Fischer in Libyen Handshake mit Gaddafi junior

Es ist nicht üblich für einen deutschen Außenminister, mit einem Gaddafi auf dem Sofa zu sitzen. Joschka Fischer tat es jetzt in Tripolis dennoch. Der Grund: Der Außenminister wollte Libyen für sein Engagement im Geiseldrama auf den Philippinen danken.


Fischer und Gaddafis Sohn
REUTERS

Fischer und Gaddafis Sohn

Tripolis - Fischer legte am späten Dienstagabend auf dem Weg zur Uno-Vollversammlung in New York in Tripolis einen Zwischenstopp ein. Nach seiner Ankunft sagte er, sein Besuch diene dazu, all jenen zu danken, die sich für die Freilassung und die sichere Rückkehr der Geiseln eingesetzt hätten. Er hoffe nun, dass auch die verbliebenen Geiseln auf Jolo bald freikämen.

In Tripolis wurde Fischer vom Sohn des libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi, Seif el Islam Gaddafi, empfangen. Danach zogen sich Fischer und der Sohn Gaddafis für rund eine halbe Stunde in dessen Privathaus zurück. Seif el Islam Gaddafi ist Vorsitzender der Gaddafi-Stiftung, die für die Freilassung der Geiseln dem Vernehmen nach mehrere Millionen Dollar Lösegeld bezahlt haben soll. Zur Lage auf Jolo wollte Fischer keinen Kommentar abgeben. Angesprochen auf die deutsch-libyschen Beziehungen sagte der Minister, diese hätten sich bereits während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 1999 verbessert.

Als letzte deutsche Geisel war der Göttinger Marc Wallert am vergangenen Samstag freigekommen. Wallert traf am Dienstagabend in Göttingen ein, wo er von seinen Eltern Werner und Renate Wallert empfangen wurde. Zuvor hatte die libysche Regierung in Tripolis die Freilassung Wallerts, eines Franzosen und zweier Finnen auf einer offiziellen Feier gewürdigt. Am späten Dienstagabend trafen auch der Franzose Stéphane Loisy in Paris und die beiden finnischen Exgeiseln Risto Vahanen und Seppo Franti in Helsinki ein.

Am Mittwoch wollte sich die Familie Wallert der Presse stellen. Wie Vater Werner mitteilte, sollte in Hamburg eine Spezialausgabe der "Johannes-B.-Kerner-Show" des ZDF aufgezeichnet und am Abend unter dem Titel "Familie Wallert - Ende eines Albtraums" ausgestrahlt werden. Am Nachmittag sollten die Wallerts auf einem offiziellen Empfang der Stadt Göttingen willkommen geheißen werden. Bis zum vergangenen Samstag war Marc Wallert 140 Tage lang von der moslemischen Rebellengruppe Abu Sayyaf auf der philippinischen Insel Jolo festgehalten worden.



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