Deutsch-österreichische Grenze "Schwer, die Menschen schnell aus der Kälte zu bringen"

An Bayerns Grenze zu Österreich harren auch am Dienstagabend Hunderte Flüchtlinge in der Kälte aus. Die deutsche Polizei kritisiert die Behörden im Nachbarland - dort plant die Innenministerin "bauliche Maßnahmen" an der Grenze zu Slowenien.

Flüchtlinge in Bayern an der Grenze zu Österreich: "Das ist weitaus mehr"
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Flüchtlinge in Bayern an der Grenze zu Österreich: "Das ist weitaus mehr"


An der Grenze zwischen Österreich und Bayern sind auch am Dienstagabend Hunderte von Flüchtlingen eingetroffen. Zwar sei die Gesamtzahl etwas niedriger als am Montag, sagte ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung. Aber: "Die Rahmenbedingungen sind kritischer."

Die Flüchtlinge kämen diesmal zu späterer Stunde an der Grenze zu Niederbayern an - und müssten somit bei niedrigeren Temperaturen auf ihren Weitertransport warten. Gegen 21 Uhr hätten noch zwischen 1000 und 1200 Flüchtlinge am Grenzübergang Achleiten gewartet. Am Vortag seien es um diese Uhrzeit nur noch etwa halb so viele gewesen. Am Grenzübergang Wegscheid zählten die Beamten weitere 650 Menschen.

"Es kommt nach wie vor immer wieder ein Bus an", sagte der Polizeisprecher. "Wir haben das Problem, dass wir hier unvorbereitet in relativ kurzer Zeit viele Ankünfte haben, deshalb tun wir uns schwer, die Menschen schnell aus der Kälte zu bringen."

Zwar gebe es Ankündigungen der österreichischen Behörden. "Aber die Zahl der Voranmeldungen und die realistischen Zahlen driften sehr weit auseinander, das ist weitaus mehr", sagte der Sprecher. Selbst die österreichischen Grenzschützer würden immer wieder überrascht

"Ich habe das so mit Österreich noch nie erlebt"

Schon am Montag waren Tausende Flüchtlinge aus Österreich nach Deutschland gekommen. Unter anderem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kritisierte die Behörden im Nachbarland scharf. Österreich bringe Flüchtlinge ohne Vorankündigung an die bayerische Grenze und sei bisher zu keiner Zusammenarbeit bereit, sagte der CSU-Politiker dem Bayerischen Rundfunk. "Ich habe das so mit Österreich noch nie erlebt."

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer forderte von Wien ein Ende der "Politik des Durchwinkens". Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse in einem Gespräch mit ihrem österreichischen Amtskollegen Werner Faymann dafür sorgen, dass die "Politik der offenen Grenzen" beendet werde. Er setzte Merkel ein Ultimatum bis kommenden Sonntag. (Mehr über die Attacken Seehofers gegen Merkel und Österreich lesen Sie hier.)

Innenministerin plant Baumaßnahmen an Grenze zu Slowenien

In Österreich sorgt unterdessen die Ankündigung von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner von der konservativen ÖVP für Aufsehen: "Ich habe Planungen für besondere bauliche Maßnahmen in Auftrag gegeben", sagte Mikl-Leitner am Dienstag bei einem Besuch in Spielfeld nahe der slowenischen Grenze. Es gehe nicht darum, einen Zaun zu bauen, sondern um die Möglichkeit des geordneten Übertritts einer großen Anzahl von Personen.

Es müsse ein kontrollierter Zutritt nach Österreich sichergestellt werden. Die Planungen würden erst beginnen, sagte Mikl-Leitner. In dem Szenario gehe es um technische Sperren mehrere Kilometer links und rechts des Grenzübergangs. Zuletzt hatten bei Spielfeld täglich einige Tausend Flüchtlinge die Grenze überquert.

(Weitere Hintergründe zur Balkanroute lesen Sie hier.)

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aar/dpa/AFP

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