Skandalbuch "Fire and Fury" Das Weiße Irrenhaus

Das Skandalbuch "Fire and Fury" bestärkt den Verdacht: Donald Trump ist auf dem Weg in die Demenz. Amerika muss ihn loswerden. An diesem Freitag gibt es dazu Gelegenheit.

Trump im Weißen Haus
REUTERS

Trump im Weißen Haus

Eine Kolumne von


Wir sehen eine Debatte über Kunst. Auf dem Podium eine Moderatorin und ein Künstler. Wichtiges Gespräch. Aber im Publikum ruft dauernd einer:

"Zeig uns deine Titten." "Schwanz." "Schwanz." "Schwanzlutscher." Wer den Film "The Square" gesehen hat, erinnert sich an die Szene. Die Leute sind irritiert. Aber der Mann leidet am Tourette-Syndrom. Er kann nicht anders. Und weil wir im liberalen Schweden sind, beschließen alle, einfach weiterzumachen.

Seine Leute fürchten und verachten ihn

Im Umgang mit Donald Trump verhält sich die ganze Welt so wie diese toleranten Schweden: Alle machen weiter, als wäre nichts. Dabei ist kaum noch zu leugnen, was seit Langem befürchtet wurde: Donald Trump ist krank. Auf dem Weg in die Demenz. So wie sein Vater vor ihm. "Fire and Fury", das Skandalbuch des US-Journalisten Michael Wolff, unterstützt jetzt die Theorie, die auch von amerikanischen Psychiatern schon vorgebracht wurde. Toleranz wäre hier fehl am Platz.

Der Tourette-Kranke aus dem Film war harmlos. Donald Trump dagegen ist ein sehr gefährlicher Mann.

Michael Wolff beschreibt in seinem Buch das Weiße Haus unter Trump als Hof eines Renaissancefürsten - oder als Räuberhöhle. Da ist jeder stets auf seinen Vorteil bedacht, immer auf der Hut, durchdrungen von Misstrauen, beherrscht von Angst, umgeben von Intrige und Missgunst.

Enthüllungsbuch "Fire and Fury"
DPA

Enthüllungsbuch "Fire and Fury"

Eine Bande von Komplizen, die einem Anführer folgen, den jeder von ihnen ebenso fürchtet wie verachtet und den sie alle in Wahrheit für unfähig halten, sein Amt auszuüben.

"Irgendwie hatte er das Rennen um die Präsidentschaft gewonnen, aber sein Gehirn schien unfähig, den grundlegenden Anforderungen seiner neuen Arbeit gerecht zu werden. Er konnte weder planen noch organisieren, er konnte sich weder auf eine Sache konzentrieren noch sich danach einer anderen zuwenden; er war noch nie fähig gewesen, sein Verhalten den jeweils anliegenden Zielen anzupassen. Ganz grundsätzlich konnte er nicht Ursache und Wirkung miteinander in Verbindung bringen."

Das einprägsamste Bild stammt aus einem Bericht der "New York Times", den Wolff aufgreift. Da wurde Trump schon in den ersten Wochen seiner Präsidentschaft als alter Mann im Bademantel beschrieben, der nachts orientierungslos durchs Weiße Haus streift. Wolff zitiert die Mail eines Regierungsmitglieds, in der Trump und seine Entourage so beschrieben werden: "Ein Idiot umgeben von Clowns."

Im Weißen Haus regieren jetzt also Verbrecher oder Witzfiguren oder beides.

Wie um alle schrecklichen Verdächtigungen zu bestätigen, gab sich der Präsident wieder mal per Twitter selbst den Rest:

"In meinem Leben haben mich stets meine beiden stärksten Eigenschaften ausgezeichnet: meine mentale Stabilität und die Tatsache, dass ich richtig schlau bin. ... Ich habe mich vom SEHR erfolgreichen Geschäftsmann zum Top-TV-Star zum Präsidenten der USA (im ersten Anlauf) entwickelt. Ich denke, das zeigt nicht nur, dass ich clever bin, sondern ein Genie. Und ein mental gefestigtes Genie obendrein."

Nehmt ihm den Führerschein weg

Wenn Donald Trump nur der Opa von nebenan wäre, würde man sagen: Seid nett zu ihm, aber nehmt ihm den Führerschein weg. Dieser Mann aber ist der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Er hat den Finger am sprichwörtlichen Atomknopf.

In den USA melden sich darum jetzt immer mehr Psychiater zu Wort, die Trump verheerende Ferndiagnosen ausstellen: Die kognitiven Fähigkeiten des Präsidenten verschlechterten sich, Trump zeige die Symptome beginnender Demenz. Ein Wort geht um: Alzheimer. Schon Trumps Vater hatte diese Krankheit.

Das Mindeste sei: der Präsident müsse sich einer neuropsychiatrischen Untersuchung stellen. Der mächtigste Mann der Welt zum Idiotentest?

Warum nicht? In dieser Woche besteht dazu Gelegenheit. Am Freitag, den 12. Januar, begibt sich der Präsident ins Walter-Reed-Militärkrankenhaus, um seinen regelmäßigen Gesundheits-Check zu absolvieren. Die behandelnden Ärzte sollten darauf bestehen, nicht nur seinen Puls zu messen - sondern seine geistigen Fähigkeiten. Die Amerikaner sollten ihn loswerden. Und wenn sie das nicht schaffen, dann sollte der Rest der Welt damit anfangen, ihn zu boykottieren. Denn wer ist verrückter: Der Verrückte - oder die anderen, die ihn gewähren lassen?

ANZEIGE
In dieser Woche...
    ...berichtet "der Freitag" unter anderem über folgende Themen:
  • Zahn um Zahn Weg mit den privaten Kassen, her mit der Bürgerversicherung

    Revolte Mit Camus in die Zukunft: Tom Strohschneider zu Andrea Ypsilantis großen Plänen für die SPD
    Israel Alexandra Senfft über die BDS-Bewegung und Netanjahus nationalreligiöse Regierung
    Peace Amy Goodman bringt mit ihrer Sendung "Democracy Now!" zu Gehör, was viele Medien beschweigen

  • Diese Ausgabe digital lesen
  • Testen Sie den Freitag 3 Wochen kostenlos

Aber dazu wird es nicht kommen. Denn egal ob unfähig oder dement - Trump ist der nützliche Idiot der herrschenden Klasse, die in den USA inzwischen jede Hemmung verloren hat. Diese Leute sorgen dafür, dass das Land jetzt umgebaut wird: Alle möglichen Gesetze, mit denen die Natur vor dem Zugriff der Konzerne geschützt werden soll oder die für halbwegs erträgliche soziale Zustände garantieren, werden geschleift:

Donald Trump macht aus den USA einen Feudalstaat der Konzerne und der Milliardäre. Der Präsident ist vielleicht krank. Aber die Leute, die ihn benutzen, sind schlimmer: Sie sind skrupellos.

Trump-Kommentar im Video: "Bannon hat den Verstand verloren"



insgesamt 230 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Tom H. 08.01.2018
1. Aufwachen!
Mit anderen Worten: Trump tut nichts anderes als das, was die Reichen und Mächtigen seit Jahrzehnten in ihrer neoliberalen Agenda tun. Er tut es nur schneller und polternder, sodass es auffällt. Gut so. Vielleicht wachen die Leute auf. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, ihn durch einen vordergründig sanften Politiker wie Merkel zu ersetzen, der dann das gleiche tut, nur weniger polternd.
mrkaputt 08.01.2018
2. Schmierenkomödie
Kein redlicher Mediziner diagnostiziert öffentlich abwesende Patienten. Wäre Trump tatsächlich bei diesen Ärzten vorstellig geworden, stünden sie zudem unter Schweigepflicht. Hier will man offensichtlich unter dem Deckmantel der Medizin Politik betreiben. Da kann man nur sagen: Wehret den Anfängen! Die Psychiatrisierung des politischen Gegners war eine besondere Perfidie der stalinistischen Diktatur. Es ist im Übrigen seit langem bekannt, dass Politiker wesentlich höher auf der NPI-Skala liegen. Solches Wissen ersetzt aber leider nicht die politische Arbeit.
Controler 08.01.2018
3. Herr Augstein,
Sie haben ausnahmsweise absolut recht.
ramuz 08.01.2018
4. Nur an einer Stelle...
... bin ich nicht mit Ihnen, Herr Augstein: die Gesetze werden nicht "geschliffen", also schärfer, glänzender, effektiver gemacht, sondern "geschleift", also platt gemacht, möglichst ohne Spuren vollständig entfernt. D'accord? Sagt jedenfalls auch Ihr Haus .... ;-)) http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-geschleift-geschliffen-a-315190.html
secret77 08.01.2018
5.
Ich halte ehrlich gesagt alle, die Rüstung, Krieg, Hunger, Ungleichheit etc befürworten und vorantreiben für verrückt und gefährlich. Bei Trump ist es halt sehr offensichtlich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.