Einsatz gegen Regierungsgegner Dutzende Tote bei Zusammenstößen im Irak

Es waren die blutigsten Kämpfe seit Beginn der Zusammenstöße zwischen Sunniten und Regierung im Irak: Dutzende Menschen wurden an nur einem Tag getötet. Ein Einsatz gegen Gegner des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki provozierte Racheaktionen.


Bagdad - Bei einem Militäreinsatz gegen Gegner des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki sind am Dienstag bei Kirkuk 27 Menschen getötet worden, darunter zwei Sicherheitskräfte. Bei Vergeltungsangriffen auf Armeeposten kamen 13 bewaffnete Kämpfer ums Leben, sechs Soldaten starben bei einem Angriff auf ihren Konvoi, zudem wurden 13 weitere Menschen bei Anschlägen auf sunnitische Moscheen getötet.

Zwei sunnitische Minister traten aus Protest gegen die Armeeoperation zurück.

Zu den Zusammenstößen kam es, als die Sicherheitskräfte am frühen Morgen auf ein Gelände in Hawidscha westlich von Kirkuk vordrangen, auf dem Demonstranten seit Januar gegen die Regierung al-Malikis protestieren. Nach Angaben eines Offiziers richtete sich der Einsatz gegen eine radikale sunnitische Gruppierung namens Nakschbandija-Armee. Die Soldaten hätten erst das Feuer eröffnet, als auf sie geschossen wurde. Ein weiterer Offizier sagte, 34 Sturmgewehre und vier Maschinengewehre seien auf dem Gelände gefunden worden.

Vertreter der Demonstranten warfen der Armee dagegen vor, die Zusammenstöße provoziert zu haben. Sie hätten wahllos in die Menge geschossen und Zelte in Brand gesetzt, sagte einer der Organisatoren, Abdulmalik al-Dschuburi. Die Demonstranten seien zur ihrem Schutz lediglich mit vier Gewehren bewaffnet gewesen. Die Zusammenstöße waren die blutigsten seit Beginn der sunnitischen Protestwelle vor vier Monaten.

Als Racheaktion griffen Bewaffnete mehrere Posten der Sicherheitskräfte an. Nach Angaben al-Dschuburis blockierten "Söhne der Stämme aus den Dörfern Kirkuks" mehrere Straßen und griffen Kontrollposten und ein Hauptquartier der Streitkräfte an. Dabei seien 13 Angreifer getötet worden. Bei einem Angriff auf einen Konvoi bei Ramadi westlich von Bagdad wurden zudem sechs Soldaten getötet, ein siebter wurde als Geisel genommen. Der Angriff stand offenbar ebenfalls in Zusammenhang mit dem Vorfall in Hawidscha.

mia/afp/AP/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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atze84 24.04.2013
1. das ist nur der Anfang
Syrien lässt grüßen! Maliki hat keine Zukunft! Alternativen gibt es auch nicht, also bleibt nur der Kampf bis zum letzten....Danke Amerika für ein bisschen mehr Hass und Zerstörung auf dieser Welt!!
marcel2101 24.04.2013
2.
Inzwischen sollte auch der Letzte bemerkt haben, dass dieser unfreiwillige "Regime Change" ein äusserst gefährlicher Exportartikel ist. Wer diese Art der "Befriedung" immer noch für eine gute Option für Syrien hält, ist entweder unverbesserlich dumm oder bekennender Brandstifter.
thinkrice 24.04.2013
3.
Zitat von sysopEs waren die blutigsten Kämpfe seit Beginn der Zusammenstöße zwischen Sunniten und Regierung im Irak: Dutzende Menschen wurden an nur einem Tag getötet. Ein Einsatz gegen Gegner des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki provozierte Racheaktionen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fast-60-tote-bei-zusammenstoessen-im-irak-nahe-bagdad-a-896148.html
Es wäre interessant zu erfahren, welche Forderungen diese Demonstranten erheben. Gewaltfreier, demokratischer Widerstand sieht meiner Meinung nach jedoch anders aus. Es stellt sich die Frage in welchem Zusammenhang diese Ereignisse und der syrische Bürgerkrieg stehen. Könnten diese Kämpfer für ein großsyrisches/großirakisches Kalifat kämpfen? Bei etlichen Gruppierungen im syrischen "Bürgerkrieg" ist dies das angestrebte Ziel. SpOn mehr Hintergrundinformationen bitte!
ein anderer 24.04.2013
4. ...
Zitat von sysopEs waren die blutigsten Kämpfe seit Beginn der Zusammenstöße zwischen Sunniten und Regierung im Irak: Dutzende Menschen wurden an nur einem Tag getötet. Ein Einsatz gegen Gegner des irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki provozierte Racheaktionen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/fast-60-tote-bei-zusammenstoessen-im-irak-nahe-bagdad-a-896148.html
Kenner der Region hatten Bush gewarnt, dass der Irakkrieg einen Flächenbrand in der Region entfachen würde. Die Konflikte in Syrien, Iran, Irak, Bahrain und Libanon werden durch die Nachwehen des Irakkriegs befeuert.
seneca55 24.04.2013
5. Der Leuchtturm für Demokratie in der Islamischen Welt
scheint bereits trotz stetigem Bemühens seiner amerikanischen Erbauer zu verlöschen. Die einzelnen islamischen Sekten zeigen sich unbeeindruckt von der geschenkten Friedensordnung Demokratie in parlamentarischer Auseinandersetzung. Schade. Woran das wohl liegen kann, wenn alle das Gute wollten und dabei das Böse weckten?
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