Finanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen

Von , Moskau

So verliert ein Land Stück für Stück seine Autonomie: Russland kontrolliert schon heute das Gasnetz und Banken in Weißrussland - jetzt soll der Kreml auch noch die Armee finanzieren. Moskau nutzt die Finanznot seines Nachbarn, um das Land immer enger an sich zu fesseln.

Weißrusslands Armee: Chronisch klamm Zur Großansicht
AFP

Weißrusslands Armee: Chronisch klamm

Zwanzig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion gerät Weißrussland immer stärker in Abhängigkeit von Russland. Weil die Wirtschaft des von Diktator Alexander Lukaschenko regierten Landes lahmt, gibt Minsk seine Souveränität Stück für Stück in Moskau in Zahlung. Lukaschenko bittet Moskau um Geld für die Armee, damit er seine Soldaten bezahlen kann. Beide Länder teilten "gemeinsame militärische Ziele", sagt Lukaschenko. Weißrusslands 65.000 Mann starke Streitkräfte sind chronisch klamm, Offiziere im Rang eines Leutnants verdienen umgerechnet 65 Euro im Monat.

Die Opposition befürchtet, mittelfristig könnte Moskau mit der Finanzierung auch die Kontrolle über die Armee übernehmen. Weißrussische Soldaten könnten dann von Russland in Krisenregionen wie dem Nordkaukasus oder Zentralasien eingesetzt werden, warnt Oppositionsführer Alexander Milinkewitsch.

Russland verfügt bereits jetzt über großen Einfluss auf den kleinen Nachbarn. Sieben von 32 weißrussischen Banken werden von Moskau kontrolliert, daneben die wichtigsten Versicherungskonzerne.

Russland nutzt die diplomatische Eiszeit zwischen Weißrussland und der EU, um Minsk enger an sich zu binden. Wladimir Putin, der sich Anfang März wieder zum Präsidenten wählen lassen will, lanciert im Wahlkampf die Idee einer "Eurasischen Union" unter russischer Führung. Weißrussland legt er die Einführung des russischen Rubels nahe. Russlands Staatskonzern Gazprom kontrolliert seit Jahresbeginn Weißrusslands Pipelinenetz. Nahe der Grenze zu Litauen will Moskau Weißrusslands erstes Atomkraftwerk bauen, das Geld kommt von russischen Banken.

"Geopolitisch gefährdete Spezies"

Die Hilfe hat einen Preis: Der Kreml erwartet von Minsk Gehorsam und führt sich dabei mitunter auf wie eine Besatzungsmacht. Als Pläne für den Bau einer chinesischen Autofabrik in Weißrussland bekannt wurden, drohte Moskaus Botschafter, Russland werde die Lieferung chinesischer Bauteile verhindern: Minsk solle lieber Autos in Russland kaufen.

Angesichts des immer stärkeren russischen Einflusses erklärte der bekannte US-Globalstratege Zbigniew Brzezinski Weißrussland jüngst sogar zur "geopolitisch gefährdeten Spezies" - heißt, dass ihre Unabhängigkeit in Gefahr sei.

Russlands wachsender Einfluss steht im Widerspruch zur Stimmung der Bevölkerung. Jahrelang hegten die Weißrussen große Sympathien für den großen slawischen Bruder im Osten, 1999 sprachen sich 47 Prozent für eine Vereinigung mit Russland aus. Doch die Stimmung hat sich gedreht, ein wachsender Anteil der Bürger sieht die Zukunft des Landes an der Seite der Europäischen Union. Einen Zusammenschluss mit Russland wollen nur noch 29 Prozent.

Auf den Kurs der Führung in Minsk aber hat das derzeit keinen Einfluss. Gerade erst ließ Lukaschenko dem deutschen Menschenrechtsbeauftragten Markus Löning (FDP) die Einreise verweigern.

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1. Was soll daran falsch sein?
Paul Newman 12.02.2012
Finanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814492,00.html)[/QUOTE] Weißrussland ist ein Konstrukt der SU-Erosion. Dieses Land hat es nie zuvor gegeben. So wie Deutschland das Saarland an sich "gefesselt" hat, macht es Rußland nun mit Weißrussland. Russen und Weißrussen sind so verschieden wie Thüringer und Hessen. Genau wie die deutsche Teilung sollte auch diese widernatürliche Teilung beendet werden.
2. Gute Nachrichten
sergejnik1 12.02.2012
Zitat von Paul NewmanFinanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814492,00.html)
Weißrussland ist ein Konstrukt der SU-Erosion. Dieses Land hat es nie zuvor gegeben. So wie Deutschland das Saarland an sich "gefesselt" hat, macht es Rußland nun mit Weißrussland. Russen und Weißrussen sind so verschieden wie Thüringer und Hessen. Genau wie die deutsche Teilung sollte auch diese widernatürliche Teilung beendet werden.[/QUOTE] Endlich gute Nachrichten. Russische und Weisrussische Volk is teigentlich gleiche Volk. Schon seit Peter Grosse war immer ein Land. Auch Ukraine gehört dazu. Nur Verrat von Gorba4ew machte möglich ein Volk auf drei Teile zerrisen.
3. Sehr geehrter....
tatraholger 12.02.2012
Zitat von Paul NewmanFinanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814492,00.html)
Weißrussland ist ein Konstrukt der SU-Erosion. Dieses Land hat es nie zuvor gegeben. So wie Deutschland das Saarland an sich "gefesselt" hat, macht es Rußland nun mit Weißrussland. Russen und Weißrussen sind so verschieden wie Thüringer und Hessen. Genau wie die deutsche Teilung sollte auch diese widernatürliche Teilung beendet werden.[/QUOTE] Hr. Bidder! Die "Eurasische Union" ist seit 1.1.2012 gegruendet! Teilnehmer sind Russland, Weissrussland und Kasachstan. Innerhalb der Union wurden die Zoelle abgeschafft. Kirgisien hat als naechstes Land den Aufnahmeantrag gestellt. Und auch die Ukraine ist am Ueberlegen, ob sie sich dieser Union anschliesst. Die "Eurasische Union" soll einmal der Nachfolger der "GUS" werden. Und Weissrussland hat mit Russland einen Verteidigungs-und-Beistandspakt abgeschlossen. Deswegen sind z.B. russische Soldaten in Weissrussland stationiert, die die Abfabgraketen vom Typ S-300 und S-400 warten und bedienen. Und ausserdem hat Russland Weissrussland rund 3 Mrd. Dollar an Kredit gegeben. Dieses Geld soll ua. fuer den Bau des AKW in Weissrussland verwendet werden. Also, warum sollte Russland dem schon fast pleiten Weissrussland kein Geld geben, damit das seine Soldaten und Offiziere bezahlen kann?
4. Dieses Land hat zuvor gegeben!
gardarika 12.02.2012
Zitat von Paul NewmanFinanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814492,00.html)
Weißrussland ist ein Konstrukt der SU-Erosion. Dieses Land hat es nie zuvor gegeben. So wie Deutschland das Saarland an sich "gefesselt" hat, macht es Rußland nun mit Weißrussland. Russen und Weißrussen sind so verschieden wie Thüringer und Hessen. Genau wie die deutsche Teilung sollte auch diese widernatürliche Teilung beendet werden.[/QUOTE] Das Land, das ihr Großfürstentum Litauen nennt, war in der Tat Weissrusland. Heutiges Litauen hat wenig zu tun mit Großfürstentum Litauen. Der Staat hiess nicht "Litauen", sondern "Litwa" und seine Buerger waren "Litwinen". Die Amtssprache in dieser Staat war WEISSRUSSISCH und nicht litauisch. Die Urannen der heutigen Litauen besassen nur 1/100 der Litwa Flaeche, die Zhmudz hiess. Zhmudz kannte weder Alphabet noch Religion. Schade, dass anstatt richtige Geschichte zu erlernen, man noch immer fortsetzt, Weissrussen zu erniedrigen, wahrscheinlich nur deswegen, dass sie unter Lukaschenka leben.
5.
blumt0pf 12.02.2012
Zitat von sysopSo verliert ein Land Stück für Stück seine Autonomie: Russland kontrolliert schon heute das Gasnetz und Banken in Weißrussland - jetzt soll der Kreml auch noch die Armee finanzieren. Moskau nutzt die Finanznot seines Nachbarn, um das Land immer enger an sich zu fesseln. Finanznot in Weißrussland: Moskau soll Lukaschenkos Soldaten bezahlen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814492,00.html)
Ich denke, ich wünsche den Russen viel Erfolg und den Osteuropäern die Einsicht, dass sie von der EU nur ausgebeutet und belogen werden. Die Gier nach Geld und Kapitalismus hat den Osteuropäern lange Zeit den Kopf verdreht. Es wird Zeit, dass sie aufwachen.
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