Falscher Taliban: Afghanische Regierung soll mit Hochstapler verhandelt haben
Es klang nach einem Durchbruch bei den Friedensgesprächen - mit Mullah Akhtar Mohammed Mansour schien die afghanische Regierung endlich einen hochrangigen Taliban am Verhandlungstisch zu haben. Doch laut "New York Times" ist sie bei den Geheimtreffen einem Betrüger auf den Leim gegangen.
Berlin/Kabul - Mullah Akhtar Mohammed Mansour gilt als einer der wichtigsten Taliban-Kommandeure im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet. Welch ein Erfolg also für die Regierung von Präsident Hamid Karzai, als eben dieser Mansour sich zu Verhandlungen bereit erklärte: Dreimal, so berichteten Vertreter der afghanischen Regierung und der Nato der "New York Times", habe man sich mit ihm zu Friedensgesprächen getroffen. Doch wie die Zeitung berichtet, sind die Karzai-Leute und ihre Nato-Freunde offenbar auf einen Betrüger hereingefallen.
"Er ist es gar nicht", sagte ein Nato-Diplomat der Zeitung. "Und wir haben ihm eine Menge Geld gegeben."
Das klingt wie eine Räuberpistole - und ist eine Riesenpanne für Karzai und die Nato. Sie hatten den Mann nach Darstellung der "NYT" dreimal in einem Flugzeug des Militärbündnisses aus Pakistan eingeflogen, Staatschef Karzai persönlich soll ihn im Präsidentenpalast empfangen haben.
Laut "NYT" versuchte der Mann offenbar gezielt, sich zu bereichern. Er steht im Verdacht, ein Agent der Taliban zu sein oder sogar im Auftrag des pakistanischen Geheimdienstes gehandelt zu haben. Die "Washington Post" berichtete, der Hochstapler sei ein einfacher Händler aus der pakistanischen Stadt Quetta.
Der Fall illustriert ein Kernproblem im Umgang mit den Taliban: Aktuelle Fotos gibt es von den meisten wichtigen Anführern nicht, geschweige denn, dass sie Ausweispapiere mit sich führen.
US-Vertreter sagen nun, sie hätten von Anfang an, an der Identität des Mannes gezweifelt. Einem der Unterhändler aus Kabul zufolge fiel aber erst bei einem dritten Treffen mit afghanischen Offiziellen auf, dass es sich bei dem vermeintlichen Taliban nicht um den echten Mullah Mansour handelte. Aber weder Vertreter aus Washington noch aus Kabul hätten den Betrüger darauf angesprochen.
Karzai dementiert alles
Präsident Karzai widerspricht den Berichten - er dementiert auch ein Treffen mit dem vermeintlichen Mansour. "Wir haben niemanden namens Mullah Akhtar Mohammed Mansour getroffen. Mullah Akhtar Mohammed Mansour ist nicht nach Afghanistan gekommen", sagte Karzai vor Journalisten. Ein Treffen im Präsidentenpalast habe es nicht gegeben. Anders lautende Darstellungen seien "Propaganda" ausländischer Medien, wie es sich bei den Berichten über Treffen mit Führern der Taliban ebenfalls um "Propaganda und Lügen" handele. Seine Regierung habe bisher nur "indirekte" Kontakte zu den Taliban gehabt.
Afghanistans Präsident hat die Taliban in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgerufen, der Gewalt abzuschwören und Friedensgespräche mit seiner Regierung zu führen. Taliban-Führer Mullah Omar hatte in der vergangenen Woche Berichte über Gespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Aufständischen als "irreführende Gerüchte" zurückgewiesen. Die Taliban dementieren regelmäßig Kontakte mit der afghanischen Regierung. Sie machen den Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan zur Vorbedingung.
Einmal in Fahrt, nahm sich Karzai am Dienstag die Nato vor. Seine Verbündeten aus dem Westen seien "ungezogene Freunde": Sollten sie seiner Regierung nicht mehr militärische Ausrüstung zur Verfügung stellen und die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte intensivieren, würde er sich anderweitig behelfen. Zuletzt hatte Karzai enthüllt, wie sehr beispielsweise Iran in Kabul um Einfluss werbe.
flo/AFP/Reuters
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- Dienstag, 23.11.2010 – 14:33 Uhr
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Hauptstadt: Kabul
Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai
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Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.



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