"Flightilla"-Aktion Deutscher in Israel festgenommen

Im Zusammenhang mit den pro-palästinensischen Protesten hat Israel einem deutschen Staatsbürger die Einreise verweigert. Offenbar wurde er am Flughafen Ben Gurion festgenommen. Hunderte Aktivisten hatten ihre Ankunft angekündigt - viele wurden direkt wieder abgeschoben.

Polizist und Aktivisten in Tel Aviv: Vorgehen gegen "pro-palästinensische Radikale"
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Polizist und Aktivisten in Tel Aviv: Vorgehen gegen "pro-palästinensische Radikale"


Tel Aviv - Israel hat am Freitag mehr als 200 pro-palästinensische Aktivisten an der Einreise gehindert - darunter offenbar auch einen deutschen Staatsbürger. Israelische Sicherheitskräfte hätten auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion mindestens einem Deutschen die Einreise verweigert, teilte der Sprecher der israelischen Polizei, Mickey Rosenfeld, mit.

Im Laufe des Freitags wurden demnach rund 60 Personen festgenommen und teilweise bereits wieder in ihre Heimatländer zurückgeschickt.

Das israelische Innenministerium hat die Teilnehmer an der Initiative als "pro-palästinensische Radikale" eingestuft, die provozieren und das öffentliche Leben stören wollten. Die Behörde setzte 342 Männer und Frauen deshalb auf eine Schwarze Liste und erteilte ein Einreiseverbot. Hunderte zusätzliche Sicherheitskräfte sind seit Donnerstag im Einsatz.

Das Innenministerium forderte mehrere Fluggesellschaften wie die Lufthansa, Alitalia, Austrian Airlines, Air France und easyJet auf, diese Personen nicht zu befördern. Anderenfalls müssten sie die Kosten für deren Rücktransport selbst tragen und längere Abfertigungszeiten in Kauf nehmen. Auf den Flughäfen in Paris wurden rund 200, in Genf rund 30 Fluggäste nicht abgefertigt, worauf es zu Protesten kam.

Die Betroffenen wollten nach Angaben der Initiative "Willkommen in Palästina" ins Westjordanland reisen, um sich ein eigenes Bild vom Leben der Palästinenser unter israelischer Besatzung zu machen. Allerdings haben die Organisatoren auch Proteste gegen die israelische Sperranlage zum Westjordanland sowie Siedlungen geplant. Nur eine kleine Gruppe der Besucher hatte bis zum Freitagnachmittag die Einreise nach Israel und den Weg nach Bethlehem geschafft.

Kritik an Fluggesellschaften

Die Lufthansa konnte den deutschen Fall bislang weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher sagte: "Wir können bestätigen, dass auf der Liste der israelischen Behörden auch Lufthansa-Passagiere stehen. Im Einzelnen äußern wir uns nicht zu Passagierdaten." Zugleich kündigte die Lufthansa an, sich an die Vorgaben Israels zu halten. "Es besteht eine Verpflichtung, den Einreisegesetzen und behördlichen Anordnungen der Zielstaaten Folge zu leisten", sagte der Sprecher in Frankfurt.

Das Verhalten der Fluggesellschaften stieß auf Kritik. "Israel hat seine Grenzkontrolle nach Europa verlegt und die Fluggesellschaften kooperieren dabei", kritisierte Sophia Deeg vom "Deutschen Koordinationskreis Palästina Israel". Außerdem richteten sich diese willkürlichen Kontrollen gegen unbescholtene europäische Bürger.

Auch die Organisatoren der Initiative "Willkommen in Palästina" reagierten in Bethlehem empört. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass sich europäische Länder den undemokratischen Maßnahmen Israels anschließen", sagte Sami Awad von dem Bündnis.

Proteste am Check-In-Schalter

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies den Vorwurf zurück, geradezu hysterisch auf die Ankunft von unbewaffneten Männer und Frauen zu reagieren. Jedes Land habe das Recht, Provokateuren die Einreise zu verbieten, sagte Netanjahu der Tageszeitung "Jediot Achronot". Israel wolle Provokationen und öffentliche Aufruhr verhindern.

Aus Verärgerung über das Reiseverbot hatten Aktivisten am Freitagmorgen Schalter am Pariser Flughafen Charles de Gaulle belagert. Der Check-In mehrerer Airlines wurde behindert. In Genf versuchten einige der Aktivisten, die Sicherheitskontrollen zu überwinden. Die Flughafenverwaltung schloss deshalb am frühen Morgen die Kontrollen für 45 Minutes. Dies führte zu Verzögerungen im Flugbetrieb.

amz/dpa/AFP/Reuters/dapd



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