Ausblick auf Flüchtlingszahlen Wer 2016 nach Europa kommt

Wie werden sich die Flüchtlingszahlen 2016 entwickeln? Erste Trends zeichnen sich ab: Aus manchen Krisenregionen machen sich jetzt mehr Frauen und Kinder auf den Weg als Männer.

AP

In ein paar Wochen wird das Mittelmeer nach den Winterstürmen ruhiger. Dann wagen Menschen in Kriegs- und Krisengebieten wieder die gefährliche Überfahrt. Ab März - so die Erfahrungswerte aus den zurückliegenden Jahren - steigen die Zahlen rasant an, um dann im Sommer ihren Höhepunkt zu erreichen.

Was wird 2016 passieren? Während Europa gerade versucht, das Durchkommen auf den Hauptrouten zu erschweren, planen Menschen in Syrien, Irak oder Afghanistan den Aufbruch: Wie viele sind es 2016?

Mit Sicherheit prognostizieren lässt sich nichts - drei Tendenzen aber zeichnen sich anhand der Januarzahlen sowie der Daten aus den Vormonaten ab.

Trend 1:

Die Flüchtlingszahlen blieben über die Wintermonate hinweg auf einem hohen Niveau. In diesem Januar kamen 35-mal so viele Menschen über das Mittelmeer nach Griechenland wie ein Jahr zuvor. Diese sogenannte östliche Mittelmeerroute war 2015 die wichtigste: Vier Fünftel aller Flüchtlinge und Migranten kamen auf dieser Route nach Europa.

Ob sich dieser Trend im Laufe des Jahres umkehrt durch mögliche politische Veränderungen, bleibt abzuwarten. Zudem könnte es sein, dass die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien konstant bleibt oder sogar zurückgeht, weil der Weg für sie noch schwieriger wurde: Die Türkei hat seit dem 8. Januar eine Visumpflicht für Syrer eingeführt, die per Flugzeug oder Schiff einreisen wollen, sowie mehrere Landgrenzen zu Syrien geschlossen.

Trend 2:

Seit Dezember kommen erstmals mehr Frauen und Kinder als Männer. Es gibt jedoch je nach Herkunftsland große Unterschiede: Aus Syrien, Afghanistan und Irak flüchten inzwischen überwiegend Frauen und Kinder. Helfer vermuten, dass das an der schwierigen humanitären Lage in diesen Kriegsgebieten liegen könnte: Möglicherweise bringen viele Flüchtende inzwischen lieber sofort die ganze Familie in Sicherheit, anstatt den langsamen Nachzug ihrer Verwandten zu riskieren. Aus anderen Herkunftsländern sind aber weiterhin zum Großteil junge Männer unterwegs.

Trend 3:

Die meisten Flüchtlinge kommen weiterhin aus Syrien, Afghanistan und Irak. Doch ihnen schließen sich Menschen aus immer mehr Ländern im Nahen und Mittleren Osten an.

Die vorläufigen Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) für den Januar 2016 zeigen: Noch immer geben die meisten an, aus Syrien, Afghanistan und dem Irak zu stammen. Im Jahresvergleich ist allerdings noch etwas auffällig: Länder, die im Januar 2015 überhaupt nicht in der Statistik auftauchten, sind im Januar 2016 plötzlich mit Dutzenden oder gar Hunderten Staatsbürgern vertreten.

Besonders rasant stieg die Zahl der Pakistaner und Iraner sowie der Nordafrikaner an. Nicht nur aus Marokko und Algerien, auch aus Libyen und Ägypten machen sich junge Männer inzwischen auf den Weg.

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