Fall Skripal Britisches Außenministerium soll Tweet über angeblichen Gift-Beweis gelöscht haben

Großbritannien hat noch keine Beweise vorgelegt, dass Russland hinter dem Giftanschlag auf Ex-Spion Skripal steckt. Ein Tweet über einen angeblichen Beleg wurde offenbar vom Außenministerium entfernt.

Tatort in Salisbury
REUTERS

Tatort in Salisbury


Russlands Präsident Wladimir Putin will im Streit über den Giftanschlag auf den Ex-Agenten Sergej Skripal nicht auf eine Entschuldigung Londons warten. "Wir warten auf nichts", sagte Putin in Ankara. "Wir wollen, dass der gesunde Menschenverstand am Ende triumphiert und die internationalen Beziehungen keinen Schaden nehmen."

Großbritannien verdächtigt Russland, an dem Anschlag auf Skripal vor einem Monat beteiligt gewesen zu sein. London geht davon aus, dass der frühere Doppelagent mit dem in der früheren Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok vergiftet wurde.

Aber Beweise für die Vorwürfe wurden bislang nicht geliefert. Ein britisches Labor erklärte am Dienstag, es gebe keine präzisen Hinweise, dass das Gift aus Russland gekommen sei. Putins Sprecher sagte daraufhin, dass der Westen sich bei Moskau auf irgendeine Weise entschuldigen müsse.

Die russische Botschaft in London berichtete zudem, dass das britische Außenministerium einen Tweet vom 22. März inzwischen gelöscht habe. Darin hatte es geheißen, dass Analysen ergeben hätten, das tödliche Gift Nowitschok sei in Russland hergestellt worden. "Warum könnte das Außenministerium den Tweet vom 22. März gelöscht haben?", fragte die Botschaft auf Twitter:

Der Fall hat die schwerste diplomatische Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg ausgelöst. Viele westliche Staaten wiesen russische Diplomaten aus, worauf Russland ebenfalls mit Ausweisungen reagierte.

Der Chef des russischen Auslandsgeheimdiensts, Sergej Naryschkin, bezeichnete Skripals Vergiftung als "groteske Provokation" der Geheimdienste Großbritanniens und der USA. Einige europäischen Staaten hätten jedoch keine Bedenken, London und Washington zu folgen, "ohne mit der Wimper zu zucken", sagte Naryschkin. Er warnte vor einer neuen Kuba-Raketenkrise wie im Oktober 1962, als die Welt am Rand eines Atomkriegs stand.

als/AP/dpa

insgesamt 48 Beiträge
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Peter M. Lublewski 04.04.2018
1.
Man hatte also im Außenministerium keinen Beleg, sondern höchstens einen angeblichen Beleg? Wenn man jemals den Chef des Außenministeriums gesehen hat weiß man, wie sehr man sich zum Affen machen kann.
irobot 04.04.2018
2.
So was fälscht jeder halbwegs Informierte in 10 Minuten.
fantin-latour 04.04.2018
3. Was soll das?
Könnt ihr nicht checken, ob der Tweet wirklich weg ist, ehe ihr Putins Propaganda nachplappert?
Ossifriese 04.04.2018
4. Das ist der Beweis
Ist doch egal! Gerade dass es keine Beweise gibt, beweist einmal mehr, dass es nur Putin gewesen sein. Wer sonst könnte diesen Anschlag so bewerkstelligen, dass es anschließend keinerlei Beweise gegen ihn gibt...?
gerd.lt 04.04.2018
5. Scherbenhaufen
Hand in Hand maschieren die Staaten des Westens hinter den Briten her, die nur beschuldigen und widersprüchliche Meldungen verbreiten, keine Beweise haben, geschweige denn vorlegen, und verhängen Sanktionen und Ausweisungen gegenüber Russland. Zuerst bestrafen und dann die Welt auf Beweise warten lassen - ein einmaliger Vorgang gegenüber der Rechtsauffassung demokratischer Staaten. Sogar der deutsche Außenminister, ein ehemaliger Justizminister lässt Deutschland diesen Weg von falschverstandener Solidarität mitgehen. Neben Mays Scherbenhaufen sich in Solidarität versammlen ist nur noch lächerlich, besonders für solche Staaten, die Menschlichkeit, Demokratie, Menschenrechte, Rechtstaatlichkeit stets wie eine Fahne vor sich hertragen.
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