Reaktion auf Razzia Femen-Aktivistinnen fliehen aus der Ukraine

In ihrem Hauptquartier in Kiew will die Polizei Waffen gefunden haben - jetzt sind drei Femen-Gründerinnen aus der Ukraine geflohen. Die Repressionswelle gegen die feministische Bürgerrechtsgruppe erreicht einen neuen Höhepunkt.

DPA

Hamburg/Kiew - Aus Furcht vor Repressalien haben drei Gründerinnen der Feministinnen-Gruppe Femen die Ukraine verlassen. Alexandra Schewtschenko, Anna Huzol und Jana Idanowa seien "aus Angst um ihr Leben und ihre Freiheit" außer Landes geflohen, teilte die Gruppe am Samstag auf ihrer Webseite mit. Sie würden ihre Aktivitäten in Europa fortsetzen.

Auslöser für die Flucht war demnach eine polizeiliche Vorladung zur Zeugenbefragung. Dabei sollte es um eine Razzia mit Waffenfund im Femen-Büro in der Hauptstadt Kiew gehen. Am Dienstag waren laut Polizei in den Räumen eine Pistole und eine Granate gefunden worden. Die Ermittler leiteten eine Untersuchung wegen illegalen Waffenbesitzes ein. Darauf stehen in der Ukraine bis zu fünf Jahre Haft. Bislang ist in dem Fall laut Polizei aber niemand angeklagt. Femen vermutet, dass die Waffen der Gruppe untergeschoben wurden.

Höhepunkt einer Repressionswelle

Auch wenn vieles in diesem Fall, der Femen seit Tagen in Atem hält, noch unklar ist, deutlich wird: In der Ukraine, wo die Femen-Bewegungihren Ursprung hat, wächst der Druck auf die Gruppe. In den vergangenen Wochen wurden die Anführerinnen immer wieder Opfer von Übergriffen und Misshandlungen. Sie sehen darin eine Racheaktion des Staates, der sie loswerden wolle. Die Feministinnen erklärten, sie würden ihr Büro in Kiew ganz schließen. Es sei verwanzt. "Aus Sicherheitsgründen ist es nicht mehr möglich, dort zu arbeiten", sagte Huzol.

Im Juli wurden drei Frauen und ein Fotograf während eines Besuchs Wladimir Putins festgenommen - sie klagten anschließend, sie seien von den Polizisten geschlagen worden. Die Behörden befürchteten wohl eine Aktion wie im April in Hannover, als Femen-Frauen auf den russischen Präsidenten und Kanzlerin Angela Merkel losstürmten.

Femen-Chefin Huzol wurde danach mehrfach zusammengeschlagen, nach einem Überfall in Odessa veröffentlichte sie Fotos, auf denen sie mit einer geschwollenen Nase zu sehen ist, ihr Begleiter mit einer Platzwunde an der Stirn. Danach forderte sie vom Innenminister Rund-um-die-Uhr-Schutz. Die Gruppe sei in Lebensgefahr. Die Antwort: Die Behörden ermitteln lediglich wegen "geringfügiger Körperverletzung".

"Mein Körper ist meine Waffe"

Den vorläufigen Höhepunkt markiert jetzt die Razzia. Am Dienstag stürmten Polizisten mit Hunden das Büro der Organisation in Kiew und fanden dort nach wenigen Minute eine Pistole und eine Granate. Oder genauer: "Gegenstände, die einer Pistole des Typs TT und einer Granate ähnelten", wie es in einer Erklärung hieß.

Femen-Chefin Anna Huzol betonte, die Gruppe besitze keine Waffen. Jemand müsse die Waffen dort deponiert haben, um Femen zu schaden. Die Schuldigen laut Femen: der russische Geheimdienst, ukrainische Sicherheitsbehörden oder gar beide. Sie unterstellen eine "Racheaktion". Die Polizei teilte mit, es habe einen anonymen Hinweis auf einen Sprengsatz gegeben.

Femen wurde 2008 in der Ukraine gegründet, ist aber mittlerweile auch über ihre Grenzen hinaus bekannt und aktiv. Die Gruppe setzt sich für Frauenrechte ein und hält immer wieder Oben-Ohne-Proteste ab, bei denen die Teilnehmerinnen sich mit schwarzer Farbe Parolen auf den Oberkörper schreiben.

Auf dem Waffenfund reagierten Femen-Aktivistinnen im Ausland umgehend auf ihre Art. In Paris, in Brüssel und auch vor der ukrainischen Botschaft in Berlin-Mitte machten sie am Donnerstag kurze Aktionen. Auf ihren nackten Oberkörpern prangte in Deutsch, Englisch, Russisch die Botschaft: "Mein Körper ist meine Waffe." Auch wenn sie dabei Plastikpistolen trugen.

fab/ric/afp

insgesamt 134 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
yournightmare 31.08.2013
1. optional
Ich dachte Schevschenko ist schon seit Jahren in Europa. Das wäre jetzt das Zweite mal, dass dieselbe Frau flüchtet. Westliche Propaganda hat sich hier wohl in Lügen verzettelt. Ich bin aber froh, dass diese Frauen weg sind.
reinerunfug 31.08.2013
2. O Mann,
Zitat von sysopREUTERSIn ihrem Hauptquartier in Kiew will die Polizei Waffen gefunden haben - jetzt sind drei Femen-Gründerinnen aus der Ukraine geflohen. Die Repressionswelle gegen die feministische Bürgerrechtsgruppe erreicht einen neuen Höhepunkt. Femen-Aktivistinnen fliehen nach Waffenfund aus der Ukraine - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/femen-aktivistinnen-fliehen-nach-waffenfund-aus-der-ukraine-a-919694.html)
natürlich werden sie nach Deutschland kommen, um sich zusammen mit c. Roth und anderen Nelken zu empören. An jeder Ecke erbost die Brüste raushängen und sich von den Deutschen finanzieren lassen. Schöne neue Welt.
braman 31.08.2013
3. Waffen und Granaten
man kann zu den FEMEN stehen wie man will, aber sie sind ein gutes Beispiel mit welchen Methoden die "Sicherheitskräfte" gegen Menschen und Organisationen vorgehen die Missstände nicht nur anprangern sondern durch ihre Aktionen auch noch Wirkung zeigen und möglicherweise bei einigen ein Umdenken bewirken. Zuviel für die offensichtlich sehr unsichere und ängstliche herrschende Schicht. Zu deren Sicherheit gibt es die "Sicherheitskräfte"! MfG: M.B.
guteronkel 31.08.2013
4. optional
Was hält die Aktivistin auf Foto Nr. 1 in der linken Hand? Ist das ein Tilto ?
dedie 31.08.2013
5.
Zitat von reinerunfugnatürlich werden sie nach Deutschland kommen, um sich zusammen mit c. Roth und anderen Nelken zu empören. An jeder Ecke erbost die Brüste raushängen und sich von den Deutschen finanzieren lassen. Schöne neue Welt.
Gemeinsam mit C. Roth die Brüste präsentieren würde selbst Putin schockieren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.