Falsche Sprengkopf-Lieferungen Chefs der US-Luftwaffe treten zurück

Doppelte Konsequenz aus dem Skandal um falsche Rüstungslieferungen: Der militärische und der zivile Chef der US-Luftwaffe geben ihre Posten ab. Verteidigungsminister Gates rief General Moseley und Luftwaffensekretär Wynne zum Rücktritt auf. Wer ihre Nachfolger werden, ist unklar.


Washington - Statt bestellter Batterien für Hubschrauber hatte das Pentagon 2006 versehentlich Zünder für Interkontinentalraketen nach Taiwan geliefert - die Affäre um Rüstungslieferungen sorgte für diplomatische Spannungen zwischen China und den USA. Jetzt sind die Chefs der US-Luftwaffe wegen des Vorfalls zurückgetreten.

Wynne, Moseley: Doppelte Konsequenz wegen Lieferungspanne
REUTERS

Wynne, Moseley: Doppelte Konsequenz wegen Lieferungspanne

General T. Michael Mosley werde noch am Donnerstag offiziell seinen Rücktritt einreichen, hieß es von Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums in Washington. Mit dem Schritt ziehe der Stabschef für die Luftwaffe die Konsequenz aus den Befunden einer Ermittlungskommission, die im Auftrag von Verteidigungsminister Robert Gates die Affäre um die Rüstungslieferung untersucht hatte.

Mit den versehentlich gelieferten Bauteilen können Sprengköpfe von Marschflugkörpern gezündet werden. Inzwischen wurden die Zünder nach Angaben des Pentagon wieder in die USA zurückgebracht.

Waffenlieferungen der USA an Taiwan sind ein ständiger Reibungspunkt zwischen Peking und Washington. Zwischen der Volksrepublik China und Taiwan herrschen seit Jahrzehnten Spannungen, Peking sieht die Inselrepublik als eine abtrünnige Provinz an. Peking hatte bei den USA gegen die Lieferung an Taiwan Protest eingelegt und sich "sehr unzufrieden und besorgt" über den Vorfall geäußert.

Ein weiterer Skandal der Luftwaffe war der Flug eines B-52-Bombers im vergangenen August, der irrtümlich mit scharfen Atomsprengköpfen quer über die USA geflogen war. Der Zwischenfall wurde mehr als einen Tag lang nicht bemerkt. Es heißt, Verteidigungsminister Robert Gates sei nicht zufrieden mit den Konsequenzen, die die Luftwaffe daraus gezogen habe.

Außerdem verlangt Gates den Berichten zufolge seit längerem ein stärkeres Engagement der Luftwaffe im Irak und in Afghanistan.

US-Präsident George W.Bush sei über die Entscheidung informiert, habe damit aber nichts zu tun, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino.

Moseley trat sein Amt im September 2005 an, Wynne zwei Monate später. Die US-Luftwaffe ist im vergannen Jahr mehrfach in die Kritik geraten. Im August war ein mit Atomsprengköpfen bestückter Bomber über mehrere US-Staaten geflogen. Der Zwischenfall wurde mehr als einen Tag lang nicht bemerkt.

amz/AP/AFP



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