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FBI-Chef: Terroranschläge hätten verhindert werden können

Erstmals hat FBI-Direktor Robert Mueller öffentlich eingeräumt, dass die Terrorattacken vom 11. September hätten verhindert werden können - und schließt weitere Anschläge nicht aus. Derweil nimmt die Serie von Pannen bei der Terrorfahndung kein Ende: Auch der Geheimdienst CIA gerät in die Schusslinie.

Terroranschläge vom 11. September: CIA hatte zwei Attentäter im Visier
AP

Terroranschläge vom 11. September: CIA hatte zwei Attentäter im Visier

Washington/New York - Er halte es für sehr unwahrscheinlich, doch vielleicht hätten die Terrorattacken verhindert werden können, sagte Mueller gegenüber dem US-Fernsehsender NBC. Das FBI habe aber sowohl in den USA als auch im Ausland seit dem 11. September weitere Anschläge vereitelt, sagte der FBI-Direktor, ohne Einzelheiten zu nennen. Dennoch sei ein weiterer Anschlag praktisch nicht auszuschließen: "Es wird einen weiteren Anschlag geben. Morgen, nächste Woche oder in fünf Jahren", erklärte Mueller.

In der vergangenen Woche hatte der FBI-Chef erstmals Fehler bei der Terrorermittlung seiner Behörde eingeräumt. Unter anderem waren im Sommer verschiedene Hinweise auf verdächtige Araber in amerikanischen Flugschulen nicht verfolgt worden.

Geheimtreffen in Kuala Lumpur

Doch nicht nur der Bundespolizei werden Pannen bei der Terrorfahndung vorgeworfen, auch dem Geheimdienst: Die CIA habe zwei der Attentäter vom 11. September als al-Qaida-Sympathisanten im Visier gehabt, es jedoch versäumt, das FBI zu informieren, berichtete das Nachrichtenmagazin "Newsweek". Die Männer seien mit Wissen der CIA anschließend in die USA gereist, wo sich ihre Spur verloren habe.

Der Geheimdienst habe die beiden Männer, Nawaf Alhasmi und Kalid Almihdhar, im Januar 2000 bei einem geheimen Treffen von al-Qaida-Sympathisanten in Kuala Lumpur beobachtet, berichtete die Zeitschrift. Obwohl sie den Flug Alhasmis nach Los Angeles kannten, hätten die Agenten weder die Grenzkontrolle INS noch das FBI informiert.

Verspätete Suchaktion

Die beiden Männer, die mit dem selben Flug in Los Angeles eintrafen, lebten bis zu den Attentaten unter ihrem richtigen Namen unerkannt in den USA, beantragten Führerscheine und besuchten Flugschulen in Florida. Einer von beiden habe sogar im Juni, drei Monate vor den Anschlägen, ein neues Visum erhalten. Die beiden saßen in der American Airlines-Maschine, die am 11. September in das Pentagon gelenkt wurde.

Nach Angaben des Magazins wendete sich die CIA mit den Namen der Verdächtigen erst drei Wochen vor den Anschlägen an das FBI, weil sie erst zu diesem Zeitpunkt von der al-Qaida-Verbindung der beiden überzeugt gewesen ist. Eine sofort ausgelöste Suche verlief jedoch erfolglos.

Das FBI ist seit Tagen in der Kritik, weil zahlreiche Spuren, die auf Terroraktivitäten innerhalb der USA hinwiesen, im vergangenen Jahr ignoriert worden waren. So berichtete die "New York Times", das FBI habe intern vergangenen Sommer vor Terroranschlägen gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Behörde zu wenig Personal und Geld habe, um angemessen darauf zu reagieren.

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