FBI-Ermittlungen: Verwirrung um Verdächtige

Von

Am Freitag hatte das amerikanische FBI eine Liste mit den 19 angeblichen Flugzeugentführern veröffentlicht. Doch schon jetzt regen sich erste Zweifel, denn einer der Genannten lebt und hat sich bei der amerikanischen Botschaft beschwert. Der Verdacht liegt nahe, dass mehrere Terroristen mit Scheinidentitäten in die Jets gelangten.

Benutzte Mohammed Atta Strohmänner, um Terroristen in die Todes-Jets zu bekommen?
AP

Benutzte Mohammed Atta Strohmänner, um Terroristen in die Todes-Jets zu bekommen?

Washington/Beirut - Die Liste des FBI gilt als Schlüssel zu den vier Flugzeugentführungen, die später in den Terrorattacken in New York und Washington endeten. Insgesamt 19 arabische Namen hatten die US-Ermittler aufgelistet und dann damit alle internationalen Geheimdienste und Sicherheitsbehörden ausgestattet, um weitere Hinweise auf das Netzwerk der mutmaßlichen Terroristen zu sammeln. Unter anderem ging die Liste deshalb auch nach Deutschland.

Wie das FBI die Liste zusammengestellt hat, ist bisher nicht klar. In den Unterlagen aus den USA wird lediglich erläutert, dass die Namen auf den Passagierlisten standen und einen "arabischen Ursprung" haben. Nähere Hinweise auf eine mögliche Tatverstrickung wurden zunächst nicht bekannt.

Einer der Verdächtigen wehrt sich

Einer der Aufgelisteten vom Flug 11 der American Airlines fühlt sich nun zu Unrecht verdächtigt. Der Pilot der Saudi Airlines, Abdul al-Umari, saß weder in einem der Todes-Jets, noch will der Familienvater aus der saudi-arabischen Stadt Dschiddah etwas mit den Anschlägen zu tun haben. Wie der Korrespondent der englischen Tageszeitung "The Independent" am Montag aus Beirut berichtete, ist der 29-Jährige bereits bei der amerikanischen Botschaft vorstellig geworden, um eine Erklärung zu erhalten - bisher ohne Erfolg. Bei einer Befragung gab er an, dass er während der Anschläge in der saudischen Hauptstadt Riad gewesen sei.

Möglich ist, dass die Entführer die Identität von al-Umari benutzten, um einen Terroristen an Bord zu bringen. Denn al-Umari berichtete den US-Beamten jetzt ebenfalls, dass sein Ausweis im Jahr 1995 im US-Bundesstaat Colorado gestohlen wurde. Diesen Diebstahl hatte al-Umari nach eigenen Angaben bereits in den USA angezeigt.

Buchte Atta das Ticket für einen anderen?

Dass die amerikanischen Behörden auch wirklich al-Umari meinten, scheint nach dem Bericht indes klar, denn sie beschrieben den mutmaßlichen Todespiloten als Vater von vier Kindern, was den Tatsachen entspricht. Auch sein Geburtsdatum, der 24. Dezember 1972, stimmt. Die Ermittler führen auf der Liste auf, dass für al-Umari am 28. August diesen Jahres über das Internet ein Business-Class-Ticket für den American Airlines-Flug mit der Nummer 11 gekauft wurde. Für ihn war demnach der Sitz 3 C reserviert. Das Flugzeug war die erste der beiden Maschinen, die ins World Trade Center stürzten.

Interessant jedoch ist die Abrechung, denn das Ticket für al-Umari bezahlte der zeitweilig in Hamburg lebende Mohammed Atta mit einer Visa-Kreditkarte. Ebenfalls loggte sich Atta mit seiner Vielflieger-Kundennummer #6H26LO4 beim Rechner des "AAdvantage"-Programms der Airline ein, um das Ticket auf den Namen al-Umari zu buchen. Und noch eine Spur führt zu dem ehemaligen Hamburger Studenten: Sowohl die Adresse in Florida als auch die angegebene Telefon-Kontaktnummer sind bei beiden Buchungen identisch. Fraglich ist nun, ob ein Terrorist mit dem gekauften Ticket in die Maschine gelangte und wie das passieren konnte.

Fatale Folgen für die weiteren Ermittlungen

Der Fehler in der Liste könnte die amerikanischen Behörden nicht nur in diesem einen Fall in Erklärungsnot bringen. Denn wenn noch weitere offensichtlich falsche Namen auf der Liste stehen, müssen die Ermittlungs- und Fahndungsmethoden der US-Polizisten hinterfragt werden. Bisher nämlich haben sie für keinen der Aufgelisteten einen Beweis für die tatsächliche Täterschaft vorlegen können.

Stellt sich heraus, dass die Liste hauptsächlich Scheinidentitäten aufzählt, wird sie für die weiteren Ermittlungen wertlos. Wenn die Terroristen für ihre Strohmänner immer das gleiche Prinzip angewendet haben, ist ein weiterer Verdacht noch in mindestens einem Fall gegeben. Auch hier wurden zwei Tickets von einer Person gekauft und bezahlt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema 11. September 2001
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback