Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat

Von , Beirut

Attentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge?

Zwei Männer auf einem Motorrad schließen im dichten Großstadtverkehr auf ein fahrendes Auto auf, befestigen im Vorbeifahren eine Haftbombe am Wagen - und nehmen dann unerkannt Reißaus. Wenig später explodiert der Wagen. Der Tathergang, der sich indischen Polizeiangaben zufolge in Neu-Delhi abgespielt haben soll, kommen einem seltsam bekannt vor.

Denn auf diese Art und Weise wurde am Montagmorgen nicht nur ein Anschlag auf den Wagen der Ehefrau eines Angehörigen der israelischen Botschaft in Indien verübt. Diese Methode wurde in den vergangenen zwei Jahren auch wiederholt angewandt, um in Teheran zumeist tödliche Attentate auf iranische Atomwissenschaftler, zuletzt auf Mostafa Ahmadi Roschan, zu verüben. Dabei hatte Iran jedes Mal den israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad der Urheberschaft bezichtigt. Israel nun hat Iran und dessen Handlanger Hisbollah beschuldigt, hinter dem Anschlag von Neu-Delhi zu stecken. Liefern sich da zwei Geheimdienste einen verdeckten Krieg, bei dem Gleiches mit Gleichem vergolten wird?

Bei dem Anschlag in Neu-Delhi war ein Kleinbus der Botschaft in der Nähe der diplomatischen Vertretung attackiert worden, wie Botschaftssprecher David Goldfarb bestätigte. Ein Polizeisprecher in Neu-Delhi sagte SPIEGEL ONLINE, dass zwei Jugendliche verdächtigt würden, eine Bombe an einem Auto in der Aurangzeb Road nahe der israelischen Botschaft und der Residenz des Premierministers Manmohan Singh platziert zu haben. Einen Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem Wohnort des Regierungschefs schloss die Polizei jedoch aus.

Die Attentäter seien mit einem Motorrad unterwegs gewesen und hätten an einer Straßenkreuzung den Sprengsatz "quasi im Vorbeifahren" angebracht. Wenige Sekunden später sei es zur Explosion gekommen.

Frau des israelischen Militärattachés verletzt

Augenzeugen bestätigten diese Rekonstruktion des Attentats im indischen Fernsehen. Im Wagen hätten ein Fahrer sowie eine Frau gesessen, beide seien von Passanten aus dem brennenden Wrack gezogen worden. Die Beobachter stützten außerdem Angaben der Polizei, wonach kurz vor der Explosion zwei junge Männer auf einem Motorrad vorbeigefahren und etwas an das Auto geklebt hätten - vermutlich den Sprengsatz -, als der Wagen an einer roten Ampel hielt.

Die Frau des israelischen Militärattachés, Tal Jehoschua Koren, habe dabei leichte Schrapnellwunden erlitten, berichtete die israelische Nachrichtenseite "Ynetnews". Koren, die auf dem Weg war, ihre Kinder von der Schule abzuholen, habe per Handy die Botschaft davon informiert, dass "ihr Auto explodiert sei", und sei dann von einem Rikscha-Taxi in ein Krankenhaus gebracht worden. Auch der Fahrer Korens sei verletzt worden. Fernsehbilder zeigten einen stark zerstörten Kleinbus mit blauem Diplomatenkennzeichen.

In der georgischen Hauptstadt Tiflis wurde am Montag ein ebenfalls an einem Botschaftsauto befestigter Sprengsatz noch rechtzeitig entschärft. Der Fahrer des Botschafters habe ein mit Klebeband befestigtes Paket gesehen und die Polizei alarmiert, berichteten georgische Medien. Die Polizei habe einen Sprengsatz gefunden, zu dessen Bau auch eine Handgranate benutzt worden sei. Wie das Innenministerium später bekannt gab, handelte es sich bei dem betroffenen Wagen nicht um die Limousine des Botschafters, sondern um das private Auto seines Fahrers.

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Anschläge in Indien und Georgien: Sprengsätze gegen Diplomaten
Israelische Institutionen in erhöhter Alarmbereitschaft

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sofort nach den Anschlägen Iran und die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah für die Attacken verantwortlich gemacht. Bei einen Treffen mit Abgeordneten der Likud-Partei sagte er: "Es gab in den letzten Monaten mehrere solcher Versuche, Anschläge gegen israelische Staatsbürger und Juden in verschiedenen Ländern zu verüben." Er nannte unter anderem Thailand und Aserbaidschan. "In all diesen Fällen waren die Drahtzieher dieser Anschläge Iran und sein Protegé Hisbollah", sagte der Regierungschef weiter. "Iran, der hinter diesen Anschlägen steht, ist der größte Terrorexporteur der Welt."

Außenminister Avigdor Lieberman ergänzte: "Wir können identifizieren, wer hinter den Anschlägen steht." Man werde Angriffe auf israelische Staatsbürger nicht tolerieren, warnte er. Die Vertretungen Israels wurden aus Furcht vor weiteren Anschlägen in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt.

Die Sicherheitsbehörden des Landes reagierten umgehend und ordneten die vorläufige Stilllegung der gesamten Fahrzeugflotte aller israelischen Botschaften an. Alle Wagen sollen auf versteckte Sprengsätze untersucht werden, bevor sie wieder in Betrieb genommen werden.

Spekulationen über iranischen Rachefeldzug

Israelische Medien spekulierten, ob der Zeitpunkt der Angriffe mit dem vierten Jahrestag der Tötung des Hisbollah-Kommandeurs Imad Mughnija zusammenhängt. Der Top-Terrorist war im Februar 2008 in der syrischen Hauptstadt Damaskus mit einer Bombe getötet worden. Die Hisbollah bezichtigt Israel, Drahtzieher des Anschlags zu sein.

Seit dem Tod Mughnijas und dem darauf folgenden Racheschwur der Hisbollah sind israelische Institutionen im Ausland immer in erhöhter Alarmbereitschaft. Im vergangenen Jahr sollen für den Jahrestag Anschläge auf mehrere israelische Botschaften in Afrika, Südostasien und dem Kaukasus geplant gewesen sein, die jedoch verhindert werden konnten, berichtete die israelische Zeitung "Haaretz". Vier Botschaften wurden damals vorübergehend geschlossen.

Dieses Jahr habe es Hinweise auf Anschlagspläne gegen israelische Touristen und Diplomaten in Europa, besonders in Bulgarien, gegeben. Danny Schenar, Sicherheitschef des israelischen Verkehrsministeriums, sagte "Haaretz", er habe europäische Geheimdienste gebeten, israelische Touristengruppen in spezifischen Skigebieten und Hotels unter besonderen Schutz zu stellen.

Vor wenigen Wochen hatte die thailändische Polizei einen Libanesen festgenommen, der einen Anschlag gegen die israelische Botschaft in Bangkok geplant haben soll. Der Verdächtige soll die Polizei zu einem Lager geführt haben, in dem mehrere Tonnen Dünger und Chemikalien zum Bombenbau gefunden wurden.

Mitarbeit: Hasnain Kazim, Islamabad

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1. Denkbar ist vieles
gandhiforever 13.02.2012
Zitat von sysopAPAttentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge? Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815039,00.html)
Bei Haaretz sah man auch einen Zusammenhang mit der Evakuierung zweier Terminals in Schipol-Amsterdam. Doch da wurde offenbar kein Klebband oder Motorrad verwendet. Es ist sehr wohl denkbar, dass Iraner den Israelis sagen wollen "Was ihr koennt, koennen wir auch". Es ist aber auch denkbar, dass der Iran nichts mit den Anschlaegen zu tun hat, schliesslich hatte der Iran ja auch nichts mit den Mumbai-Anschlaegen zu tun. Denkbar ist auch, dass der Mossad die Hintermaenner schon vor den Anschlaegen kannte. Vieles ist denkbar.
2. Der beste Hersteller einer Kopie...
Duzend 13.02.2012
Zitat von sysopAPAttentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge? Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815039,00.html)
...war noch immer der Patentinhaber des Originals. Man sollte jetzt keine voreiligen Schlüsse ziehen und zu einer neutralen Bewertung ein unabhängiges internationales Ermittlerteam ans Werk lassen. Denn wenn das alles war, was die Sportsfreunde von der Hisbollah draufhaben in Situationen, in denen sie zu einem absolut tödlichen Schlag ausholen wollten, dann kann man ja schon fast wieder Entwarnung geben.
3. ist dies nicht...
emobil 13.02.2012
Zitat von sysopAPAttentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge? Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815039,00.html)
...das Alttestamentarische Prinzip Auge um Auge Zahn um Zahn in die tägliche Praxis umgesetzt? Bis alle blind und zahnlos sind!
4. Georgien
leo06 13.02.2012
Zitat von sysopAPAttentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge? Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815039,00.html)
Der Anschlag in Tbilissi war auch vorhersehbar. Schließlich hat Georgien in den letzten Jahren die Beziehungen zum Iran intensiviert. Iraner können ohne Visum in Georgien einreisen.
5. Israel will wohl mit Nachdruck
peat53 13.02.2012
Zitat von sysopAPAttentäter auf einem Motorrad, Haftbomben am Auto: Die Anschläge gegen israelische Diplomaten weisen verblüffende Ähnlichkeit mit den Morden an iranischen Atomforschern auf, für die Teheran Israel verantwortlich macht. Waren die Attacken in Indien und Georgien Vergeltungsschläge? Fehde zwischen Israel und Iran: Das kopierte Doppelattentat - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,815039,00.html)
[QUOTE=sysop;9628468] _________________________________________________________ einen Militärschlag auf den Iran provozieren.Sowas kann nicht gut gehen. Die Machart der Anschläge wie sie dem IRAN passierten durch die Attentate auf die Atomwissenschaftler hat eine eigene Sprache. Dazu braucht man echt keinen großen I-QU haben um festzustellen wessen Handwerk das war. Aber der Mossad der sich schon mal stümperhaft in Dubai filmen liess als sie einen Waffenhändler umbrachten der die Hizbollah beliefern sollte, stellt sich hierbei genauso naiv an. Ich bleibe dabei dass ein israel.Angriff aif den Iran schlimme Folgen haben wird für die ganze Welt. Putin hat schon versprochen sich eine Bombadierung des Irans nicht mit anzusehen. Es herrscht schon wieder ein kalter Krieg und lässt sich die BRD da mithineinziehen-so erfrieren nächstes Jahr eben ein paar 100 Leute im Winter, weil dann gibts kein russ.Gas mehr, geschweige ÖL, geschweige die geplanten pipelines nach Europa.Dann gibts nur verbrannte verseuchte Erde auf Langzeitstrahlungswert von 10 000 Jahren. Hübsche Prognose nich? Aber bitte was hat Europa damit zu tun daß ein russ.Türsteher der AM Israels ist solche Paranoia schürt und Netanjahuh in dieselbe Kerbe haut ?? Israel kann mit seinen A-Waffen die halbe Welt auslöschen, bloss Putins Raketen reichen auch bis Israel.Das sollten sich die Kriegstreiber klarmachen.
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