Affäre des CIA-Chefs: FBI durchsucht Haus der Ex-Geliebten von Petraeus
Neue Entwicklungen im Fall des zurückgetretenen CIA-Chefs Petraeus: FBI-Beamte haben das Haus seiner Ex-Geliebten Paula Broadwell durchsucht. Zuvor gab es Spekulationen darüber, ob die Biografin des Geheimdienstdirektors in Geheimnisse eingeweiht war.
Washington - Die amerikanische Bundespolizei FBI hat nach Medienberichten am Montagabend (Ortszeit) das Haus der Ex-Geliebten des zurückgetretenen CIA-Chefs David Petraeus durchsucht. Die 40 Jahre alte Paula Broadwell lebt mit ihrer Familie in Charlotte im Bundesstaat North Carolina. Nach Angaben des "Charlotte Observer" betraten mehrere FBI-Beamte mit leeren Kartons das Haus der Frau. Die Beamten seien durch die offene Garage auf das Grundstück gelangt und hätten an der Seitentür geklopft. Wie der Sender CNN berichtete, bestätigte eine örtliche FBI-Sprecherin den abendlichen Besuch, ohne aber zu sagen, was die Beamten in dem Haus wollten.
Petraeus war am Freitag als CIA-Chef zurückgetreten, nachdem bei FBI-Ermittlungen die außereheliche Affäre mit seiner Biografin aufgeflogen war. Die Bundespolizei hatte auch untersucht, ob die Beziehung ein Sicherheitsrisiko darstellte.
Mit Äußerungen zur Terrorattacke von Bengasi löste Broadwell Spekulationen darüber aus, ob sie CIA-Geheimnisse kannte. Auf der Internetplattform YouTube kursierte am Montag ein Video von einer Rede, die sie Ende Oktober an der Universität von Denver gehalten hatte.
Darin behauptet Broadwell, dass die Terroristen bei ihrem Angriff auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt am 11. September mehrere auf dem Gelände festgehaltene Milizionäre hätten befreien wollen. Petraeus wisse das alles, er habe bereits 24 Stunden nach der Attacke davon erfahren, ist Broadwell in dem Video weiter zu hören. Ihren Schilderungen zufolge waren die Gefangenen in einem CIA-Gebäude auf dem Konsulatsgelände untergebracht.
Nach einem Bericht der "Washington Post" wies ein CIA-Vertreter Broadwells Darstellung allerdings scharf zurück. Die Zeitung verweist zugleich darauf, dass die Informationen früheren Angaben des Senders Fox News entsprächen, der sich damals auf eine einzige Quelle berufen hatte. Es sei möglich, dass Broadwell die Darstellung des Senders aufgegriffen habe, um sich wichtig zu machen, oder diese auch einfach nur für einen gesicherten Fakt gehalten habe. Tatsächlich spricht Broadwell zu Beginn des Videoausschnitts von der Fox-Sendung. Es sei aber auch nicht auszuschließen, so der CIA-Mann weiter, dass ihr geheime Informationen herausrutschten, die sie von einer CIA-Quelle erhalten habe.
Petraeus entsetzt über Droh-E-Mails
Unterdessen reißen die Enthüllungen im Sexskandal nicht ab. So war Petraeus nach Medienberichten entsetzt, als er von Droh-E-Mails seiner Geliebten an eine vermeintliche Nebenbuhlerin erfuhr. Nach Angaben der "Washington Post" vom Montag forderte er Broadwell auf, die inzwischen als Petraeus-Familienfreundin Jill Kelley identifizierte Frau in Ruhe zu lassen. Wie es unter Berufung auf Angaben von Petraeus nahestehenden Personen weiter hieß, beendete der pensionierte Vier-Sterne-General die Affäre vor rund vier Monaten - das sei etwa die Zeit, zu der er sich wegen der E-Mails mit Broadwell auseinandergesetzt habe.
Die Bundespolizei hatte die Affäre aufgedeckt, nachdem sich Kelley hilfesuchend an sie gewandt hatte. Nach Medienberichten sah Broadwell anscheinend in Kelley, die nach eigenen Angaben seit mehr als fünf Jahren mit Petraeus und dessen Frau Holly befreundet war, eine Nebenbuhlerin. In den E-Mails soll sie Kelley aufgefordert haben, Petraeus in Ruhe zu lassen.
Ein früherer Petraeus-Sprecher, Steve Boylan, sagte unterdessen dem Sender ABC News, die betrogene Ehefrau Holly sei "zurzeit nicht gerade erfreut". Wütend sei noch eine Untertreibung, habe Petraeus selbst in einem Gespräch mit ihm am Wochenende die Stimmung seiner Frau beschrieben. David und Holly Petraeus sind seit mehr als 37 Jahren verheiratet.
Zunächst war spekuliert worden, Petraeus könne wegen möglicher CIA-Fehleinschätzungen vor und nach dem Terroranschlag auf das US-Konsulat in der libyschen Hafenstadt Bengasi zurückgetreten sein. Petraeus sollte diese Woche dazu vom Geheimdienstausschuss des Senats befragt werden. Die CIA hatte dem Weißen Haus nach der Attacke am 11. September tagelang gesagt, der Angriff - bei dem unter anderem der US-Botschafter in Libyen getötet wurde - sei aus einer spontanen Protestaktion gegen ein islamfeindliches Video erwachsen. Tatsächlich handelte es sich aber um einen geplanten Terrorangriff.
Der Senat erwartet von der CIA Aufklärung darüber, welche Erkenntnisse sie wann hatte. An Petraeus' Stelle wird sein bisheriger Stellvertreter Michael George Morell, der die CIA jetzt kommissarisch leitet, in dem für Donnerstag geplanten Hearing aussagen.
ler/dpa/dapd
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- "New York Times" über die Hintergründe der Petraeus-Affäre
- Porträt der "Washington Post" über Petraeus
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