Bellingcat-Recherche Verdächtiger im Skripal-Fall angeblich identifiziert

Die Recherchegruppe Bellingcat will einen der beiden Verdächtigen im Fall des vergifteten Ex-Doppelagenten Skripal identifiziert haben. Demnach handelt es sich um einen GRU-Geheimagenten.

Das Standbild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen im Fall Skripal in Salisbury
DPA

Das Standbild einer Überwachungskamera zeigt die beiden Verdächtigen im Fall Skripal in Salisbury


Er trat im Fernsehen als "Ruslan Boshirow" auf - nun will die Recherchegruppe Bellingcat die wahre Identität eines der Verdächtigen im Fall Skripal herausgefunden haben. Demnach handelt es sich bei "Boshirow" um Oberst Anatoliy Chepiga, einen GRU-Geheimdienstagenten. Chepiga soll mit der höchsten Ehrung des Landes ausgezeichnet sein, dem "Helden Russlands", der für gewöhnlich vom Präsidenten persönlich übergeben wird. Mehrere anonyme Quellen hätten die Identität bestätigt.

Der Recherche von Bellingcat zufolge, die auf der Website detailliert skizziert wird, wurde Chepiga am 5. Mai 1979 in Russland nahe der chinesischen Grenze geboren. Mit 18 Jahren sei er auf eine Militärschule gewechselt. Diese gelte als Eliteschule für Marinesoldaten. 2001 habe Chepiga die Ausbildung dort mit Auszeichnung abgeschlossen. Sein Alter Ego "Ruslan Boshirow" soll er zwischen 2003 und 2010 bekommen haben. Unter dem Namen sei er nach Moskau versetzt worden.

Der offiziellen Version zufolge handelt es sich bei "Boshirow" lediglich um einen Zivilisten, der zusammen mit dem mutmaßlichen zweiten Täter in Salisbury "die berühmte Kathedrale" besichtigen wollte. In dem im kremlnahen Sender RT ausgestrahlten Interview berichteten die beiden, sie seien zufällig kurz vor dem Skripal-Attentat im März als Urlauber nach Großbritannien geflogen. Sie seien die Männer, die auf den von der britischen Polizei veröffentlichten Fahndungsfotos zu sehen seien. Der zweite Mann soll "Alexander Petrow" heißen.

Die britischen Behörden gehen hingegen davon aus, dass es sich um Aliasnamen handelt und die Männer Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes sind. Dies bestritten sie in dem 25-minütigen Interview.

Moskau bestreitet die Vorgänge

Sergej und Julija Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod. London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Moskau bestreitet die Vorwürfe. Der Fall löste eine schwere diplomatische Krise aus.

Die britischen Ermittler gehen davon aus, dass das Nervengift auf die Türklinke der Skripals gesprüht wurde. Bilder aus Überwachungskameras zeigen die Verdächtigen am Tag des Anschlags in unmittelbarer Nähe von Skripals Haus.

Sergej Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

vks



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my-space 26.09.2018
1. Alles kommt raus
Die von den Briten ermittelten Männer erfüllen alle Voraussetzungen als Täter: Verhalten am Tatort über Kameras, zwei Rückflugtickets an zwei aufeinanderfolgenden Tagen, unglaubwürdige Begründungen für Aufenthalt UND Spuren des Gifts in ihrem Hotelzimmer. Für Putinfans alles nie genug, egal was noch rauskommt.
beachy1 26.09.2018
2. Das sind gute Neuigkeiten
Die Ermittler auf britischer Seite haben wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Und der russische Staat wurde - mal wieder - massiver Lügenkampagnen überführt, die der Vertuschung weiterer Morde und Mordversuche in der Welt dienen sollte. Nicht einmal vor dem Einsatz von chemischen Kampfstoffen auf britischem Boden schreckt man mehr zurück. Jetzt wird es Zeit, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Und die russische Regierung der gesamtem Weltöffentlichkeit als das zu präsentieren, was sie wirklich sind. Wenn doch nur die russische Bevölkerung endlich mal aufwachen würde...
bauklotzstauner 26.09.2018
3. Wow!
Jetzt bin ich überzeugt! Obwohl.... Bellingcat.. das waren doch dieselben, die im Fall MH17 Fotos (zB. das "Paris-Match-Foto" und das aus Tores) als Basis für "Analysen" der darauf zu sehenden BUK benutzten, obwohl die Bilder schon auf den zweiten Blick eindeutig als Fotomontagen zu identifizieren waren? Oder Militärpapiere der "russischen Bedienmannschaft der BUK" veröffentlichten, die belegen sollten, daß diese kurz vor "ihrem Einsatz in der Ukraine zum Schein aus der russischen Armee entlassen worden" waren - und auf denen samt und sonders Datumsangaben aus dem Jahr 2013 (!!!) zu entziffern waren? Oder denen sogar Spiegel online "Kaffeesatzuleserei" attestierte: http://www.spiegel.de/politik/ausland/mh17-satellitenbilder-bellingcat-betreibt-kaffeesatzleserei-a-1036874.html Und die sich auch im Syrienkrieg mehr als einmal bis auf die Knopchen blamierten. Zuletzt mit der "eindeutigen Identifikation einer syrischen Giftgasbombe", die tatsächlich eine Azetylen-Gasflasche mit liebevoll angebasteltren Scheinflügelchen war, die trotz der Durchschlagens einer massiven Stahlbetondecke nicht mal einen Kratzer aufwies? Um Harald Kujat zu zitieren: "Ich habe Zweifel"... Um es freundlich zu formulieren. Mir scheint, wann immer in letzter Zeit Ereignisse von gewisser Bedeutung, Verbrechen zumeist, nicht von offiziellen Stellen aufgeklärt werden, sondern auf zwielichtige Hoibbyermittler vom Schlage Belligncat oder Correctiv verwiesen wird, von denen man sich entweder notfalls distanzieren kann, bzw. auf die sich von vornherein keine offizielle Stelle beruft, ist allerhöchste Vorsicht angesagt!
Clara77 26.09.2018
4.
Klingt insgesamt ganz glaubwürdig. Nur eins, lieber Spiegel - "Bellingcat" ist nun wirklich ebenfalls eine etwas merkwürdige Quelle. Das Portal besteht angeblich nur aus dem mysteriösen Eliot Higgins, der angeblich ein Privat-Mann ist, der seine Freizeit damit verbringt, Recherchen über russische Boshaftigkeiten zu machen und die dann - allzu auffällig deckungsgleich mit westlichen Interessen ins Internet zu stellen. Was die Sache insgesamt schon etwas fragwürdig macht. Von einem professionellen Journalismus würde ich eigentlich nicht erwarten, dass das einfach so als ernsthafte Quelle angegeben wird.
beachy1 26.09.2018
5. War ja klar, dass wieder so etwas kommt
Zitat von bauklotzstaunerJetzt bin ich überzeugt! Obwohl.... Bellingcat.. das waren doch dieselben, die im Fall MH17 Fotos (zB. das "Paris-Match-Foto" und das aus Tores) als Basis für "Analysen" der darauf zu sehenden BUK benutzten, obwohl die Bilder schon auf den zweiten Blick eindeutig als Fotomontagen zu identifizieren waren? Oder Militärpapiere der "russischen Bedienmannschaft der BUK" veröffentlichten, die belegen sollten, daß diese kurz vor "ihrem Einsatz in der Ukraine zum Schein aus der russischen Armee entlassen worden" waren - und auf denen samt und sonders Datumsangaben aus dem Jahr 2013 (!!!) zu entziffern waren? Oder denen sogar Spiegel online "Kaffeesatzuleserei" attestierte: http://www.spiegel.de/politik/ausland/mh17-satellitenbilder-bellingcat-betreibt-kaffeesatzleserei-a-1036874.html Und die sich auch im Syrienkrieg mehr als einmal bis auf die Knopchen blamierten. Zuletzt mit der "eindeutigen Identifikation einer syrischen Giftgasbombe", die tatsächlich eine Azetylen-Gasflasche mit liebevoll angebasteltren Scheinflügelchen war, die trotz der Durchschlagens einer massiven Stahlbetondecke nicht mal einen Kratzer aufwies? Um Harald Kujat zu zitieren: "Ich habe Zweifel"... Um es freundlich zu formulieren. Mir scheint, wann immer in letzter Zeit Ereignisse von gewisser Bedeutung, Verbrechen zumeist, nicht von offiziellen Stellen aufgeklärt werden, sondern auf zwielichtige Hoibbyermittler vom Schlage Belligncat oder Correctiv verwiesen wird, von denen man sich entweder notfalls distanzieren kann, bzw. auf die sich von vornherein keine offizielle Stelle beruft, ist allerhöchste Vorsicht angesagt!
Tatsächlich hat Bellingcat nur bestätigt, was ja längst ermittelt wurde, auch wenn nicht alle Details bislang veröffentlicht wurden: https://www.bbc.com/news/uk-45656004
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