Khashoggis Söhne bei CNN "Wir müssen sicherstellen, dass er in Frieden ruht"

Zum ersten Mal seit dem Tod von Jamal Khashoggi haben seine beiden Söhne ein Interview gegeben: Sie fordern die Freigabe des Leichnams, um ihn in Saudi-Arabien zu beerdigen - und beteuern, Vertrauen in Riad zu haben.

Jamal Khashoggi (Archivbild)
DPA

Jamal Khashoggi (Archivbild)


Salah und Abdullah Khashoggi, die beiden Söhne des getöteten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi, haben dem US-Sender CNN ein Interview gegeben. Es ist das erste Mal seit dem Tod ihres Vaters, dass sie sich öffentlich äußern. Dabei forderten sie nun vor allem eins: die Rückgabe des Leichnams von Jamal Khashoggi. Andernfalls sei es der Familie nicht möglich, zu trauern und mit der "emotionalen Belastung" umzugehen.

"Es ist keine normale Situation, es ist überhaupt kein normaler Tod", sagte Salah Khashoggi dem TV-Sender. Alles, was die Familie nun wolle, sei es, Jamal Khashoggi auf dem Friedhof Al-Baqi im saudi-arabischen Medina zu beerdigen, "mit dem Rest seiner Familie". Salah Khashoggi sagte, er habe bereits mit den Behörden in Saudi-Arabien gesprochen. "Und ich hoffe, dass es bald passiert."

Der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi war am 2. Oktober in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul gegangen, um dort Papiere für seine geplante Hochzeit abzuholen. Danach tauchte der Journalist nicht mehr auf. Riad hatte erst Wochen später und unter massivem internationalen Druck eingeräumt, dass der 59-Jährige im Konsulat getötet wurde.

Die türkische Generalstaatsanwaltschaft hatte am vergangenen Mittwoch erklärt, der Journalist sei kurz nach Betreten des Konsulats erwürgt worden. Anschließend sei sein Leichnam "in Stücke zerteilt" und dann "vernichtet" worden.

Über die Umstände des Falls habe es viele "Desinformationen" gegeben, sagte nun Salah Khashoggi, 35, in dem Interview. Er könne bis heute nicht glauben, dass sein Vater tot sei. "Wir müssen sicherstellen, dass er in Frieden ruht." Der 33 Jahre alte Abdullah Khashoggi sagte: "Was auch immer ihm zugestoßen ist, ich hoffe wirklich, dass es nicht schmerzhaft für ihn war - oder zumindest schnell ging. Oder dass er einen friedlichen Tod starb." Die beiden Brüder haben noch zwei Schwestern.

Viele sehen in dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MbS) den Verantwortlichen hinter dem Todesfall. Salah Khashoggi hatte MbS am 24. Oktober in Riad getroffen, ein Foto der beiden beim Händeschütteln hatte international für Aufsehen gesorgt. Salah Khashoggi sagte dazu nun, das Foto sei falsch interpretiert worden. "Sie haben die ganze Situation überbewertet", sagte er. König Salman habe zugesichert, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Und darauf vertraue ich. Das wird passieren. Ansonsten hätten die Saudis keine interne Untersuchung eingeleitet."

Salah Khashoggi (l.) mit Mohammed bin Salman
SPA/dpa

Salah Khashoggi (l.) mit Mohammed bin Salman

Sein Vater sei nie ein Dissident gewesen, sagte Salah Khashoggi. Er habe an die Monarchie geglaubt - und daran, dass sie das Land zusammenhalte. Auf die Frage, wie Jamal Khashoggi in Erinnerung bleiben solle, sagte sein Sohn Salah: "Als ein gemäßigter Mann, der mit allen gemeinsame Werte teilt... als ein Mann, der sein Land geliebt hat, der so sehr an es geglaubt hat und so viel Potenzial darin gesehen hat."

aar/Reuters

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lathea 05.11.2018
1. Es gibt keinen Leichnam mehr,.....
.....sondern nur noch die Reste der Teile (wenn überhaupt). Sie haben ihn wie ein Hähnchen zerteilt und ihm sogar noch die Haut vom Gesicht wie einen Skalp abgezogen und als Trophäe fotografiert. Der Mord und die Mörder sind in der Perversität kaum zu überbieten und primitiv. Bei uns würde man sie in die Psychiatrie und Sicherungsverwahrung stecken. Der gesamte Mord gibt einen Einblick in die perverse und primitive Denkweise aller handelnden Personen inkl. des Königshauses. Er ist eine Schande für jede zivilisierte Welt. Wir sollten uns - ungeachtet der Arbeitsplätze - gut überlegen, ob wir machtgeile Perverse und Primitive wirklich mit Waffen ausstatten wollen, die sie dann irgendwann vielleicht auch gegen uns richten können. Die Welt ist noch lange davon entfernt, ein Weltstaat zu sein oder zu werden. Im Kampf um Wohlstand, Ressourcen und Macht werden uns noch einige Erfahrungen heimsuchen. Wir sollten in der EU und in den einzelnen EU-Ländern nicht in Blauäugigkeit verfallen, sondern achtsam darüber wachen, wem wir uns im Zweifel wirtschaftlich und politisch ausliefern und wieviel Macht und Kontrolle wir behalten und als EU stärken wollen.
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