Romney in Florida: Pannen-Show im Saftpalast

Von Veit Medick, Miami

Ausgerechnet in einem Saftladen in Miami müht sich Republikaner Mitt Romney um die wichtigen Stimmen der Latinos. Doch der neue Vize Paul Ryan droht die womöglich entscheidende Wählergruppe zu verschrecken.

Wahlkampf in Miami: Romney wirbt um Latino-Stimmen
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AP

Nein, ein großer Entertainer wird er nicht mehr werden. Mitt Romney steht hinter dem Tresen eines Saft-Shops in Miami. Über ihm brennt die Sonne Floridas, neben ihm stehen ein paar tropische Pflanzen, vor ihm lechzen die Leute nach einer Abkühlung. Eigentlich keine schlechte Gelegenheit für einen lockeren Spruch. Aber Romney missglückt gleich der erste Scherz.

"Saft ist alle!", ruft der Präsidentschaftskandidat seinen Fans entgegen und lacht. Die finden das leider gar nicht lustig. Sie sehen die unzähligen bis an den Rand gefüllten Becher, die in der Kühlbox hinter dem Republikaner darauf warten, verteilt zu werden. "Sehr komisch", sagt einer seiner schwitzenden Anhänger und flüchtet Richtung Ausgang.

Vielleicht ist gerade einfach alles ein bisschen viel. Romney durchquert dieser Tage mal wieder das Land. Er ist jetzt auf Bustour. Virginia, North Carolina, Florida - alles in drei Tagen. Einen Stopp in Orlando hat er kurzfristig abgesagt. Aus Erschöpfung, wie es heißt.

Stattdessen also Miami. Es ist eine hübsche Kulisse, die sein Team ihm da rausgesucht hat. "El Palacio de los Jugos", der "Saftpalast", ist ein lokaler Hotspot, Palmen säumen das Geschäft, Früchte hängen wie Girlanden von der Decke. Der Besitzer ist mal wegen Kokainschmuggels für ein paar Jahre ins Gefängnis gewandert, aber das stört hier niemanden. Dass es bei den Vorwürfen um einen Fund von knapp 1300 Kilo Rauschgift ging, offenbar auch nicht. Auf den Dächern lauert der Secret Service, am Himmel kreisen die Hubschrauber, auf dem kleinen Parkplatz drängen sich einige hundert Romney-Fans. Die meisten sind Latinos. Sie tragen T-Shirts mit dem Schriftzug "Rettet die Welt vor Obama" und Mützen, auf denen "Obamination macht mir Todesangst" zu lesen ist. Gut gegen Böse. Wir gegen die. Das geht immer.

"USA, USA, USA"

Dass Romney nach Florida gekommen ist, ist genau durchdacht. Der Sunshine State mit seinen 29 Wahlmännern ist einer jener Staaten, auf die es ankommt bei der Wahl am 6. November. Florida wählt mal links, mal rechts. Man muss sich hier schon blicken lassen, wenn man Präsident werden will, und zwar nicht zu selten.

Und noch etwas hat Romney im Sinn: Er will sich solidarisch zeigen mit den Latinos, und wo ginge das besser als in Miami. Mehr als die Hälfte der Einwohner hat hier einen lateinamerikanischen Hintergrund, viele von ihnen sind aus Kuba geflohen. Little Havanna, der Stadtteil der Exil-Kubaner, ist nur ein paar Minuten vom "Saftpalast" entfernt.

Der Kampf um die Latinos ist zu einem wichtigen Bestandteil dieses Wahlkampfs geworden. Keine Wählergruppe in den USA wächst so schnell wie sie. Im Schnitt erreichen täglich 1600 lateinamerikanische Einwanderer das gesetzliche Wahlalter von 18 Jahren. Fast 22 Millionen US-Latinos sind inzwischen wahlberechtigt, viele von ihnen leben in "Swing-States" wie New Mexico, Nevada oder eben Florida. Romney weiß: Ohne Rückhalt bei den Latinos wird es im November für ihn vielleicht nicht reichen. Er muss etwas tun.

Es ist nicht wirklich schwer, die Einwanderer in Südflorida in Stimmung zu bringen. Meist reicht es, aus den Worten "Fidel Castro", "Hugo Chavez", "Diktator" und "Embargo" einen vollständigen Satz zu basteln. Auf die Bösewichte im Süden sind sie hier noch schlechter zu sprechen als auf Obama.

Aber Romney drückt sich. Es ist ein sehr artiger Auftritt, den er hinlegt, und trotzdem wird er gefeiert. Keine Stichelei gegen Obama, kein Castro-Bashing, stattdessen Optimismus pur. Er steht auf einer kleinen Bühne und hält eine dieser "Ich-werde-unser-Land-wieder-auf Vordermann-bringen"-Standardreden. Wirtschaft ankurbeln, Steuern runter, Schulen verbessern, kleine Betriebe fördern. Nichts Revolutionäres, aber die Leute hören es gerne. Romney gibt ihnen das Gefühl, dass alles möglich ist. "Ich werde den amerikanischen Traum wiederbeleben", ruft er. Sein Sohn Craig sagt ein paar Worte auf Spanisch. Das finden alle gut. "USA, USA, USA", rufen sie im "Saftpalast".

Doch die gute Laune trügt. Miami ist nicht repräsentativ, wenn es um Stimmung in der Latino-Gemeinde geht. Hier sind republikanische Spitzenpolitiker aufgrund ihrer harten Haltung gegenüber Fidel Castro immer schon willkommen gewesen. Aber viele andere Hochburgen haben die Republikaner nicht vorzuweisen.

Welchen Effekt hat Paul Ryan?

Seit 1972 haben Latinos bei jeder Präsidentschaftswahl mehrheitlich den demokratischen Bewerber unterstützt. 2008 stimmten 67 Prozent der Hispanics für Barack Obama. Manche in Washington glauben, dass Romney schon froh sein könnte, wenn Obama in dieser wichtigen Wählergruppe nicht noch besser abschneiden würde.

Viele Einwanderer jenseits von Miami fremdeln mit Romney. Sie vermissen bei ihm Leidenschaft in Einwanderungsfragen. Sie kreiden ihm an, dass er gegen den sogenannten Dream Act gestimmt hat, der jenen Illegalen ein Bleiberecht in Aussicht stellen soll, die als Kinder in die USA gebracht wurden. Und dass er jetzt auch noch Paul Ryan zu seinem Vizepräsidentschaftskandidaten ernannt hat, hilft auch nicht wirklich.

Ryan ist unter Hispanics wenig bekannt, und er dürfte es schwer haben, sie in den kommenden Monaten von sich zu überzeugen. In Einwanderungsfragen gilt er als Hardliner. Seine Pläne, das staatliche Gesundheitsprogramm Medicare zu privatisieren, würden viele ältere und arme Menschen treffen. Und davon gibt es viele unter den Einwanderern. Nicht nur in Florida.

Selbst die treuesten Latino-Republikaner in Florida stehen nicht uneingeschränkt zu Ryan. Sie sind enttäuscht, dass Romney nicht Marco Rubio zu seinem "running mate" gemacht hat, jenen aufstrebenden Sohn kubanischer Einwanderer. Der 41-jährige Senator aus Florida gilt vielen Hispanics längst als politisches Vorbild. Wie populär er ist, merkt man auch hier in Miami.

Als Rubio neben Romney auf die Bühne tritt, ist der Jubel lauter als beim Präsidentschaftskandidaten selbst.

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insgesamt 15 Beiträge
Herr Connor 14.08.2012
Wo war denn jetzt die Pannenschau? Doch nicht etwa der Scherz mit dem "Saft ist alle" oder das der Besitzer des Ladens für seinen Kokainschmuggel eine Haftstrafe verbüßte?
Zitat von sysopPannen-Show im Saftpalast
Wo war denn jetzt die Pannenschau? Doch nicht etwa der Scherz mit dem "Saft ist alle" oder das der Besitzer des Ladens für seinen Kokainschmuggel eine Haftstrafe verbüßte?
jonas-zonas 14.08.2012
Ausgerechnet ein Typ wie Mitt Romney, der sein Vermögen damit gemacht hat Firmen über die Klinge springen zu lassen und Arbeitsplätze zu vernichten soll es jetzt richten und wirft Obama die Arbeitslosenquote von 8% vor? Mit [...]
Zitat von sysopAusgerechnet in einem Saftladen in Miami müht sich Republikaner Mitt Romney um die wichtigen Stimmen der Latinos. Doch der neue Vize Paul Ryan droht die womöglich entscheidende Wählergruppe zu verschrecken. Florida: Mitt Romney wirbt in Miami um Stimmen der Latinos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,849878,00.html)
Ausgerechnet ein Typ wie Mitt Romney, der sein Vermögen damit gemacht hat Firmen über die Klinge springen zu lassen und Arbeitsplätze zu vernichten soll es jetzt richten und wirft Obama die Arbeitslosenquote von 8% vor? Mit Verlaub: Das ist absolut lächerlich. Das Unternehmen wurde 1984 von Mitt Romney mitgegründet... Bain Capital wird die Ausbeutung und anschließender Bankrott verschiedener Unternehmen vorgeworfen: GS Technologies, eine Stahlhütte in Kansas City war seit 1888 in Betrieb. 1993 wurde sie von Bain mehrheitlich übernommen, kaum zehn Jahre später war das Unternehmen bankrott. *750 Menschen verloren einem Bericht des US-Fernsehsenders MSNBC zufolge damals ihre Jobs.* Bain habe dagegen von dem Geschäft profitiert: Zwölf Millionen Dollar habe die Firma erlöst, zuvor allerdings nur acht Millionen Dollar investiert. Zusätzlich strich Bain offenbar mindestens 4,5 Million Dollar an Beratergebühren ein. 1992 kaufte Bain Capital American Pad & Paper. 1999 wurden zwei Fabriken des Unternehmens geschlossen, *385 Arbeitsplätze gestrichen *und das Unternehmen war mit 392 Mio. US$ verschuldet. 2000 erklärte das Unternehmen Insolvenz. [4] Die Boston Globe berichtete, dass Bain US$100 Mio. an Ampad verdiente, bei einer Investition von US$5 Mio., darunter mehrere Zehnmillionen in Managementgebühren. Bain Capital und Goldman Sachs kauften 1994 Dade International für ca. US$ 450 Mio. *Ca. 900 Stellen wurden gestrichen* oder ausgelagert. Im Verlauf der nächsten Jahre wurden weitere 1.000 Arbeiter entlassen, die Kreditschuld des Unternehmens vervierfachte sich. 2002 erklärte die Firma ihren Bankrott. 1997 kaufte Bain Capital LIVE Entertainment für US$150 Mio. Im Anschluss wurde jeder vierte der *166 Mitarbeiter entlassen.* Bain Capital machte durch die Unternehmen Stage Stores, American Pad & Paper, GS Industries, Dade, and Details einen Profit von US$578 Mio., alle fünf Unternehmen gingen kurze Zeit später bankrott. (http://de.wikipedia.org/wiki/Bain_Capital)
glizzy 14.08.2012
wie so ein Gespräch zwischen den rechtsgerichtet Romney und Ryan wohl aussieht, wenn sie über die Latinowählerschaft sprechen... das wäre mal interessant ... aber ich glaube jeder kann sich denken was Rechte von Latinos halten ... [...]
wie so ein Gespräch zwischen den rechtsgerichtet Romney und Ryan wohl aussieht, wenn sie über die Latinowählerschaft sprechen... das wäre mal interessant ... aber ich glaube jeder kann sich denken was Rechte von Latinos halten ... schade das deren Stimme genau so viel zählt ...nicht wahr Hr. Romney & Ryan??
Kritikusus 14.08.2012
oder die Leserschaft auf so ein niedriges Niveau gesunken, oder will man es/sie unbedingt in diese Richtung drängen? Wann werden die Medien endlich mal ihrem Auftrag gerecht, und klären uns über Hintergründe und wirkliche [...]
oder die Leserschaft auf so ein niedriges Niveau gesunken, oder will man es/sie unbedingt in diese Richtung drängen? Wann werden die Medien endlich mal ihrem Auftrag gerecht, und klären uns über Hintergründe und wirkliche Probleme auf.
bürgergeld2 14.08.2012
Wo war denn nun die angepriesene Pannen-Show? Und wo steht die entscheidende Informationen, daß die Latinos in Miami deshalb nicht repräsentativ sind, weil es sich bei ihnen mehrheitlich um strammrechte Exil-Kubaner handelt, [...]
Wo war denn nun die angepriesene Pannen-Show? Und wo steht die entscheidende Informationen, daß die Latinos in Miami deshalb nicht repräsentativ sind, weil es sich bei ihnen mehrheitlich um strammrechte Exil-Kubaner handelt, während die Latinos im Rest des Landes einen völlig anderen ethnischen Background haben (Mexikaner, Puertoricaner, Mittelamerikaner), meist aus ärmlichen Verhältnissen stammen und deshalb völlig andere politische Präferenzen haben?
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  • Dienstag, 14.08.2012 – 09:43 Uhr
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US-Wahl
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).




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