Havanna - Gespannt verfolgten Kubaner den ersten TV-Auftritt Fidel Castros nach drei Jahren. Eine Stunde lang sprach der 83-Jährige am Montag im Staatsfernsehen in der Sendung "Runder Tisch" unter anderem über das iranische Atomprogramm. Die USA kritisierte er massiv und warf Washington unter anderem vor, für den Untergang der südkoreanischen Korvette "Cheonan" Ende März verantwortlich zu sein. Damit hätte ein Krieg zwischen Süd- und Nordkorea entfesselt werden sollen.
Der ehemalige kubanische Staatschef präsentierte sich in augenscheinlich stabiler gesundheitlicher Verfassung und guter Laune. Er sprach langsam, wirkte aber entspannt und überzeugend. Seine Stimme klang gleichwohl etwas zittrig. Castro trug einen blauen Trainingsanzug mit kariertem Hemd.
Zuletzt hatte sich Castro im Jahr 2007 in der gleichen Sendung präsentiert, und bei dieser Gelegenheit seine Darmkrankheit öffentlich gemacht. Danach zog er sich aus der Politik zurück und übergab die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl. Fidel Castro war zuletzt im Sommer 2009 auf Videoaufnahmen im Fernsehen zu sehen gewesen.
Erst am Wochenende hatte sich Castro nach langer Zeit wieder in der Öffentlichkeit gezeigt und ein Wissenschaftsinstitut in Havanna besucht. Fotos zeigten ihn mager, aber in offenbar stabiler gesundheitlicher Verfassung. Er besuchte das Recherchezentrum demnach bereits am Mittwoch anlässlich des 45-jährigen Bestehens. Die Fotos machte Castros Sohn Alex.
Fidel Castros Gesundheit ist bereits seit vielen Jahren Gegenstand von Gerüchten. Insofern steht sein TV-Auftritt unter besonderer Aufmerksamkeit. Der Revolutionsführer war früher für zum Teil stundenlange Reden bekannt, die live übertragen wurden.
Unterdessen hat die kubanische Regierung am Montag ihre Zusage erfüllt und sieben politische Gefangene freigelassen. Die Ex-Häftlinge seien zum Flughafen gebracht worden und hätten dort ihre Familien getroffen, sagte einer der Dissidenten, Omar Ruiz. Danach flogen die Regimekritiker mit ihren Angehörigen ins Exil nach Spanien.
Die katholische Kirche in Kuba hatte vergangene Woche erreicht, dass 52 politische Gefangene freikommen sollen. Dabei handelt es sich um diejenigen Dissidenten, die seit einer Razzia gegen 75 Aktivisten im Jahr 2003 noch immer in Haft saßen. Bis alle 52 Regimekritiker freigelassen sind, wird es wohl noch Monate dauern. Es wäre die größte derartige Häftlingsfreilassung seit einer Amnestie für 299 Gefangene nach einem Kuba-Besuch Papst Johannes Pauls II. 1998. Unter den Freigelassenen waren damals etwa hundert politische Gefangene.
anr/AFP/dpa/apn
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