Barack Obama: Die Latinos zweifeln am Presidente

Aus Miami berichten , Martin Heller und

Sie sind enttäuscht vom Präsidenten - und sie könnten die Wahl entscheiden: Barack Obama und Mitt Romney liefern sich einen harten Kampf um die Stimmen der Latinos. Bei einer TV-Befragung sah sich der Amtsinhaber in die Defensive gedrängt - und klang manchmal sogar verzagt.

SPIEGEL ONLINE

Barack Obama hat einen Knopf im Ohr. Der ist für die Übersetzung, denn die Fragen stellen sie ihm beim Latino-Sender Univision auf Spanisch. Der Präsident darf auf Englisch antworten, das ist die Abmachung bei dieser Fragestunde auf dem Gelände der Universität von Miami. So haben sie das auch gemacht, als Rivale Mitt Romney da war, am Tag zuvor.

Aber diesmal läuft es anders. Denn schon nach gut zehn Minuten verliert Moderator Jorge Ramos die Geduld. Und wechselt ins Englische.

"Sie haben das versprochen", insistiert er gegenüber Obama. "Ein Versprechen ist ein Versprechen, oder nicht?" Das sei wichtig, er wolle nicht, dass dieser Fakt durch die Übersetzung verloren gehe: "Bei allem Respekt, Sie haben Ihr Versprechen nicht gehalten." Zuvor hat sich Obama ein paar Minuten gewunden, hat nichts Konkretes sagen wollen über jenes Einwanderungsgesetz, das er für das erste Jahr seiner Präsidentschaft versprochen, aber bis heute nicht geliefert hat.

Obama in der Defensive

"Jorge", sagt Obama jetzt zu Ramos, "Jorge, schauen Sie, ich bin Kopf der Regierung, nicht des Parlaments." Heißt: Kein Gesetz, wenn die Republikaner nicht mitziehen. Und: Er habe ja nicht versprochen, dass er alles zu 100 Prozent umsetze; sondern nur, dass er jeden Tag hart arbeite, um jedem US-Bürger die Chance auf den amerikanischen Traum zu geben. Dieses Versprechen habe er doch gehalten.

Reichlich defensiv klingt das. Sorry, Leute, Ihr müsst mich da falsch verstanden haben. So hört sich das an. Hier, wo sie noch jenen Obama im Ohr haben, der ihnen "Change" versprochen hatte. Hier, wo sie Obama selbstredend für den mächtigsten Mann der Welt halten. Obama sagt, er habe gelernt, dass man in der Hauptstadt Washington nichts von innen heraus verändern könne. Man müsse es von außen tun. Er klingt verzagt.

Fast 70 Prozent der Latinos stimmten 2008 für Obama. Sie sehnten sich nach Wandel, weil sie nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen hatten. Und heute? Noch immer kein Einwanderungsrecht, das den Millionen Illegalen im Land - die meisten darunter Hispanics - endlich eine Perspektive geben würde; bei über zehn Prozent liegt die offizielle Arbeitslosenquote der Latinos; jeder Vierte lebt in Armut; fünf Millionen sind ohne Krankenversicherung.

Der Präsident steckt in der Zwickmühle. Will er gewinnen, braucht er die Latinos. Denn schwach sind die nur ökonomisch. Fast 22 Millionen sind wahlberechtigt, zwei Millionen mehr als 2008. Keine Bevölkerungsgruppe in den USA wächst schneller. Obamas Wahlkampf-Manager Jim Messina sagt: "Wenn wir unseren Job gut machen, dann werden die Latino-Wähler einer der entscheidenden Gründe für unseren Sieg sein."

Kein Wunder, dass Obama noch im Juni per Exekutivanordnung das Immigrationsrecht gelockert hat, um Einwanderern, die als Kinder oder Jugendliche illegal in die USA gekommen sind, ein Bleiberecht einzuräumen. Dies soll ein vorübergehender Ersatz sein für den sogenannten Dream Act, der eine ähnliche Regelung im Gesetz verankern sollte, aber bisher eben am Widerstand der Republikaner scheiterte.

Wer das Latino-Vote gewinnt, siegt in den Swing States

Obama hat Glück, dass Romney und Co. den Kurs ihrer Partei verschoben haben, den Illegalen die "Selbst-Abschiebung" nahelegen und einen immer größeren Zaun an der Grenze zu Mexiko bauen wollen. Denn das hält die von Obama Enttäuschten davon ab, zu seinen Gegnern zu werden. In einer NBC-Erhebung erklärten 65 Prozent der befragten Latino-Wähler, für Obama stimmen zu wollen. Romney kam nur auf 30 Prozent. Das ist zu wenig für den Herausforderer. Der muss den Abstand zu Obama möglichst gering halten, 38 Prozent peilen seine Berater an; vor vier Jahren kam Republikaner-Kandidat John McCain auf nur 31 Prozent.

Weil die Hispanics insbesondere in den Wechselwähler-Staaten Florida, Arizona, Colorado, Nevada und Virginia entscheidende Bevölkerungsanteile stellen, ist die Rechnung simpel: Wer das Latino-Vote mit großem Vorsprung gewinnt, siegt in diesen Swing States. Und wer in den Swing States siegt, der wird Präsident.

Auf ihren Parteitagen haben sowohl Republikaner als auch Demokraten die Hispanics in den Vordergrund gerückt: Marco Rubio, Sohn von Exil-Kubanern und junger US-Senator, durfte direkt vor Mitt Romney sprechen. Bei den Demokraten hielt der 38-jährige Julián Castro, Bürgermeister des texanischen San Antonio mit mexikanischen Wurzeln, als erster Latino überhaupt die "Keynote Speech".

Vor allem geht es um Florida. Der Sunshine-State ist der größte Brocken, den es zu gewinnen gilt. 2008 hat hier Obama als erster Demokrat die Mehrheit bei den Latinos holen können. In Florida manifestiert sich der Wandel der Latino-Community: Herrschten früher die Exil-Kubaner, haben Einwanderer aus anderen lateinamerikanischen Ländern die Gewichte verschoben. Und den Republikanern die Stimmen genommen.

Das kann man in Little Havana spüren, dem alten Kubaner-Viertel von Miami. Es steht noch alles da wie ehedem. Das legendäre Café Versailles an der 8. Straße; der Máximo-Gómez-Park mit seinen Dominospielern; all die Wandmalereien, die Fidel Castro verspotten und die neue Heimat feiern: "Dios bendiga y proteja a América", heißt es da, Gott segne und beschütze Amerika. In Little Havana war man früher Republikaner und sonst gar nichts.

Obamas Wahlhelfer buhlen um die Enttäuschten

Doch nichts ist mehr wie ehedem. Um die Ecke vom alten Versailles trifft man sich am Kiosk auf einen Café Cubano, einen stark gesüßten Espresso für einen Dollar. Die Alten sprechen Spanisch, aber die Jungen Englisch. Obama oder Romney? Ein Mädchen, den Schriftzug der Universität von Miami auf dem T-Shirt, sagt, sie sei für Einwanderung also für den Präsidenten. Der werde sich schon noch an seine Versprechen halten. Daneben ein 80-Jähriger. Vor sechs Jahrzehnten, sagt er, habe er Kuba verlassen. Er nimmt einen Schluck von seinem Kaffee: "Obama wird siegen." Und Kuba? Ach, ihn interessiere ehrlich gesagt eher die Wirtschaftslage in den USA.

Einer der Jüngeren ist für Romney: Beim letzten Mal habe er Obama gewählt, der sei ein "fantastischer Redner", aber mehr nicht. Amerika brauche jetzt "einen kapitalistischen Präsidenten" (sehen Sie hier das Video).

Die Enttäuschten, die Nichtwähler - um diese Latinos mühen sich Obamas Trupps mit Verve. Kaum eine Wählergruppe ist so schwer zu mobilisieren. Selbst in Obamas Parade-Jahr 2008 ging nur die Hälfte der wahlberechtigten Hispanics an die Urnen. Überall in Florida treffen sich Obama-Aktivisten jetzt in improvisierten Call-Centern, verteilen Mobiltelefone an spanisch sprechende Unterstützer. Gezielt werden die Latinos im Umkreis bearbeitet.

Zum Beispiel in Casselberry, nördlich von Orlando. Zu acht sitzen sie in einer Ex-Arztpraxis, umgerüstet in Eigeninitiative. Auf den Tischen Gesprächsleitfäden in Sachen Immigration, Krankenversicherung und natürlich Romney. "El Presidente", hört man heraus im Stimmengewirr, viel muss gesprochen werden über nicht gehaltene Versprechen. Aber dafür haben sie ja die Leitfäden. "Muchas gracias", sagen sie dann, "und alles Gute für die Familie".

Manchmal kommt am nächsten Tag einer vorbei, den sie angerufen haben. Um mitzuhelfen. Denn hier in Florida werde die Wahl entschieden, da sind sie sich jedenfalls sicher.

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1. Wahlrecht für Illegale?
kulupp 21.09.2012
Wieso können die illegal eingewanderten in den USA wählen. Oder sind nur die legal eingewanderten gemeint die ihre Verwandten in Sicherheit wissen wollen. Sie sollten auf jeden Fall wissen das sie wenig von Obama zu erwarten haben, aber rein garnichts von Romney. Eine andere Frage stellt sich eigentlich wer die Schmutzarbeit machen soll wenn die Hispanos (ich hoffe der Begriff ist nicht abwertend) alle das Land verlassen. Romneys reiche Freunde? Vielleicht wählen die ihn dann nicht mehr!
2. Lustig
plapperstorch 21.09.2012
Und weil die Hispanos von Obama enttäuscht sind, wählen sie Romney, oder was? Den Teufel mit dem Belzebub austreiben? Machen Sie sich nicht lächerlich. BTW: Die Wahl wird nicht in Florida entschieden. FL mag mit seinen 29 Wahlmännern ja wichtig sein und ist irgendwie auch der letzte swing state, aber aus welchem Grund auch immer ist Ohio entscheidend. Wer Ohio nicht gewinnt, wird nicht Präsident. So ist das seit 1960.
3.
McMacaber 21.09.2012
Was ficht es uns an? Am Ende wird jeder amerikanische Präsident Politik für die Amerikaner machen, mit minimaler Differenz zwischen republikanischer oder demokratischer Linie. Ein Romney wird wesentlich mehr Sozialpolitik betreiben müssen, als ihm aktuell lieb zu sein scheint - im Ggzug hat Obama auch mehr Kriegspolitik betrieben, als er vorhatte(mit großem Fragezeichen). Gute Politiker treffen am Ende, trotz allen Wahlkampf-Gedöns, die richtigen Entscheidungen, nicht die dogmatischen. Wobei, Entscheidungen, die stehen und fallen mit Entscheidungsvorlagen, sprich, man sollte sich weniger um die Köpfe, denn deren Berater kümmern.
4. ...
winkdon 21.09.2012
Zitat von sysopSie sind enttäuscht vom Präsidenten - und sie könnten die Wahl entscheiden: Barack Obama und Mitt Romney liefern sich einen harten Kampf um die Stimmen der Latinos. Bei einer TV-Befragung sah sich der Amtsinhaber in die Defensive gedrängt - und klang manchmal sogar verzagt. Florida: Obama und Romney kämpfen um die Stimmen der Latinos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857223,00.html)
Obama's Vorsprung bei den Latinos reicht aus, um die Swing States zu gewinnen. Wie im Artikel dargestellt, hat er die Latinos mit 69% zu 31% gewonnen und führt jetzt in Umfragen mit vergleichbaren Werten. Hinzu kommt, dass der anteikl der Latinos an der Gesamtbevölkerung gestiegen ist. Der SPON hat vergessen, dass Romney bei seinem auftritt wieder einmal ziemlich wischi-waschi war, sich mehrfach wiedersprach und am Schluss die Latinos als Illigal Aliens beledigte. Die SPON Reporter haben sich aber ordentlich Mühe gegeben, um auch einen Wähler zu finden, der 2008 für Obama stimmte und jetzt für diesen Komiker Romney stimmen will.
5.
kjartan75 21.09.2012
Zitat von sysopSie sind enttäuscht vom Präsidenten - und sie könnten die Wahl entscheiden: Barack Obama und Mitt Romney liefern sich einen harten Kampf um die Stimmen der Latinos. Bei einer TV-Befragung sah sich der Amtsinhaber in die Defensive gedrängt - und klang manchmal sogar verzagt. Florida: Obama und Romney kämpfen um die Stimmen der Latinos - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,857223,00.html)
Und wieder ein Artikel, der glauben machen möchte, das Rennen sei derzeit wer weiß wie knapp. Das Gegenteil ist der Fall...mehr noch, rein umfragetechnisch gesehen steht Obama sogar besser da als vor vier Jahren im September. Bei den swing states sieht es derzeit ganz danach aus, dass er bis auf North Carolina alle anderen swings nach Hause nehmen könnte. Das würde bedeuten, dass er nur einen einzigen Bundesstaat im Vergleich vor vier Jahren verlieren würde und das war eben NC, ein vor Obamas Wahl seit Jahrzehnten republikanisch wählender Staat bei den Präsidentschaftswahlen. Obama hatte diesen Staat auch nur denkbar knapp mit 14.000 Stimmen mehr für sich entscheiden können. Wenn sich die Umfragen so bestätigen zum 6. November dann würde ich es fast als Sensation ansehen, dass Obama ein kaum schlechteres Ergebnis als vor vier Jahren einfahren würde. Im Now-Cast von 538, dass die derzeitige Umfragenlage einschätzt, steht Obamas Chance auf 94 zu 6% die Wahl zu gewinnen, im Forecast 6 Nov bei 76%. Selbst der Senat schwingt gerade wieder in Richtung der Demokraten, was die zweite Überraschung wäre. Tja, am Anfang des Jahres hieß es bei den Republikanern noch, jeder Kandidat, den sie aufstellen würden, könne Obama schlagen...das große Bild hat sich doch sehr verschoben seitdem immer klarer wird, dass die GOP auch keine klaren Rezepte vorweisen kann und sich im Flip-Flopping übt, um verzweifelt die "Mitte" anzusprechen. Ein gutes hat es auf jeden Fall...der Einfluss der Tea Party- "Bewegung" ist doch sehr sehr begrenzt.
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.