Flüchtiger Kriegsverbrecher Serbische Polizei soll Mladic festgenommen haben

Jahrelang war er untergetaucht, jetzt soll der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic in Serbien gefasst worden sein. Behörden überprüfen die Identität eines Verdächtigen per DNA-Analyse. Mladic werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Bosnien-Krieg vorgeworfen.

Gesuchter Mladic (links, Archivbild): In Serbien festgenommen?
Reuters

Gesuchter Mladic (links, Archivbild): In Serbien festgenommen?


Hamburg - Der flüchtige Kriegsverbrecher Ratko Mladic ist möglicherweise in Serbien festgenommen worden. Dies berichtete der serbische Rundfunksender B92 am Donnerstag. Ein Sprecher des Innenministeriums, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, der Mann sehe Mladic ähnlich. Man überprüfe den Verdacht nun mittels eines DNA-Tests. Eine offizielle Bestätigung für die Festnahme gibt es bisher nicht. Serbiens Präsident Boris Tadic hat aber kurzfristig eine Pressekonferenz anberaumt.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters bestätigte ein Freund der Mladic-Familie, dass der serbische Ex-General festgenommen worden sei. Aus Brüsseler EU-Kreisen hieß es: Man habe "allen Grund zu der Annahme", dass es sich bei dem festgenommenen Verdächtigen in Serbien um den flüchtigen mutmaßlichen Kriegsverbrecher Mladic handele.

Der Geheimdienst habe am Donnerstagmorgen einen Mann mit dem Namen Milorad Komadic festgenommen, der auffällig viele biografische Merkmale des ehemaligen bosnisch-serbischen Generals aufweise, hieß es in ersten Berichten.

Mladic war Militärchef der bosnischen Serben. Er wird vom Uno-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien gesucht, vor dem er wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 angeklagt ist.

Dem meistgesuchten mutmaßlichen Kriegsverbrecher in Europa wird besonders eine Beteiligung an dem Massaker von Srebrenica zur Last gelegt. In der bosnischen Enklave wurden im Juli 1995 beim schlimmsten Massaker in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg rund 8000 muslimische Männer und Jungen getötet.

Mladic soll zudem während der fast zweijährigen Belagerung von Sarajevo Scharfschützen angewiesen haben, aus dem Hinterhalt auf Zivilisten zu schießen.

Mladics Festnahme ist Bedingung für den EU-Beitritt Serbiens. Seine Angehörigen hatten immer wieder versucht, ihn für tot erklären zu lassen.

Die Ankläger in Den Haag gingen bisher stets davon aus, dass sich Mladic in Serbien versteckt hält, er ist seit 1995 untergetaucht. Seine von der EU geforderte Auslieferung ist eines der Haupthindernisse für eine Annäherung Serbiens an die EU.

Die Ermittler am Tribunal hatten Belgrad immer wieder kritisiert, nicht genug bei der Suche nach Mladic und anderen flüchtigen Kriegsverbrechern zu unternehmen. In einem am Donnerstag bekannt gewordenen Bericht des Anklägers Serge Brammertz heißt es, die Anstrengungen Serbiens zur Festnahme Mladics und anderer Verdächtiger seien "unzureichend". Dies untergrabe die "Glaubwürdigkeit und die Stärke" des Engagements Belgrads, vollständig mit dem Tribunal zu kooperieren.

ffr/hen/AFP/Reuters/AP



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