Nach Flitzen bei WM-Finale 15 Tage Haft für Pussy Riot-Mitglieder

Beim WM-Finale flitzten vier Aktivisten über den Rasen. Damit wollten sie ein Zeichen gegen das Festhalten politischer Gefangener in Russland setzen. Nun wurden die Mitglieder in Moskau verurteilt.

Veronika Nikulschina, verurteiltes Mitglied von Pussy Riot
REUTERS

Veronika Nikulschina, verurteiltes Mitglied von Pussy Riot


Russlands Justiz antwortet auf den politischen Protest der russischen Punk-Band Pussy Riot: Vier Mitglieder der Gruppe waren beim WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien als Flitzer über den Rasen gestürmt. Alle vier Festgenommenen, Veronika Nikulschina, Olga Kuratschewa, Pjotr Wersilow und Olga Pachtusowa, wurden nun von einem Moskauer Gericht zu 15 Tagen Haft verurteilt. Zudem dürfen sie drei Jahre lang keine Sportveranstaltungen mehr besuchen.

Das Gericht warf den Mitgliedern vor, "die Regeln für das Verhalten von Zuschauern grob verletzt" zu haben, heißt es in einem Bericht des russischen Nachrichtenportals "Mediazona". Daher seien sie zu der Höchststrafe für dieses Vergehen verurteilt worden.

Die vier Aktivisten rannten in der 53. Minute in falschen Polizeiuniformen über den Rasen. Nach kurzer Unterbrechung wurden sie von Sicherheitsleuten wieder vom Feld geführt.

Der Grund für ihre Aktion: Pussy Riot prangerte nach eigenen Angaben den Weltfußballverband Fifa an, dem sie eine freundschaftliche Nähe zu fragwürdigen Staatschefs vorwerfen, die ihre Bevölkerung unterdrückten und die Menschenrechte verletzten. Außerdem forderten sie die Freilassung politischer Gefangener, ein Ende von Festnahmen bei Demonstrationen und mehr politischen Wettbewerb. Am Montag hatte sich die Gruppe in einer wohl zuvor aufgezeichneten Videobotschaft zu der Aktion bekannt.

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In der Vergangenheit hat die kremlkritische Punk-Gruppe immer wieder Aktionen an öffentlichen Orten inszeniert. Bekannt wurden sie 2012 mit einem "Punk-Gebet", welches sie in Moskaus wichtigster Kirche, der Christ-Erlöser-Kathedrale, aufführten. Drei Mitglieder der Gruppe wurden später wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" zu Lagerhaft verurteilt und später begnadigt.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass nur drei der Festgenommenen verurteilt worden seien und der Fall der vierten Beteiligten später verhandelt werden solle. Es wurden allerdings bereits alle vier Mitglieder verurteilt. Wir haben den Fehler korrigiert.

eaz/dpa/Reuters



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