Fidel Castro Schröder vertritt Deutschland bei Trauerfeier

Weder Joachim Gauck noch Angela Merkel nehmen an der Trauerfeier für den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro teil. Stattdessen schickt die Bundesregierung Altkanzler Gerhard Schröder nach Kuba.

Schröder und Castro im Jahr 1999
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Schröder und Castro im Jahr 1999


Altbundeskanzler Gerhard Schröder wird Deutschland bei der Trauerfeier für Fidel Castro vertreten. Das sei zwischen Bundespräsidialamt und Bundesregierung abgestimmt worden, sagte eine Regierungssprecherin SPIEGEL ONLINE.

Der kubanische Revolutionsführer Castro war am vergangenen Freitag im Alter von 90 Jahren gestorben. Er hatte das Land 47 Jahre regiert und sich 2006 aus der aktiven Politik zurückgezogen. Er empfing aber weiterhin Staatsgäste in seinem Haus und äußerte sich in der Parteizeitung "Granma". Er soll am Sonntag in Santiago de Cuba beigesetzt werden. Dann endet auch die neuntägige Staatstrauer.

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Kuba: Abschied von Castro

Schröder und Castro hatten sich im Juni 1999 am Rande des EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels in Rio de Janeiro getroffen. Damals war Schröder deutscher Bundeskanzler. Zuletzt hatte Altbundespräsident Christian Wulff die Bundesrepublik bei der Trauerfeier für den verstorbenen König von Saudi-Arabien vertreten.

Die Bundesregierung hatte Castro nach seinem Tod als historische Gestalt gewürdigt, sein Lebenswerk aber scharf kritisiert. Castros Revolution habe "die Insel und die Bewohner der Insel auf Jahrzehnte an ein System der politischen Unterdrückung gebunden", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag. "Die Meinungsfreiheit, die Menschenrechte jedes Einzelnen, die Demokratie - das kam in Fidel Castros Denken nicht vor." Die bis heute andauernde Verfolgung politisch Andersdenkender gehöre zu seinem Erbe. (Lesen Sie hier, was Castros Tod für die Zukunft von Kuba bedeutet.)

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Ein Leben in Bildern: Mythos Fidel Castro

Die Bundesregierung würdigte gleichzeitig die "wirtschaftliche Teilöffnung" Kubas in den vergangenen Jahren nach dem Rückzug Fidel Castros von der Staatsspitze. Es sei zu hoffen, dass darauf eine politische Öffnung hin zu einem demokratischen Rechtsstaat folgen werde, sagte Seibert. "Deutschland ist den Kubanern in Freundschaft verbunden und ist unverändert bereit, Kuba auf dem Weg zu Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu unterstützen."

US-Präsident Barack Obama hat sich ebenfalls dazu entschlossen, nicht an der Trauerfeier für Castro teilzunehmen. Sein Sprecher Josh Earnest ließ offen, wer die US-Delegation bei der Beisetzung anführen wird. Auch Kanadas Premier Justin Trudeau kündigte an, der Beerdigung Castros fern zu bleiben. Er war am Wochenende heftig dafür kritisiert worden, als er Castro als einen "legendären Revolutionär und Redner" und einen "außergewöhnlichen Führer" gewürdigt hatte.

brk/sev/dpa

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