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Finnland: Regierungschef nimmt doch keine Flüchtlinge bei sich auf

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AP/dpa

Juha Sipilä (Archiv): "Neubewertung der Sicherheitslage"

Er wollte Flüchtlinge bei sich aufnehmen und damit "eine Art Volksbewegung" ins Leben rufen. Doch jetzt nimmt der finnische Premier sein Versprechen zurück - wegen einer "Neubewertung der Sicherheitslage".

Finnlands Ministerpräsident Juha Sipilä wird keine Flüchtlingsfamilien auf seinem Landsitz aufnehmen. Die Entscheidung sei nach einer "Neubewertung der Sicherheitslage" gefallen, sagte der Sicherheitsverantwortliche der Regierung, Jari Ylitalo, der Nachrichtenagentur AFP.

Sipilä steht seit neun Monaten an der Spitze einer Mitte-rechts-Regierung. Im September hatte er die Aufnahme von "drei oder vier Flüchtlingsfamilien" auf seinem Landsitz Kempele angekündigt. Er wolle damit "eine Art Volksbewegung" starten, die den Finnen Lust machen solle, "Verantwortung in der Unterbringungskrise für Flüchtlinge zu übernehmen", lauteten damals seine Worte.

Bürger-Patrouillen

Doch die Stimmung in Finnland hat sich verändert. In jüngster Zeit haben Rechtsextremisten in mehreren Orten, die Flüchtlinge beherbergen, sogenannte Bürger-Patrouillen gebildet. Sipilä wird vorgeworfen, mit seiner Geste vom September Zuwanderer erst angezogen zu haben. Im vergangenen Jahr verzeichnete Finnland insgesamt 32.000 Asylbewerber, so viele wie nie zuvor.

Ganz Abstand nehmen von seinem Angebot will Sipilä aber noch nicht. "Wir werden eine große Familie mit anderen Mitteln unterstützen - bis die Behörden glauben, der Landsitz könne in vollkommener Sicherheit genutzt werden", sagte er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

mka/AFP

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