Wegen Anschlag auf russischen Botschafter Türkische Justiz verhängt Haftbefehl gegen Gülen

Er war früher ein Vertrauter von Recep Tayyip Erdogan und soll für den gescheiterten Putsch in der Türkei 2016 verantwortlich sein. Jetzt wurde gegen Fethullah Gülen Haftbefehl erlassen - aber nicht wegen des Putsches.

Fethullah Gülen
AFP

Fethullah Gülen


Mehr als zwei Jahre nach dem tödlichen Anschlag auf den russischen Botschafter in der Türkei ist Haftbefehl gegen den islamischen Prediger Fethullah Gülen und sieben weitere Personen erlassen worden. Ihnen werde vorsätzliche Tötung und ein Umsturzversuch vorgeworfen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Gülen auch für den gescheiterten Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Der russische Botschafter Andrej Karlow war am 19. Dezember 2016 bei einer Ausstellung in der Hauptstadt Ankara von einem türkischen Polizisten erschossen worden. Der Attentäter wurde anschließend von Spezialkräften getötet.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte schon kurz nach dem Anschlag Verbindungen des Attentäters zur Gülen-Bewegung vermutet. Die Haftbefehle kommen nur einen Tag vor dem Treffen von Erdogan und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Ankara. Im Juni 2017 hatte Putin einen Nachfolger für Karlow ernannt.

Mitte März verhängte die türkische Justiz eine lebenslange Haftstrafe gegen den US-Pfarrer Andrew Brunson. Er soll am gescheiterten Putschversuch von 2016 beteiligt gewesen sein. Die türkischen Behörden werfen ihm laut Anklageschrift vor, zur "Führung" der Gülen-Bewegung zu gehören, berichtete die Nachrichtenagentur Dogan. Brunson, der 20 Jahre lang zusammen mit seiner Frau eine Kirche in der Stadt Izmir leitete, sitzt seit Oktober 2016 in türkischer Haft.

Gülen, der im Exil im US-Bundesstaat Pennsylvania lebt, bestreitet die Vorwürfe. Erdogan hatte im vergangenen September angedeutet, Gülen gegen den US-Pfarrer austauschen zu wollen. Washington lehnt dies ab.

jat/dpa



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