S.P.O.N. - Der Schwarze Kanal Kontensperrung für Schröder

Neue Sanktionen gegen Russland stehen an. Doch auf der Liste der Bösewichte fehlt ein Mann: Altkanzler und Putin-Buddy Gerhard Schröder. Dabei hätte er sich seinen Platz redlich verdient.

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Altkanzler Schröder mit russischem Präsident Putin (Archivbild): Auch der Weg gegen die Macht führt übers Geld
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Altkanzler Schröder mit russischem Präsident Putin (Archivbild): Auch der Weg gegen die Macht führt übers Geld


15 Namen stehen auf der Sanktionsliste, die heute die EU-Botschafter in Brüssel verabschiedet haben. Die 15 kommen jetzt zu den 72, gegen die bereits "restriktive Maßnahmen" verhängt wurden, wie es in den entsprechenden Verordnungen heißt. Ich habe mir die Listen genau angesehen: Neben Leuten aus dem Sicherheitsapparat und der Wirtschaft finden sich dort auch Freunde und Berater des russischen Präsidenten. Einen Namen habe ich allerdings vermisst: den von Gerhard Schröder. Wenn es einen Crony gibt, der diese Bezeichnung verdient, dann doch wohl der Mann aus Hannover.

Niemand hat sich in den vergangenen Jahren im Westen mehr für Putin ins Zeug gelegt als der siebte Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Auf Schröder war immer Verlass. Dass der Herr im Kreml im Herzen ein wahrer Demokrat sei, also ein Politiker wie jeder andere auch, ist die genialste Erfindung des mit allen Medienwassern gewaschenen Sozialdemokraten. Von seinem Werbeclaim hat Schröder nicht einmal Abstand genommen, als sich der russische Demokrat die Krim einverleibte. Wäre ich Schröder, dann wäre ich beleidigt, nicht auf der Liste zu stehen.

Der Naivität zum Opfer gefallen

Es gibt keine Schuld wegen schlechten Umgangs, Schuld muss immer individuell zugerechnet werden. Aber Sanktionen sind kein strafrechtliches Mittel. Es geht nicht darum, ein in einem ordentlichen Verfahren festgestelltes Fehlverhalten zu ahnden, sondern um eine Geste der Ächtung. Wer seinen Teil dazu beiträgt, ein Gewaltregime am Leben zu halten oder von der Nähe zu diesem Regime profitiert, soll zu spüren bekommen, dass solche Nähe nicht nur Vorteile hat. Im Gegensatz zu rechtsstaatlich legitimierten Strafen enthalten Wirtschaftssanktionen durchaus ein Element der Sippenhaft, sie sollen es sogar.

In München diskutieren sie jetzt, ob der künftige Chef der Münchner Philharmoniker noch der richtige ist. Der Dirigent Walerij Gergijew, der dort im nächsten Jahr sein Amt antreten soll, gilt als Bewunderer Putins - das reicht, um seine Berufung infrage zu stellen. Gergijew leitet das Mariinskij-Theater in Petersburg, nicht Gazprom Chart zeigen oder Nord Stream. Er bringt dem russischen Staat auch kein Geld ein, das dieser in Waffen oder Soldaten umsetzen könnte, sondern vernichtet Geld. Trotzdem wird die Debatte über seine Nominierung mit großer Verve geführt. Wenn man Gergijew zum Maßstab nimmt, müsste Schröder schon dreimal auf den entsprechenden Listen stehen.

Ich muss zugeben, ich habe Schröder immer gemocht. Seine unangestrengte Wurschtigkeit, die stets auch etwas Großzügiges hatte, fand ich sehr sympathisch. Man kann Schröder viel vorwerfen, aber dass er zuerst an die Partei gedacht habe, wie so viele linke Ideologen, und erst dann an sich, gehört nicht dazu. Auch der Neid auf den Reichtum anderer Leute war ihm fremd, lieber hatte er selber mehr Geld. So gesehen hat er mit der Wahl seiner Geschäftspartner wirklich Pech gehabt: Als er bei Nord Stream unterschrieb, galten die Russen noch als raue, aber im Grunde harmlose Gesellen. Wer hätte gedacht, dass der Mann, den Schröder als seinen Freund bezeichnet, einmal als mitverantwortlich gelten würde für den Abschuss eines Passagierflugzeugs?

Eine Kontensperrung wäre schon mal ein Schritt

Das Problem an Schröders politischem Nachleben war immer die Vorstellung, ein Kanzler könne auf das Leben eines Staatsmanns nahtlos das eines privaten Unternehmers folgen lassen. Wie Schröder es sieht, hat er dem Land lange genug gedient, jetzt darf er an sich und sein Konto denken. Dass ein deutscher Regierungschef nur wenige Wochen nach dem Abschied aus dem Amt nicht bei einem Unternehmen anheuern kann, das zur Hälfte einem ausländischen Staatskonzern gehört, womit er faktisch in den Dienst einer fremden Macht tritt, hat er nie eingesehen - und wenn, war es ihm egal.

Wenn man Schröder in den vergangenen Jahren zu Putin befragte, erhielt man immer die gleiche Antwort: Das Image, das über den Präsidenten in Umlauf sei, entspreche nicht der Wahrheit. In Wahrheit sei Putin ein entspannter Gesprächspartner mit einem beachtlichen Humor, auf dessen Wort man sich blind verlassen könne. Man kann es tragisch finden, dass ausgerechnet ein Realist wie Schröder, der Menschen immer nahm, wie sie sind - nicht wie sie sein sollten -, in der wichtigsten Wirtschaftsbeziehung seines Lebens der Naivität zum Opfer fiel. Man kann darin aber auch eine gewisse Logik sehen.

Was die Sanktionen angeht, ist es zugegeben nicht ganz leicht zu erkennen, wie man gegen den Altkanzler die angedrohten Restriktionen durchsetzen kann. Die Reiseerlaubnis wird man ihm nicht entziehen können. Aber die Sperrung der Konten wäre schon einmal ein Schritt. Der Weg zur Macht führt über das Geld, der gegen sie auch. Wer wüsste das nicht besser als ein Sozialdemokrat?

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 246 Beiträge
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foxstar 29.07.2014
1. Sie haben Recht, Herr Fleischhauer...
Bin gespannt ob es jemand schafft, Sie ernsthaft und sachlich auf den Punkt zu wiederlegen. Jenseits von ablenkenden und taeuschenden Scheinargumenten meine ich. Professionelle Neugierde sozusagen.
frimpton 29.07.2014
2. Tolle Satire
Kontensperrung für Schröder als Sanktion gegen Putin! Achtung Obama: Gefahr der Verhaftung wegen Spionage bei nächstem Deutschlandbesuch.
goodspirit 29.07.2014
3. Zu all.....
diesen Sanktionen fällt mir nur ein Wort ein "Sippenhaft".
analyse 29.07.2014
4. Was soll das ,Herr Fleischhauer,die Lage ist viel zu ernst
für flapsige Kommentare.
unixv 29.07.2014
5. Da wird die Hannover - Connection schon aufpassen!
das Schröder nicht als der, der er ist, behandelt wird!
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