Flaggenstreit: Sechste Krawallnacht in Belfast

Die gewaltsamen Proteste probritischer Demonstranten in Nordirland wegen des Flaggenstreits reißen nicht ab. In der sechsten Nacht in Folge lieferten sie sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei. Im Lauf des Tages soll die britische Fahne erstmals seit Wochen wieder gehisst werden.

Polizeieinsatz in Belfast: Attacken mit Brandbomben Zur Großansicht
REUTERS

Polizeieinsatz in Belfast: Attacken mit Brandbomben

Belfast - Im nordirischen Flaggenstreit kommt Belfast nicht zur Ruhe: In der sechsten Krawallnacht in Folge griffen probritische Demonstranten am Dienstagabend die Polizei mit Brandbomben und Feuerwerkskörpern an. Auch Flaschen, Steine und Golfbälle sollen geflogen sein. Anders als in der Nacht zuvor mussten die Sicherheitskräfte diesmal aber keine Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen die Randalierer einsetzen.

Auslöser der seit Wochen anhaltenden Proteste war Anfang Dezember die Entscheidung des Stadtrats, die seit einem Jahrhundert über dem Rathaus wehende britische Flagge nur noch zu bestimmten Anlässen an 17 Tagen im Jahr zu hissen. Probritische Loyalisten sehen in dem Beschluss des von proirischen Politikern dominierten Rats den Weg für eine weitere Loslösung der Provinz von London bereitet. Bei den Krawallen wurden bislang 106 Menschen festgenommen.

Die Wirtschaft warnte bereits vor schweren Folgen für Unternehmen und den Tourismus. Es wird befürchtet, dass der vor 30 Jahren beendete Konflikt zwischen militanten probritischen und proirischen Nationalisten wieder aufflammen könnte.

Für Mittwoch wurden erneut Ausschreitungen befürchtet: Erstmals seit Beginn der Unruhen soll dann die britische Flagge zu Ehren des Geburtstags von Prinz Williams Ehefrau Kate wieder über dem Rathaus wehen.

In drei Jahrzehnten gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen London-treuen Protestanten und den nach einem vereinten Irland strebenden Katholiken wurden rund 3500 Menschen getötet. Mit dem Friedensabkommen vom Karfreitag des Jahres 1998, das die Machtteilung zwischen Protestanten und Katholiken vorsieht, wurde der Nordirland-Konflikt weitgehend beendet.

ler/Reuters/AFP

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Radikale Idioten
fleischwurstfachvorleger 09.01.2013
Zitat von sysopREUTERSDie gewaltsamen Proteste pro-britischer Demonstranten in Nordirland wegen des Flaggenstreits reißen nicht ab. In der sechsten Nacht in Folge lieferten sie sich gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei. Im Lauf des Tages soll die britische Fahne erstmals seit Wochen wieder gehisst werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/flaggenstreit-in-belfast-erneut-krawalle-in-nordirland-a-876482.html
Und das mitten im ach so zivilisierten Europa. Der Mensch ist des Menschen größter Feind. Leid und Elend im Namen von Stammeskriegern und Hohepriestern. - Was für eine traurige Welt
2. Nr. 1 im Forum
didiastranger 09.01.2013
ich glaube, der Kommentar trifft nicht ganz die Realitaat. Man sieht hier wieder einmal das die Briten keine Probleme loesen koennen sondern nur welche kreieren. Es zeigt das haessliche Gesicht von GB. Die haben noch immer nicht verstanden, dass ihre Kolonialzeit vorbei ist. Die Unterdruecker (SETTLER) gehen heute auf die Strassen, Die Falklands sind das gleiche Problem. Was wir sehen auch in der EU , GB kann man nicht trauen. Uneinsichtig, Rueckwaerts gewandt. Jeremy Paxman hat es so schon beschrieben. "Britain is an old cupboard with old mothballs in it"
3. Verehrte Redaktion
didiastranger 09.01.2013
Warum sie die Irische Flagge neben diesem Artikel zeigen ist etwas verfehlt. Hier geht es um NORDIRLAND nicht um die Republic of Ireland. Die Besetzter, Settler oder Unterdruecker sind die Protestanten. Der Counsil von Belfast hat entschieden, dass der Union Jack nicht mehr taeglich gehisst wird.. Schoen auseinaderhalten. Republic of Ireland und Northern Ireland.
4. Uk
family_guy 09.01.2013
Ich kann meinem Vorkommentator nur zustimmen. Die politische Landkarte ist den Redakteuren offensichtlich nicht ganz klar. Im Spiegel und auf SPON wird ständig von Großbritannien gesprochen, wenn eigentlich das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland (zusammen: Nordirland gemeint ist). Auch auf Grafiken wird Nordirland gerne als zu Großbritannien zugehörig markiert. Die Flagge, um die es in Belfast geht, ist übrigens der Union Jack. Und sie heißt so, weil sie eben u. a. auch das St. Patrick's Cross der Irischen Flagge enthält.
5.
sidgoing 09.01.2013
Zitat von didiastrangerich glaube, der Kommentar trifft nicht ganz die Realitaat. Man sieht hier wieder einmal das die Briten keine Probleme loesen koennen sondern nur welche kreieren. Es zeigt das haessliche Gesicht von GB. Die haben noch immer nicht verstanden, dass ihre Kolonialzeit vorbei ist. Die Unterdruecker (SETTLER) gehen heute auf die Strassen, Die Falklands sind das gleiche Problem. Was wir sehen auch in der EU , GB kann man nicht trauen. Uneinsichtig, Rueckwaerts gewandt. Jeremy Paxman hat es so schon beschrieben. "Britain is an old cupboard with old mothballs in it"
Ihr Kommentar zeigt einmal mehr das größte Problem der irischen Republikaner, wenn es um eine irische Vereinigung geht: Sie sprechen nur von der britischen Regierung, Besetzern und Kolonialzeit, vergessen dabei aber die Unionisten in Nordirland, die bei Republikanern immer nur als fünnftes Rad am Wagen angesehen werden, obwohl sie dort schon seit über 400 Jahren leben. Selbst wenn die britische Regierung sich aus Nordirland zurückziehen und eine Vereinigung zustandekommen würde, blieben da noch immer knapp 1 Mio. Unionisten, welche sich als britische Bürger definieren. Die Republikaner meinen aber, dass, wenn London sich erstmal zurückgezogen hätte, die Unionisten die neugeschaffene Realität irgendwie schon akzeptieren würden, notfalls müsse die britische Regierung die Unionisten eben (wie auch immer) von ihrem neuen Glück "überzeugen"...ein wahres Wolkenkuckucksheim, wie die aktuellen Ereignisse zeigen. Das Problem ist nicht London und dessen angebliches imperialistisches Festhalten an Nordirland (ganz im Gegenteil: London würde das Problem Nordirland gerne los werden - mit Kusshand), sondern die mangelnde Überzeugungskraft der Republikaner, wenn es um den Schutz der Unionisten in einem eventuell vereinigten Irland geht.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Nordirland-Konflikt
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 7 Kommentare
Fotostrecke
Bloody Sunday: Der Tag, der Nordirland veränderte


Fläche: 70.182 km²

Bevölkerung: 4,593 Mio.

Hauptstadt: Dublin

Staatsoberhaupt:
Michael D. Higgins

Regierungschef: Enda Kenny

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Lexikon | Irland-Reiseseite