Krieg in Gaza Feuerpause - jetzt beginnen schwierige Verhandlungen

Endlich - in Gaza ist eine dreitägige Feuerpause in Kraft getreten. "Kein Grund zum Gratulieren", mahnt US-Außenminister Kerry: Was Verhandlungen zwischen Israel und Palästinensern betrifft, ist selbst der wichtigste Vermittler skeptisch.


Gaza/Tel Aviv - Im Gaza-Konflikt ist nach drei Wochen erstmals eine dreitägige Waffenruhe in Kraft getreten. Die "humanitäre Feuerpause" gilt seit 8 Uhr Ortszeit (7 Uhr MESZ). Sie soll die Bergung von Toten und die Versorgung von Verletzten ermöglichen.

Unter Vermittlung der Uno hatten Israel und die militanten Palästinenser außer einer Feuerpause auch sofortigen Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe zugestimmt. Delegationen beider Seiten sollen umgehend in die ägyptische Hauptstadt Kairo reisen, um die Gespräche unter ägyptischer Vermittlung aufzunehmen.

US-Außenminister John Kerry rief die Parteien zu engagierten Verhandlungen auf. "Dies ist nicht die Zeit zum Gratulieren", sagte der US-Außenminister in Neu-Delhi. Dies sei eine Atempause, nicht das Ende des Konflikts.

Israel wird "defensive Operationen" fortsetzen

Kerry fügte hinzu, beide Seiten blieben während der Waffenruhe in ihren Stellungen. Israel werde "defensive Operationen" gegen Hamas-Tunnelanlagen fortsetzen. Netanjahu hatte zuvor erklärt, eine Waffenruhe sei nur akzeptabel, wenn Israel weiter Tunnelanlagen im Gaza-Streifen zerstören könne.

Die Waffenruhe soll den Menschen nun "eine dringend notwendige Entlastung von der Gewalt" bringen, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Kerry und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. "Während dieser Zeit sollen Zivilisten sofort benötigte humanitäre Hilfe und die Möglichkeit bekommen, lebensnotwendige Aufgaben zu erledigen. Dazu zählt die Beerdigung der Toten, die Versorgung der Verletzten und die Beschaffung von Lebensmitteln." Überfällige Reparaturen am Wasser- und Stromnetz sollen auch möglich sein.

Israelis und Palästinenser sicherten dem Uno-Sondervermittler Robert Serry demnach zu, sich an die "bedingungslose humanitäre Waffenruhe" halten zu wollen. Vertreter der im Gaza-Streifen herrschenden radikalislamischen Hamas sowie der israelischen Regierung bestätigten dies. Die beiden in dem Konflikt vermittelnden Länder Katar und die Türkei begrüßten die Vereinbarung und die geplanten Gespräche.

Granate tötet fünf israelische Soldaten

Trotz des Aufrufs von Ban und Kerry zu Zurückhaltung bis zum Beginn der Waffenruhe setzten radikale Palästinenser den Beschuss auf Israel fort. Wie das israelische Militär mitteilte, feuerten Extremisten kurz nach der Ankündigung der Feuerpause drei Raketen ab. Das Abwehrsystem "Iron Dome" habe eine über Zentralisrael abgefangen.

Kurz vor dem Beginn der Waffenruhe veröffentlichten Israelis und Palästinenser auch neue Opferzahlen. Wie die israelische Armee am frühen Freitagmorgen mitteilte, starben am Donnerstagabend fünf Soldaten an der Grenze zum Gaza-Streifen durch eine von radikalen Palästinensern aus dem Küstengebiet abgefeuerte Granate. Seit Beginn der Offensive vor mehr als drei Wochen kamen demnach 61 Soldaten ums Leben.

Nahezu zeitgleich teilte der Sprecher des palästinensischen Gesundheitsministeriums, Aschraf al-Kidra, mit, 14 weitere Palästinenser seien bei israelischen Angriffen in den Orten Chan Junis und Bani Suhaila getötet worden. Seit Beginn der israelischen Offensive am 8. Juli seien damit 1458 Palästinenser gestorben. Das seien acht mehr als bei der 22-tägigen Gaza-Offensive von 2009.

fab/dpa/AFP

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insgesamt 22 Beiträge
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nic 01.08.2014
1. jetzt beginnen schwierige Verhandlungen
Seit wann gibt es die? Heraus kommmen wird sowieso nichts.
ehfieh 01.08.2014
2.
"..starben am Donnerstagabend fünf Soldaten an der Grenze zum Gazastreifen durch eine von radikalen Palästinensern aus dem Küstengebiet abgefeuerte Granate.." In Israel sind es also unschuldige Soldaten, in Palästina radikale Terroristen. Danke für die Einleuchtung allerseits.
kosaptes 01.08.2014
3. Interessant
Das interessanteste ist wohl wie lange es dauern wird bis die ersten Raketen wieder in Israel landen.
phaenologos 01.08.2014
4. Erfolg wünschen
Bedingungslose Waffenruhe und ebensolche Verhandlungen sind zumindest ein gutes Zeichen in einer Region, der man nur mehr solche Tage wünschen kann. Der Erfolg dieser Verhandlungen liegt uns am Herzen. Inwieweit der Vertreter des Staates, der gerade wieder erhebliche Mengen an Kriegsmaterial in die Region geschafft hat, der wichtigste Vermittler sein soll, erschließt sich dem denkenden Leser allerdings nicht. Es darf angenommen werden, dass der Auftrag hier lautet, soviel Nachfrage wie möglich zu schaffen.
suplesse 01.08.2014
5. Einmischung!
Wenn die Amerikaner keine Waffen an die Israelis liefern würden und die Hamas keine Raketen aus dem Iran beziehen würde, wäre so eine fatale kriegrische Auseinandersetzung nicht möglich. Die Situation ist vollkommen absurd, da sich die Amis widerrum als Friedenstifter aufspielen. Darüber hinaus sind sie parteiisch und liefern Waffen. Das ist der eigentliche Skandal hinter all den vielen Ungerechtigkeiten und Verbrechen, die nur durch die Amerikaner erst möglich werden. Die Aussichtslosigkeit und die Dauer des Konfliktes zwischen Juden und Palestinenser erklärt vor allem aus dieser Blockbildung. Ich offe es wird irgendwann mal ein EInsehen geben. Der gegenseitige Hass ist jedenfalls nicht mehr zu kontrollieren.
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