Festnahme vor Deutschland-Besuch Iran hindert prominente Fotografin an WM-Reise

Das Regime in Teheran hat die prominente Sportfotografin Maryam Majd festnehmen lassen. Die Iranerin wollte zur Frauenfußball-WM nach Deutschland fliegen, kam dort aber nie an. Die letzte Nachricht, die ihre Gastgeberin in Düsseldorf per SMS bekam: "Juhu!" - dann war Funkstille.

Petra Landers

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Maryam Majd hatte einen Traum. Die junge Iranerin wollte zur Fußball-WM der Frauen in Deutschland reisen, die Spielerinnen ablichten und ein Buch über das Turnier herausbringen. Doch in Düsseldorf kam die Fotojournalistin nie an.

Genau eine Woche ist es her, dass Petra Landers vergebens am Terminal gewartet hat. Die ehemalige deutsche Fußball-Nationalspielerin hatte Majd eingeladen, die Formalitäten geregelt, das Flugticket gebucht. Doch erst verging eine Stunde, dann noch eine - irgendwann war klar: Die 25-Jährige war nicht an Bord der Maschine aus Teheran. "Das hat mir die Fluggesellschaft dann auch nach wiederholter Nachfrage bestätigt", sagte Landers SPIEGEL ONLINE.

Jeder Versuch der Kontaktaufnahme schlägt fehl. Das Mobiltelefon ist ausgeschaltet, auch auf E-Mails reagiert Majd nicht. "Zunächst dachte ich, sie hätte den Flug verpasst. Aber dann habe ich mir doch langsam Sorgen gemacht", erzählt Landers. Tagelang herrscht Funkstille. Landers, bei der Majd zwei Monate unterkommen sollte, probiert, über Freunde in Iran an Informationen zu kommen. Vergebens.

Erst am Mittwoch dieser Woche wird offiziell, was Landers "insgeheim schon befürchtet hatte". Eine Anwältin in Teheran bestätigt, dass Majd in ein staatliches Gefängnis gebracht wurde. Was ihr vorgeworfen wird, warum der Zugriff so kurz vor ihrer Reise ins Ausland erfolgte, wie lange sie in Gewahrsam bleiben muss - alles noch offene Fragen.

Nur quälend langsam sickern Details über die Festnahme durch. Entgegen ersten Vermutungen geschah die Festnahme wohl nicht am Flughafen, sondern bei Majd zu Hause. Außerdem durfte sie vom Gefängnis aus mit ihrer Familie telefonieren. Was in diesem Gespräch gesagt wurde, ist nicht bekannt. Laut iranischen Menschenrechtsorganisationen übt das Regime in Teheran massiven Druck aus, um den Angehörigen die Kontaktaufnahme mit westlichen Medien zu verbieten.

Steckt Majds Engagement für den Frauensport hinter der Festnahme?

Auch Amnesty International hat sich inzwischen in den Fall eingeschaltet. Man nehme die Berichte aus Iran sehr ernst, hieß es. Für weitere Schritte fehlten aber noch konkrete Informationen.

Doch warum geriet Majd überhaupt in den Fokus der iranischen Sicherheitsbehörden? "Außer ihr gibt es kaum weibliche Sportfotografen in Iran. Dadurch hat sie beinahe exklusiven Zugang zu verschiedenen Frauensportarten", berichtete Exil-Iranerin Shadi Sadr, die eng mit Amnesty International zusammenarbeitet, dem britischen "Guardian".

Demnach habe sich Majd vehement dafür eingesetzt, dass Frauen schon bald Zugang zu iranischen Fußballstadien erhalten sollen. Bisher ist dies mit der Begründung untersagt, dort könnten weibliche Zuschauer Gewalt und rüden Umgangsformen ausgesetzt werden. Verschiedene regimekritische Internetseiten beschreiben sie als Aktivistin. Unter anderen hatte sie an der populären Frauenzeitschrift "Zanan" mitgearbeitet, bis diese 2009, auf Geheiß der Regierung, eingestellt wurde.

Sportlerinnen in Iran sind verpflichtet, sich von Kopf bis Fuß zu bedecken. Internationale Wettkämpfe werden im Land nicht übertragen, weil die gegnerischen Mannschaften zu viel Haut zeigen könnten.

Kontroverse um iranische Fußballerinnen

Anfang Juni war es zum Eklat gekommen, als die Fifa dem iranischen Team die Teilnahme an einem Qualifikationsturnier für Olympia 2012 untersagt hatte. Das Ganzkörpergewand, vor allem aber die Kopftücher seien nicht mit den Regularien des Weltverbands zu vereinbaren, hieß es. Fotos der weinenden Spielerinnen gingen um die Welt, Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete die Fifa-Obersten als "Diktatoren und Kolonialisten".

"Es liegt auf der Hand, dass Maryam Majd aus politischen Gründen festgenommen wurde. Sie und ihre Arbeit stehen für Emanzipation, Gleichheit, Meinungsfreiheit und Pressefreiheit", sagt Volker Beck, menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen. "Die iranischen Behörden sind in der Pflicht, Frau Majd auf freien Fuß zu setzen und ausreisen zu lassen. Sie sollten sich daran erinnern, dass ihr Staat den internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte ratifiziert hat, der solch ein staatliches Verhalten strikt untersagt", appelliert Beck.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte SPIEGEL ONLINE, man sei "mit dem Fall über die deutsche Botschaft in Teheran befasst und bemühe sich intensiv um eine Aufklärung über den Verbleib von Maryam Majd".

"Mir kommen die Tränen"

Petra Landers beschreibt Majd als energische junge Frau, die sich voller Begeisterung auf ihren Einsatz bei der WM in Deutschland vorbereitet habe. "Wir haben uns während meines Iran-Urlaubs im Februar kennengelernt. Dabei ist auch die Idee für ein Buchprojekt entstanden", berichtet die Fußball-Europameisterin von 1989. "Sie ist Fotografin, ich betreibe in Deutschland eine Druckerei, und Grafiker kannten wir auch - so entstand der Plan für ein Fotobuch über die weniger bekannten Mannschaften im Frauenfußball."

Von der Fifa sei Majd für die Spiele der WM akkreditiert gewesen, sie habe sich voller Eifer in die neue Aufgabe gestürzt. "Noch kurz vor dem geplanten Abflugtermin bekam ich eine SMS, in der nur 'Juhu!' stand. Seitdem habe ich nichts mehr gehört."

Für Landers ist die Vorfreude auf das sportliche Großereignis in jedem Fall dahin. "Wenn ich daran denke, dass Maryam während des Eröffnungsspiels statt im Stadion wohl im Gefängnis sitzt - dann kommen mir die Tränen."

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AlHaqq 25.06.2011
1. Propaganda?
Man weiss nicht einmal was der guten Frau vorgeworfen wird, aber das reicht schon damit SPON "den ach so bösen Iran" an den Pranger stellt. Könnte peinlich werden wenn die Verhaftung irgend einen plausiblen Grund hätte, z.B. wenn Majd in ihrer Aufregung auf dem Weg zum Flughafen jemanden fahrlässig überfahen hat? Vielleicht zu weit hergeholt, aber man weiss es eben nicht. Und da sie wohl mit ihrer Familie telefoniert, ist es jedenfalss nicht so wie der SPON es versucht darzustellen: "Eine art geheime Entführung ohne Anklage damit Frauen nicht ins Stadion können" - BILD-Niveau!
calido46 25.06.2011
2. Die
junge Frau wollte ein Buch über Frauenfußball resp. die WM machen. In diesem Buch gibt es Bilder! Und diese werden - oh Graus - unverhüllte Fußballerinnen zeigen! Und genau das darf es im Iran nicht geben, allen unterzeichneten Abkommen (internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte) zum Trotz! Also sperrt man die Frau ein -> keine Bilder -> kein Angriff auf die "Moral!" Wahrscheinlich läßt Teheran die Reporterin nach der WM wieder frei – das sind ja schließlich keine Unmenschen, nicht wahr? Diese Abkommen sind das Papier nicht wert auf dem sie stehen, solange sie nicht eingehalten werden. Und wer kann die Regierung in Teheran dazu zwingen? Da können sich jetzt amnesty usw. einschalten, passieren wird - nichts! Demokratische Grundrechte und Islam - zwei Welten treffen aufeinander!
elpaso, 25.06.2011
3. Achse des Bösen
Vielleicht hatte G.W. Bush ja doch nicht so unrecht die Achse des Bösen aanzughen und Demokratie ins Mittelalter zu bringen. Ahmadinedschad und seine geistlichen schiitischen Helfershelfer sowie die Wahabiten in Saudi-Arabien gehören mit allem Nachdruck verfolgt, gestürzt und abverurteilt. Schluß mit all diesen muslimisch-faschistischen Diktaturen. Man kann es ja nicht mehr mit ansehen! Ich gebe gern mein Steuergeld für die entsprechend notwendigen Drohnen zur Beseitigung dieser fanatisch religiösen Banden und Clans.
vander1 25.06.2011
4. Tolle Synchronisation
Schon interessant das sich auch der vorhergehende Artikel mit dem Iran beschäftigt und sogar in die gleiche Kerbe haut. Erst geht eine hübsche Reporterin ins Gefängnis, dann wird von systematischen Vergewaltigungen in eben jenen Gefängnissen berichtet. Den offensichtlichen Schluß daraus darf der geneigte Leser dann selber ziehen, also liegt keine Beeinflußung durch die Medien vor ;-) Vielleicht enden die Vorwürfe ja als Gerüchte, so wie hier (http://www.heise.de/tp/artikel/34/34993/1.html). Bin schon gespannt wo, wann und von wem dann dazu ein Bericht kommen wird. Terror gegen Regimegegner: Irans Opposition beklagt systematische Vergewaltigungen (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,770413,00.html)
Lochblech.19 25.06.2011
5. er
Diese Nachricht ist auch ein Beleg dafür, wenn Religion und Politik in einem Staat zusammen gehen, die Bevölkerung selbst den abstrusesten Willkürmaßnahmen ausgesetzt wird. Die Antwort: Im Eröffnungsspiel ein Signal geben, das Foto der Journalistin zeigen, den Fall bei den Übertragungen veröffentlichen. Das (Hr.) A., Ministerpräsident des Irans, wird gewohnt krude reagieren, die Iraner wirds freuen, da sie wieder signalisiert bekommen, dass die Welt sie nicht vergißt.
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