Giftanschlag Bulgarischer Geheimdienst hat Hinweise auf dritten Skripal-Attentäter

Die Hinweise auf einen dritten Attentäter im Fall Skripal verdichten sich: Der Mann soll zuvor bereits an einem Anschlag in Bulgarien beteiligt gewesen sein.

Sergej Skripal
imago/ Russian Look

Sergej Skripal


Das bulgarische Parlament geht Berichten über einen möglichen dritten Verdächtigen bei dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien nach.

Ein Parlamentsausschuss will dazu am kommenden Donnerstag Geheimdienstinformationen anfordern, wie der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei Gerb, Zwetan Zwetanow, mitteilte. Hintergrund sind demnach neue Erkenntnisse zu einem Giftanschlag in Bulgarien im Jahr 2015.

Der ehemalige Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren im März 2018 im südenglischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Die britische Regierung macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Als Verdächtige gelten bisher zwei Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU.

Wer ist Sergej Fedotow?

In der vergangenen Woche hatte die britische Rechercheplattform Bellingcat über einen bislang unbekannten dritten Verdächtigen berichtet. Der Mann soll demnach zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Skripal unter dem Decknamen Sergej Fedotow nach Großbritannien gereist und an dem Anschlag beteiligt gewesen sein.

Auch eine russische Internetseite hatte diesen Namen im Herbst veröffentlicht, damals aber keine Quellen oder Belege für eine Beteiligung von Fedotow am Skripal-Anschlag genannt. Den Bellingcat-Recherchen zufolge soll Sergej Fedotow bereits 2015 an einem Anschlag auf den bulgarischen Geschäftsmann Emilian Gebrew beteiligt gewesen sein.

Der Rüstungsfabrikant Gebrew war im April 2015 bei einem Empfang mit schweren Vergiftungserscheinungen zusammengebrochen und ins Koma gefallen. Sein Sohn und ein Mitarbeiter wurden wegen ähnlicher Symptome behandelt, alle drei wurden aber wieder gesund. Laut Bellingcat soll Fedotow zwei Tage vor dem Giftanschlag auf Gebrew von Moskau nach Sofia geflogen sein.

In bulgarischen Regierungskreisen wurden die Angaben inzwischen bestätigt, wie die Wochenzeitung "Capital" unter Berufung auf Vertreter des Innenministeriums berichtete. Die Erklärung von Zwetanow war nun die erste offizielle Reaktion auf die Enthüllungen in Bulgarien. Zwetanow sagte, er gehe davon aus, dass sich die Behörden in Bulgarien, Großbritannien und der EU über die neuen Enthüllungen austauschen und "aktiv" an einer Aufklärung arbeiten.

him/afp

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