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Fernsehinterview: Empörung über Olmerts Atomwaffen-Geständnis

Es ist ein offenes Geheimnis, aber Israel hat nie öffentlich den Besitz von Atomwaffen zugegeben. Jetzt hat Regierungschef Ehud Olmert erstmals indirekt angedeutet, dass sein Land Nuklearwaffen besitzt - und damit Empörung in Israel ausgelöst.

Berlin - Olmert betonte in einem Sat.1-Interview, sein Land habe nie andere Staaten bedroht. Der Iran hingegen drohe "offen, explizit und öffentlich", Israel von der Landkarte zu tilgen. Dann sagte Olmert: "Würden Sie sagen, dass das Niveau der Bedrohung gleich ist, wenn sie (die Iraner) Atomwaffen haben wollen wie Frankreich, die Amerikaner, die Russen und Israel?" Die israelische Regierung hat bislang nicht öffentlich den Besitz von Atomwaffen eingeräumt, es aber auch nicht bestritten.

Ehud Olmert:
REUTERS

Ehud Olmert:

Kommentatoren aus Israel, wo das Interview in Auszügen ebenfalls zu empfangen war, werteten diese Aussage als eine Bestätigung für den Besitz israelischer Atomwaffen.

Olmert habe damit nicht zum Ausdruck bringen wollen, dass Israel Atomwaffen besitzt oder die Beschaffung von Atomwaffen anstrebt, sagte Olmerts Sprecherin Miri Eisen, die den Regierungschef auf seiner Deutschland-Reise begleitet. Ein Außenamtssprecher fügte hinzu, Olmert habe die vier Länder als Demokratien klassifiziert, die sich von Iran absetzen. Er habe sich in seinen Äußerungen nicht auf ihr mögliches nukleares Potenzial bezogen.

In Israel lösten Olmerts Äußerungen Empörung aus. Der Abgeordnete der oppositionellen konservativen Likud-Partei, Juval Steinitz, forderte den Rücktritt des Ministerpräsidenten und sprach von einem "unverantwortlichen Lapsus", der "die Politik von fast einem halben Jahrhundert in Frage stellt". Der linke Oppositionsabgeordnete Jossi Beilin kritisierte die "verblüffenden Äußerungen von Ehud Olmert, die nur die Zweifel seiner Regierungsfähigkeit vergrößern".

reh/AFP/dpa/Reuters

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