"Flightilla"-Aktion Weitere Deutsche gehen Israels Behörden ins Netz

Etlichen propalästinensischen Aktivisten ist es gelungen, auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion zu landen - trotz schwarzer Listen und Ermahnungen der Fluggesellschaften. Einige von ihnen, die von Deutschland aus angereist waren, wurden von der israelischen Polizei verhaftet.

Verhafteter Aktivist: Sicherheitskräfte gehen konsequent gegen Protestler vor
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Verhafteter Aktivist: Sicherheitskräfte gehen konsequent gegen Protestler vor


Tel Aviv/Betlehem - Am Ende erwies sich das Kontrollsystem, das die israelischen Sicherheitskräfte geknüpft hatten, als zu dicht. Mindestens 15 propalästinensische Aktivisten aus Deutschland gingen den Behörden ins Netz. Die Männer und Frauen seien festgenommen worden und säßen jetzt in Abschiebehaft, sagte ein Mitglied der Gruppe, das der Fahndung entging, am Samstag.

Nach Angaben des Auswärtigen Amts (AA) werden die 15 Deutschen von der Botschaft in Tel Aviv konsularisch betreut. Das AA hatte in seinen Reisehinweisen wegen der angekündigten Anreise Hunderter Palästina-Unterstützer auf mögliche Einreiseverbote hingewiesen. Israel habe die Regierung informiert, "dass jedes illegale Verhalten in diesem Zusammenhang konsequent geahndet werden wird".

Nach Angaben der Aktivisten haben mindestens zwei Deutsche trotz aller Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen Ben Gurion die Einreise nach Israel geschafft. Sie hätten sich als Touristen ausgegeben, um später über die Ereignisse informieren zu können, sagte das Mitglied der Gruppe, das aus Angst vor einer Festnahme anonym bleiben wollte.

Auch 50 bis 100 weiteren Aktivisten aus Europa und den USA sei die Einreise geglückt, sagte der Sprecher der Initiative "Willkommen in Palästina", Fadi Kattan, am Samstag in Betlehem. Die Aktion sollte an den 9. Juli 2004 erinnern, als der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag die im Westjordanland errichtete Sperranlage für illegal erklärt hatte.

Initiative mehrerer nichtstaatlicher Organisationen

Die Aktion wurde unabhängig von der internationalen Gaza-Hilfsflotte organisiert, die zurzeit in einigen griechischen Häfen vor Anker liegt. Griechenland hatte in den vergangenen Tagen verhindert, dass die propalästinensischen Aktivisten mit der Flottille Richtung Gaza-Streifen aufbrechen konnten.

Die Initiative mehrerer nichtstaatlicher Organisationen hat ausländische Besucher ins Westjordanland eingeladen, damit sie sich ein eigenes Bild vom Leben der Palästinenser unter israelischer Besatzung machen können. Allerdings haben die Organisatoren auch Proteste gegen die israelische Sperranlage zum Westjordanland sowie Siedlungen geplant. Israel betrachtet die Besucher als "propalästinensische Radikale", die Ruhe und Ordnung stören wollen.

Mit einer schwarzen Liste sowie einem Großaufgebot an Sicherheitskräften war es Israel gelungen, mehr als 300 Aktivisten an der Einreise zu hindern. Insgesamt 85 Männer und Frauen würden derzeit im Gefängnis von Ramla festgehalten und auf ihre Abschiebung warten, berichteten die israelischen Medien am Samstag unter Berufung auf Polizeiangaben. Vier unerwünschte Personen seien bereits in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt worden.

Aktivisten aus aller Herren Länder

Die meisten der festgesetzten Aktivisten waren demnach Franzosen, weitere kamen aus den USA, Belgien, Bulgarien, Spanien und den Niederlanden. Sie wurden den Angaben zufolge in verschiedene israelische Gefängnisse gebracht, weil die Haftanstalt am Flughafen Ben Gurion bereits überfüllt war. Nach Angaben der Behördensprecherin sollen sie zurückgeschickt werden, sobald es Flugzeuge mit freien Plätzen gibt.

Darüber hinaus hatten rund 230 Frauen und Männer ihren Flug überhaupt nicht antreten dürfen. Das israelische Innenministerium hatte zuvor europäischen Fluggesellschaften wie der Lufthansa eine schwarze Liste mit den Namen von 342 Personen überreicht, denen die Einreise in Israel verweigert werde.

Die Gegenoffensive der Sicherheitskräfte hatte selbst in Israel heftige Kritik hervorgerufen. Von einer hysterischen Reaktion auf die Ankunft von unbewaffneten Männern und Frauen war die Rede. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Vorwürfe zurück: Jedes Land habe das Recht, Provokateuren die Einreise zu verbieten, sagte er der Tageszeitung "Jediot Achronot". Israel wolle Provokationen und öffentliche Aufruhr verhindern.

mik/dpa/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
vantast64 09.07.2011
1. Das wäre alles nicht nötig,
wenn Israel sich an Menschen- und Völkerrecht halten würde. Da der Westen gegenüber Israel aber immer schweigt, müssen solche öffentlich möglichst wirksame Aktionen leider sein.
iii.tempel 09.07.2011
2. Wer denkt..
..denn daran, ob es vielleicht einen Zusammenhang gibt zwischen dem Sicherheitszaun und dem fast vollständigen Ende der Anschläge in Israel. Also protestieren diese Menschen für die Unsicherheit und das weitere töten. Nein bestimmt nicht, sie protestieren für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser, nee auch nicht, weil sie protestieren ja nicht gegen die Hamas. Also was wollen die, kann mir einer helfen?
PeteLustig, 09.07.2011
3. .
Zitat von sysopTrotz schwarzer Listen und Ermahnungen der Fluggesellschaften - etlichen pro-palästinensische Aktivisten ist es gelungen, auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion zu landen. Einige von ihnen, die von Deutschland aus angereist waren, wurden jetzt von der israelischen Polizei verhaftet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,773427,00.html
Und Deutschland bekommt es nicht einmal auf die Reihe, vorbestraften und polizeibekannten Kriminellen aus dem EU-Ausland die Wiedereinreise zu untersagen...
Kador 09.07.2011
4. Die Palästinenser
Zitat von vantast64wenn Israel sich an Menschen- und Völkerrecht halten würde. Da der Westen gegenüber Israel aber immer schweigt, müssen solche öffentlich möglichst wirksame Aktionen leider sein.
halten sich auch nicht Menschen- und Völkerrecht. Wem also soll man helfen. Israel hat das Land der Palästinenser teilweise gewaltsam genommen (manchmal unter dem Deckmantel des Kaufs). Wäre es aber rechtmäßig, den israelischen Siedlern das Land wieder wegzunehmen? Man kann ein Unrecht durch ein neues Unrecht nicht wieder gut machen (siehe deutsche Ostgebiete). Genau ein solches Unrecht streben Hamas und Co an, indem sie dem Staat Israel die Existenzberechtigung absprechen.
MonaM 09.07.2011
5. Wenn man die Realität durch die Ideologie-Brille sieht...
Zitat von iii.tempel..denn daran, ob es vielleicht einen Zusammenhang gibt zwischen dem Sicherheitszaun und dem fast vollständigen Ende der Anschläge in Israel. Also protestieren diese Menschen für die Unsicherheit und das weitere töten. Nein bestimmt nicht, sie protestieren für das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser, nee auch nicht, weil sie protestieren ja nicht gegen die Hamas. Also was wollen die, kann mir einer helfen?
Ihre Überlegungen sind sehr berechtigt. Leider verfügen viele derjenigen, die jetzt mal wieder über Israel herfallen, offensichtlich über sehr wenig Sachkenntnis. Bei einigen scheint es zudem eine ideologisch begründete Barriere zu geben, Sachinformationen überhaupt wahrzunehmen, selbst wenn sie offen zutage liegen, wie z.B. die Ursache und Wirkung der "bösen, bösen Mauer"...
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