FBI-Schulungsmaterial Agentenausbildung mit islamfeindlicher Schlagseite

Islamkunde? Sechs, setzen! Das Internetmagazin "Wired" hat eine Präsentation veröffentlicht, mit der das FBI noch im Jahr 2009 Agenten über den Islam schulte. Vieles ist richtig, einiges falsch - und manches dümmlich. Besonders fragwürdig: die Lektüreliste.

Von Yassin Musharbash


Man muss nicht allzu weit blättern, um das erste Mal mit dem Kopf zu schütteln: Was hat man von einem "Grundkurs Islam" zu halten, in dem den Zuhörern vermittelt wird, dass es im Islam "keine Trennung zwischen Kirche und Staat" gebe und "der Islam für Westler nur schwer verständlich" sei?

Sollte es sich um das Referat eines Grundschülers handeln, könnte man über solche Passagen hinwegsehen. Aber die Präsentation, aus der diese Zitate stammen, trägt das Logo der "FBI Academy". 62 Folien hat die Powerpoint-Präsentation, die das Internetmagazin "Wired" veröffentlicht hat. Mit ihrer Hilfe wurden noch 2009 Agenten der US-Bundespolizei für den Einsatz in der islamischen Community geschult.

Einige der darin präsentierten Fakten sind schlicht falsch. Etwa dass der Islam "die Kultur eines Landes nach Art des 7. Jahrhunderts in Arabien transformiert". Andere sind einfach bloß dümmlich. Zum Beispiel die Behauptung, dass "es für den arabischen Geist charakteristisch sei, eher von Worten als von Ideen und eher von Ideen als von Fakten beeinflusst zu werden". Was das mit dem Islam zu tun hat, erschließt sich überdies nicht.

Und wieder andere sind - richtig. Ziemlich viele sogar, vermutlich sogar über 90 Prozent. Zum Beispiel ist es absolut korrekt, dass es in Fragen der Scharia, des islamischen Rechtssystems, "eine riesige Bandbreite in Anwendung und Interpretation in den heutigen muslimischen Gesellschaften gibt".

Bücher eines islamophoben Publizisten empfohlen

Umso interessanter ist, dass sich die FBI-Folien kaum um islamische Glaubensinhalte scheren. Stattdessen geht es seitenlang um vermeintliche Charakterzüge von Arabern, um "die Paten des Dschihad", die Zusammensetzung arabischer Namen, um die Frage, ob Iran ein arabisches Land ist, und darum, dass "Jordanien, Syrien und Ägypten immer noch relativ arm sind". Relativ zu was? Sicher nicht zu Mauretanien oder dem Sudan.

Besonders brisant ist indes die Liste empfohlener Literatur. Da wird etwa "The Politically Incorrect Guide to Islam" angepriesen ("Wer hätte das gedacht: Muhammed hat keineswegs Frieden und Toleranz gepredigt!"). Oder ein Buch namens "The Truth about Muhammad", Untertitel: "Der Gründer der intolerantesten Religion der Welt". Beide Bücher hat Robert Spencer geschrieben, einer der einflussreichsten islamophoben Publizisten. Der norwegische Terrorist Anders Behring Breivik zitiert Spencer ausgiebig in seinem Pamphlet.

Immerhin wird in den FBI-Folien auch der Koran selbst empfohlen. Aber es findet sich unter den acht Empfehlungen nicht ein einziges anerkanntes Sachbuch zum Thema. Stattdessen das islamistische Standardwerk "Meilensteine" von Sayyid Qutb, das ohne Kontextliteratur im Grunde nicht einzuordnen ist. Und dann noch eine "Einführung in den Islam für Vollidioten" sowie das wegen seiner Thesen umstrittene Werk "The Arab Mind", das - wie "Wired" berichtet - unter Irak-Kriegs-Anhängern populär war, weil es unter anderem postuliert, dass Araber eigentlich nur die Sprache der Gewalt verstünden.

Harsche Kritik

"Das ist so, als würde man Polizisten bitten, sich mit den 'Fakten' über die Erfahrung afrikanischer Amerikaner vertraut zu machen, indem sie ein Buch von einem Anführer des Ku-Klux-Clans lesen", sagt laut "Wired" Farhana Khera, Direktor von Muslim Advocates, einer Rechtshilfe-Unterstützergruppe.

"Wired" erhielt die Powerpoint-Präsentation übrigens von der "American Civil Liberties Union" und dem "Asian Law Caucus". Die beiden Gruppen hatten das Material nach einer Anfrage auf der Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes erhalten.

Bis wann das FBI diese Folien einsetzte, ist unklar. Auf Anfrage von "Wired" kommentierte die US-Bundespolizei den Vorgang folgendermaßen: "Diese Präsentation ist eine rudimentäre Version, die für einen begrenzten Zeitraum verwendet wurde und mittlerweile ersetzt wurde. Sie war ein kleiner Teil eines größeren Ausbildungsabschnitt..."

Natürlich lässt sich auf der Grundlage von 62 Folien nur schwer herausfinden, was ein Vortragender tatsächlich gesagt hat. Aber in sozialen Netzwerken sorgt die Veröffentlichung der FBI-Präsentation bereits für Wirbel. "Ekelhaft", "lächerlich" oder "peinlich" lauten viele Kommentare bei Twitter. Besonderen Anstoß nehmen die Kritiker an der Passage, derzufolge der Islam "die Kultur eines Landes nach Art des 7. Jahrhunderts in Arabien transformiert".



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insgesamt 104 Beiträge
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Seite 1
Methados 28.07.2011
1. .
wundert mich nicht. man schaue sich an, wie respektlos und hinrlos ebenfalls deren truppen duch irak&afgha latschen.
dadanchali, 28.07.2011
2. nee
Zitat von sysopIslamkunde? Sechs, setzen! Das Internetmagazin "Wired" hat eine Präsentation veröffentlicht, mit der das FBI noch im Jahr 2009 Agenten über den Islam schulte. Einiges ist richtig, manches falsch - und vieles dümmlich. Besonders fragwürdig: die Lektüreliste. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,777123,00.html
Das kommt heraus wenn religiös Engstirnige andere religiös Engstirnige beurteilen.
adama. 28.07.2011
3. Richtig
Finde die Schulung sehr richtig! Die Katholische Kirche wird nach den Massakern der Vergangenheit bewertet, statt nach der reinen Lehre. Der Islam wird nach den Massakern der Gegenwart und der reinen Lehre beurteilt. Trotzdem wird die katholische Kirche von "aufgeklärten" Kreisen schlechter beurteilt, stärker und aggressiver kritisiert, als der Islam. Welche Powerpointpräsentation hat "euch" den Kopf verdreht?
brux 28.07.2011
4. Oops
Ich bezweifele nicht, dass die Amerikaner mit groben Vereinfachungen arbeiten. Aber so ganz neutral ist der Autor dieses Artikels wohl auch nicht. In Staaten, die den Islam als Staatsräson haben, gibt es in der Tat keine Trennung zwischen Kirche und Staat. Dass die muslimischen Gesellschaften die Aufklärung nicht erlebt haben, spiegelt sich sicherlich in vielen Denkkonstrukten nieder. Darauf darf man sehr wohl hinweisen. Und letztendlich hört man den grössten Unfug immer noch von den islamischen Predigern. Die glauben nämlich wirklich, dass Frauen in westlicher Kleidung Huren sind und sie sagen das öffentlich. Nur dass sie eben kein Powerpoint haben.
stonki 28.07.2011
5. da braucht man garnicht in die USA blicken
Hallo, da braucht man sich gar nicht über die vermeintliche Blödheit des FBIs oder der amerikanischen Politer/Elite/wasweissich herziehen. Wenn in jeder deutschen Talkshow zum Thema "Terror", "Islam" oder "Irak/Afghanistan" zunächst jeder Teilnehmer den Unterschied zwischen "Suniten" und "Schiiten" erklären sollte, dann wären 99% der Talkshow auch nach 5 Minuten zu Ende. Stonki P.S. meine Lieblingsidee ist bei jeder Wahl auf dem Wahlzettel zunächst eine "Muliple Choice" Frage zu stellen ala "Was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme". Wer falsch antwortet, dessen Wahlzettel wird automatisch ungültig.
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