Fall Skripal Russland weist 23 britische Diplomaten aus

Großbritannien wies nach der Vergiftung des Ex-Spions Skripal russische Diplomaten aus, nun hat Russlands Präsident Putin reagiert: 23 britische Diplomaten wurden ausgewiesen und der britische Botschafter einbestellt.

Roter Platz in Moskau
imago/ allOver-MEV

Roter Platz in Moskau


Russland weist im Streit mit Großbritannien 23 britische Diplomaten aus. Das teilte das Außenministerium in Moskau mit. Außerdem ist der britische Botschafter in Russland, Laurie Bristow, vom Außenministerium in Moskau einbestellt worden. Das Treffen mit Botschafter Bristow soll im Laufe des Tages stattfinden. Russland hatte diese Schritte zum Teil bereits am Freitag angekündigt.

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Heft 12/2018
Der Giftanschlag und der neue Kalte Krieg

Russland ziehe zudem seine Zustimmung für die Eröffnung und den Betrieb des Generalkonsulats in St. Petersburg zurück, teilte das Ministerium mit. Außerdem müsse das Kulturinstitut British Council seine Tätigkeit in Russland einstellen. Der Status des Instituts war dem Ministerium zufolge nicht eindeutig geklärt gewesen.

Die Maßnahmen sind eine Reaktion auf den Fall Sergej Skripal. Der russische Ex-Spion war im südenglischen Salisbury zusammen mit seiner Tochter bewusstlos aufgefunden worden. Nach Überzeugung der britischen Regierung handelte es sich um einen Giftanschlag aus Russland. Premierministerin Theresa May hatte die russische Regierung ultimativ zur Aufklärung aufgefordert. Die Frist verstrich in der Nacht zu Mittwoch. Die Regierung in Moskau streitet jede Verwicklung in den Fall ab.

Moskauer Diplomat beschuldigt USA und Großbritannien

Am Mittwoch hatte die britische Regierungschefin Theresa May bereits 23 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Außerdem stoppte Großbritannien bilaterale Kontakte "auf hoher Ebene" mit Russland. Aus diesem Grund wurde eine Einladung des russischen Außenministers Sergej Lawrow nach London zurückgezogen. Zudem würden weder britische Minister noch die königliche Familie die Fußball-WM im Sommer in Russland besuchen.

Unterdessen hat ein russischer Diplomat dem Westen eine Beteiligung am Giftanschlag auf Skripal vorgeworfen. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" könne angenommen werden, dass das im südenglischen Salisbury verwendete Gift aus einem westlichen Labor stamme, sagte Alexander Schulgin, Russlands Vertreter bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). "Um nicht um den heißen Brei herumzureden, nenne ich diese Länder direkt. Das sind vor allem Großbritannien selbst und die USA", sagte Schulgin.

Der Diplomat behauptete, dass westliche Geheimdienste in den 1990er Jahren russische Chemiker angeworben hätten. Diese hätten Kenntnisse über Arbeiten aus der Sowjetzeit gehabt. Westliche Staaten, die er nicht näher nannte, hätten mit diesen Informationen aktiv gearbeitet.

hej/dpa/Reuters/AP



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