Flüchtlinge Rettungsschiff "Aquarius" findet keinen Hafen

Seit Tagen irrt die "Aquarius" durch das Mittelmeer und sucht nach einem Hafen, der sie aufnimmt. An Bord hat sie 141 Menschen. Italien, Malta, Spanien, Frankreich und Großbritannien haben abgesagt.

Migranten und Flüchtlinge auf der Aquarius
REUTERS

Migranten und Flüchtlinge auf der Aquarius


Die Schlagzeilen klingen vertraut: Das Rettungsschiff "Aquarius" findet keinen Hafen, an dem sie anlegen könnte. Sie hat Menschen an Bord, die kein Land aufnehmen will. Die Geschichte ist der aus dem Juni verblüffend ähnlich. Auch damals irrte das Schiff tagelang auf hoher See umher und lief schließlich im spanischen Valencia ein. Die Politik der Europäischen Union zum Umgang mit Flüchtlingen und Migranten, die in Europa ankommen, hat sich seitdem offenbar nicht verändert.

Die EU-Partner schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die Geretteten zu: Nach Italien, Malta, Spanien und Frankreich machte auch die britische Regierung klar, dass sie sich nicht in der Pflicht sieht, die Anlandung zu garantieren.

Es sei gängig, dass die regionale Seenotrettungsleitstelle in Abstimmung mit dem Kapitän die Anlandung an einem nahe gelegenen sicheren Hafen organisiere, erklärte eine britische Regierungssprecherin auf Anfrage am Montagabend. Rom hatte London zuvor aufgefordert, seiner Verantwortung für den Schutz der Schiffbrüchigen nachzukommen. Denn das Schiff fahre unter der Flagge Gibraltars. Das britische Überseegebiet liegt an Spaniens Südküste.

Video: "Aquarius" - Warten auf den sicheren Hafen

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Gibraltar hatte offenbar vor, "Aquarius" die Flagge zu entziehen

Was die Gemengelage noch komplizierter macht: Die Seenotretter von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen erreichte die Nachricht, dass Gibraltar der "Aquarius" die Flagge entziehen wolle. SOS Méditerranée, die das Schiff gechartert hat, legte Einspruch ein und warf Gibraltar vor, politische Absichten zu verfolgen. In den vergangenen zwei Jahren habe die Organisation alle Anforderungen des Flaggenstaats erfüllt. Über Mängel sei nie berichtet worden. Für den Nachmittag ist eine Pressekonferenz in Paris angekündigt.

Große Sorgen bereitet den Helfern die Vielzahl an unbegleiteten Minderjährigen an Bord. "Viele von ihnen sind chronisch mangelernährt, was wir auf die Haftbedingungen in Libyen zurückführen, wo die meisten keinen Zugang zu ausreichend Nahrung hatten", sagte eine Sprecherin. "Unsere Teams haben viele Berichte von Missbrauch, Folter, Zwangsarbeit und sexueller Gewalt gesammelt." Einige Gerettete hätten die Flucht aus Libyen bereits mehrmals versucht.

höh/dpa/AFP



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