Lager auf Lesbos Flüchtlinge protestieren gegen Internierung

Flüchtlinge, die illegal nach Griechenland gereist sind, sollen in die Türkei abgeschoben werden. Bis dahin bleiben sie in Lagern auf den griechischen Inseln eingesperrt. Auf Lesbos protestierten am Montag Flüchtlinge gegen ihre Internierung.

Flüchtlinge im Registrierungslager Moria auf Lesbos
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Flüchtlinge im Registrierungslager Moria auf Lesbos


Auf der griechischen Insel Lesbos haben am Montag Dutzende Flüchtlinge gegen ihre Internierung im Registrierungslager Moria protestiert. Sie forderten lautstark "Freiheit!" und riefen "Wo bleiben die Menschenrechte?". Die Flüchtlinge dürfen das Registrierungslager seit dem 20. März nicht mehr verlassen.

Die stellvertretende US-Außenministerin Heather Higginbottom besuchte am Montag das Lager Moria. Sie versprach 20 Millionen Dollar für die Flüchtlingshilfe in Europa. Das Geld solle vor allem dem Uno-Flüchtlingskommissariat UNHCR zugute kommen. Die USA wollten darüber wachen, dass die Vereinbarungen zwischen der EU und der Türkei das Asylrecht und den Schutz der Flüchtlinge nicht beeinträchtige, sagte Higginbottom.

Die Änderungen im Umgang mit den Flüchtlingen wird von mehreren Hilfsorganisationen scharf kritisiert. In Moria würden Menschen eingesperrt, die keinerlei Verbrechen begangen hätten, kritisierte der Griechenland-Beauftragte der Organisation Oxfam, Giovanni Riccardi Candiani.

Flüchtlinge würden mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit festgehalten, um von dort zwangsweise in die Türkei zurückgebracht zu werden. Moria sei zu einem geschlossenen Abschiebezentrum geworden, sagte Candiani. Zuvor hatten bereits das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen erklärt, ihre Arbeit in Moria einzustellen.

Die griechischen Behörden gaben die Zahl der Flüchtlinge auf den Inseln Lesbos, Chios, Samos, Rhodos und Kastellorizo am Montag mit 4289 an, davon knapp die Hälfte auf Lesbos. "Die Menschen haben inzwischen verstanden, dass sie festgehalten werden", sagte Ilektra Koutsoumani von der Organisation Ärzte der Welt. Diese Organisation setzt ihre Tätigkeit für die Flüchtlinge auch in Moria fort.

Die Vereinbarung zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die Türkei irregulär nach Griechenland gelangte Schutzsuchende zurücknimmt. Im Gegenzug nimmt die EU syrische Flüchtlinge auf, die bereits in der Türkei sind. Zu dem Abkommen gehört die Prüfung von Asylanträgen in den Registrierungslagern, sogenannten Hotspots, in Griechenland. Dafür will die EU zahlreiche zusätzliche Polizisten und Asylentscheider bereitstellen.

Allein am Ostersonntag und -montag rettete die italienische Küstenwache fast 1500 Flüchtlinge, die mit Schlauchbooten versuchten, von Libyen aus das Mittelmeer zu überqueren. Insgesamt rückte die Küstenwache nach eigenen Angaben rund ein Dutzend Mal aus. Laut einer UNHCR-Statistik erreichten seit Jahresbeginn und bis zum 24. März insgesamt 14.492 Flüchtlinge Italiens Küsten.

Video: Neugeborenes im Flüchtlingslager Idomeni

REUTERS
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lov/AFP



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