Gewalt in Ferguson Obamas überfällige Rede

Ferguson brennt - und Barack Obama legt nur einen müden Auftritt hin. Ausgerechnet der erste schwarze US-Präsident hat bisher keine große Rede zu Hautfarbe und Ungleichheit gehalten. Jetzt ist es Zeit.

Ein Kommentar von , Washington

AFP

Es war ein schwacher, ein müder Auftritt. Während Ferguson brannte, sprach Barack Obama vor der Presse im Weißen Haus von "negativen Reaktionen, die sich nun mal gut im Fernsehen machen". Der Präsident redete auch über Rassendiskriminierung, forderte zur Ruhe auf und bat die Polizei um Zurückhaltung. Zehn Minuten, das war's.

Das reicht aber nicht. Obama sollte noch diese Woche nach Ferguson reisen und eine Rede halten. Die Rede.

Denn nach der Entscheidung der Grand Jury, den Polizisten Darren Wilson nicht anzuklagen, droht der Protest von Ferguson zu zerfasern: Brennende Autos und Geschäfte, Schüsse, plündernde Jugendliche nehmen den friedlichen Demonstrationen die Luft. Vergebens hatten die Eltern des erschossenen Teenagers Michael Brown darum gebeten, dem Andenken ihres Jungen nicht zu schaden.

Nun ist es an Obama: Er darf das Feld nicht den Plünderern überlassen. Der Präsident könnte dem Protest eine Richtung geben und aus der Empörung, der Trauer, der Wut die Kraft für Amerikas Kampf gegen den ganz alltäglichen Rassismus generieren. Große Reden können das politische Gespräch einer Gesellschaft definieren: Präsident Lyndon Johnson kündigte nach dem Tod Kennedys die Civil-Rights-Gesetzgebung an, es war einer der besten Momente Amerikas. Und Johnson hatte, anders als Obama, rhetorisch wirklich nicht viel drauf.

Wie damals in den Sechzigern muss Amerika heute wieder ein paar grundsätzliche Dinge klären - und abstellen: Wie kann es sein, dass so unverhältnismäßig oft Schwarze Opfer von Polizeischüssen werden? Wie kann es sein, dass viele Schwarze in Amerika am Tag ihrer Volljährigkeit nicht nur ihren 18. Geburtstag, sondern auch ihr 18-jähriges Überleben feiern? Wie kann es sein, dass Polizisten nach Recht und Gesetz handeln, wenn sie Unbewaffnete regelrecht niederballern?

Egal ob Michael Brown aggressiv war oder nicht, ob er zuschlug, ob er provozierte, ob er riesenhaft wirkte - er war unbewaffnet. Punkt. Ein paar Tage später wurde wenige Meilen entfernt ein anderer unbewaffneter Schwarzer von der Polizei erschossen: Er hatte eine Flasche Gatorade geklaut und näherte sich zwei Streifenbeamten, rief: "Erschießt mich doch!" Sie erschossen ihn. Niemand machte ihnen nachher einen Vorwurf. Wie kann es sein, dass ein Leben so wenig zählt?

Ausgerechnet der erste schwarze US-Präsident hat die große Rede zu Hautfarbe und Ungleichheit bisher nicht gehalten. Jedenfalls nicht im passenden Rahmen. Im Fall des Trayvon Martin - dem von einem selbsternannten Nachbarschaftswächter erschossenen schwarzen Teenager - sagte er ein paar entscheidende Sätze zur historischen Ungleichbehandlung der Afroamerikaner im Justizsystem. Allerdings wieder nur im beengten Presseraum des Weißen Hauses: "Vor 35 Jahren hätte ich Trayvon Martin sein können", war einer dieser Sätze.

Für solche Sätze braucht es jetzt die große Bühne. Und die steht in Ferguson.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
crazy_swayze 25.11.2014
1.
Obama kennt die Faktenlage und gibt dem Polizisten bzw. der Grand Jury in Ferguson recht. Das Opfer war offenbar ein Räuber. Das Falscheste, was er mit diesem Beispiel im Rücken also machen kann, ist eine Brandrede über Rassismus halten. Denn das aktuelle Beispiel würde dem Anliegen nur schaden.
Jetztlachdochmal 25.11.2014
2.
Zitat von crazy_swayzeObama kennt die Faktenlage und gibt dem Polizisten bzw. der Grand Jury in Ferguson recht. Das Opfer war offenbar ein Räuber. Das Falscheste, was er mit diesem Beispiel im Rücken also machen kann, ist eine Brandrede über Rassismus halten. Denn das aktuelle Beispiel würde dem Anliegen nur schaden.
Danke für diesen Beitrag, denn genauso ist es. Er muss doch so aufpassen, GERADE weil er Schwarzer ist. Ich finde er macht das ganz gut. Es ist ein sehr sensibles Thema.....ich kann nur beipflichten, da muss jetzt erstmal Ruhe rein. Grüße aus San Francisco
genugistgenug 25.11.2014
3. Jetzt ist es Zeit.
Irrtum, die Zeit ist schon lange um oder wie sagte mal jemand 'Wer zu spät kommmt, den ........' Leider hat Obama wieder mal eine Gelegenheit vergehen lassen - er hätte den alltäglichen Rassismus schon lange thematisieren können, doch es ist wie beim Friedensnobelpreis - viel Vorschusslorbeereren, geliefert wurde nichts. Wie auch bei Obamacare, illegale Einwanderer, usw.
PeterSchmidt 25.11.2014
4. crazy_swayze
sehr guter Kommentar cray swayze, genauso ist es. Ich habe mir die Mühe gemacht und die Texte der einzelnen Befragungen von Schütze, Freund des Opfers, usw. durchgelesen. Um mir eine möglichst objektive Meinung bilden zu können. Resultat: Auch wenn es eine andere Lösung hätte geben können, ja sollen (z.B. Taser, o.ä.), auch wenn der Schütze professioneller und weniger emotional hätte handeln sollen, da das den Konflikt mit dem Opfer nur geschürt hat. Und trotz dass die Aussagen des Schützen diesen nicht als besonders sympathischen Zeitgenossen erscheinen lassen, trotz alledem gibt das Amerikanische Recht her, was passiert ist. Wer also bei diesem Fall (und NUR bei diesem) laut "Rassismus" ruft, der sollte sich zumindest die Mühe machen und auch die Details durcharbeiten.
Montanabear 25.11.2014
5. Obama
Zitat von crazy_swayzeObama kennt die Faktenlage und gibt dem Polizisten bzw. der Grand Jury in Ferguson recht. Das Opfer war offenbar ein Räuber. Das Falscheste, was er mit diesem Beispiel im Rücken also machen kann, ist eine Brandrede über Rassismus halten. Denn das aktuelle Beispiel würde dem Anliegen nur schaden.
Obama hat gewiss genaue Unterlagen über diesen bedauerlichen Vorfall und wenn er mit dem Ergebnis übereinstimmt, ist es mir auch recht. Er hat sich bis jetzt immer auf die Seite der Nichtweissen gestellt und hat hier eben keinen Gesetzesbruch festgestellt. So beklagenswert das Opfer ist, so wusste er doch, dass ein Angriff gegen einen Polizisten Selbstmord ist. "Suicide by cop." nennt man das hier. Zu viele Polizisten werden jedes Jahr ermordet und anzunehmen, nur weil Jemand schwarz ist, ist er unterdrückt und unschuldig, ist ebenfalls ein Vorurteil. Freut mich, dass Sie das auch so sehen. Dies war kein Fehlurteil und Diejenigen, die hier mit extremen Mitteln demonstrieren, tun sich und anderen Opfern wahrer Justizirrtümer keinen Gefallen. Man wird sie beim nächsten Mal weniger ernst nehmen.
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