht aufgeklärt. Ein Sprecher des Gouverneurs von Khost sagte SPIEGEL ONLINE, der Polizist, dessen Namen er mit Naqibullah angab, sei seit mehreren Monaten im Osten Afghanistans eingesetzt und habe sich nach der Tat widerstandslos festnehmen lassen.

In einer ersten Vernehmung habe der Mann aus dem Distrikt Ghorband in der Provinz Parwan nördlich von Kabul angegeben, er habe mit der Tat Rache für einen Nato-Luftangriff in seinem Heimatort vor einigen Monaten nehmen wollen. Zudem gab er aber an, sich an die Schüsse nicht mehr erinnern zu können, da er zum Tatzeitpunkt geistig verwirrt war. Konkret sprach er von einer Art epileptischen Anfall, der in Afghanistan mit dem Wort "Mergi" bezeichnet wird.

Die deutschen Ermittler wollen nun so genau wie möglich klären, was wirklich hinter der tödlichen Attacke steckt. Der deutsche Botschafter in Kabul telefonierte bereits kurz nach der Tat mit dem afghanischen Innenminister und mahnte zügige Ermittlungen an. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hieß es am Montag, der Täter solle in den kommenden Tagen nach Kabul gebracht und dort erneut verhört werden.

Nach der Einleitung eines deutschen Ermittlungsverfahrens wird das BKA versuchen, bei diesen Befragungen anwesend zu sein. Zudem wollen die deutschen Behörden den Kameramann der Agentur AP vernehmen, der mit Niedringhaus und Gannon unterwegs war. Gannon soll möglichst bald in Deutschland befragt werden, um mehr Details über den Tathergang zu erhalten.

Ob sich der Verdacht auf eine Mitgliedschaft des mutmaßlichen Täters in einer terroristischen Vereinigung erhärten lässt, ist dem Vernehmen nach bisher ungewiss. Ebenso möglich sei es, dass der Polizist aus persönlichen Motiven gehandelt habe und nicht im Auftrag einer Organisation. Aus dem afghanischen Innenministerium hieß es, dass es sich bei dem etwa 30 Jahre alten Mann definitiv um einen Polizisten handelte, der seit längerer Zeit im Dienst gewesen sei.

Von hochrangigen Beamten und auch aus dem Präsidentenpalast hieß es weiter, man wolle mit den deutschen Behörden kooperieren. Präsident Hamid Karzai hatte nach dem tragischen Vorfall den Familien der Reporter umgehend sein Beileid ausgesprochen und eine schnelle Aufklärung der Tat versprochen. Die Leiche der deutschen Reporterin wurde am Samstag von der Bundeswehr aus Afghanistan nach Deutschland überführt.

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
pacificwanderer 07.04.2014
1. Wer will
sich jetzt damit profilieren? Islamisches Recht, dem Taeter Ruebe ab und gut ist. Wenn er nach DL ueberstellt wuerde bekaeme er Freispruch wegen besonderer Umstaende!
European 07.04.2014
2. Das passt
Zitat von sysopAP/ dpaDer Tod der deutschen Fotografin Anja Niedringhaus in Afghanistan soll von deutschen Ermittlern untersucht werden. Der Generalbundesanwalt leitete ein Verfahren ein und beauftragte das BKA, vor Ort den Hintergrund der tödlichen Schüsse eines Polizisten aufzuklären. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fall-anja-niedringhaus-generalbundesanwalt-nimmt-ermittlungen-auf-a-963053.html
genauso zu dieser Republik wie die Tatsache das wegen der Verbrechen der NSA nicht ermittelt wird. So etwas nennt man sich mit Pseudoproblemen beschäftigen weil man die Echten nicht angeht. Die Dame wurde erschossen weil sie in einem Kriegsgebiet als Teil einer Kultur wahrgenommen wurde die dort unzählige Menschen getötet hat, so einfach ist das.
aueronline.eu 07.04.2014
3. immer wieder mal zeigt sich
Dass Fotografen und oder Reporter vor allem in Krisengebieten außer dem offensichtlichen Job noch einen anderen ausüben. Klar ist das geheim, wenn fürs Auswärtige Amt oder ähnlichen noch etwas erledigt wird. Aber man kann sich sehr frei bewegen. Ich unterstelle hier nichts, es kommt auch immer wieder zu Fehleinschätzungen ausländischer Dienste, Verwechslungen etc. Das Engagement des BKA wundert mich schon etwas.
claudiosoriano 07.04.2014
4. Bei
Zitat von Europeangenauso zu dieser Republik wie die Tatsache das wegen der Verbrechen der NSA nicht ermittelt wird. So etwas nennt man sich mit Pseudoproblemen beschäftigen weil man die Echten nicht angeht. Die Dame wurde erschossen weil sie in einem Kriegsgebiet als Teil einer Kultur wahrgenommen wurde die dort unzählige Menschen getötet hat, so einfach ist das.
dem Thema NSA sind Sie überfordert, ebenso wie bei der Drohnen Todesfabrik Ramstein! Feige, willige Juristen, nicht besser als 39!
raf2 07.04.2014
5. ich fass es nicht...
so ein blödsinn.... wir sind hier wirklich in einer bananenrepublik...
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