Trotz katastrophaler Zustände Flüchtlinge wollen Lager auf Manus nicht verlassen

Kein Wasser, keine Nahrung, kein Strom: 600 Menschen harren noch immer im offiziell geschlossenen Flüchtlingslager auf der Insel Manus aus. Die Uno warnt vor einer humanitären Krise. Menschenrechtler hoffen nun auf: Deutschland.

Asylsuchende im Lager auf Manus
Nick McKim/REUTERS

Asylsuchende im Lager auf Manus


Inzwischen graben sie im Boden nach Wasser. Sie benutzen Mülleimer, um Regenwasser aufzufangen. Die letzte offizielle Nahrungsration kam am vergangenen Sonntag.

600 Männer harren derzeit in dem offiziell geschlossenen australischen Flüchtlingslager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus aus. Der Oberste Gerichtshof hatte es im vergangenen Jahr für rechtswidrig erklärt, am Dienstag wurde das Lager nun offiziell geschlossen. Die Asylsuchenden sollten eigentlich übergangsweise in die nahe gelegene Stadt Lorengau umgesiedelt werden. Doch sie weigern sich, das Gelände zu verlassen.

Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) fürchten sie Übergriffe aus der Bevölkerung der Insel. Am Dienstag seien Dutzende mit Stöcken und Macheten bewaffnete Einheimische in den Lagerkomplex eingedrungen, sagte einer der Flüchtlinge der Nachrichtenagentur dpa. Der Gouverneur von Manus warnte kürzlich, viele Einheimische würden sich bedroht fühlten.

Einer der Männer in dem Lager ist Behrouz Boochani, ein iranischer Journalist, der seit 2014 auf Manus ist. Er berichtet unter anderem im "Guardian" regelmäßig von den Zuständen in dem Lager. "Wir werden uns nie zurückziehen und dieses Höllengefängnis verlassen", sagte er nun. "Wir werden nie in ein anderes Gefängnis gehen. Wir werden erst dann aufgeben, wenn wir frei sind. Nur für Freiheit."

Doch selbst wenn alle Männer das Lager verlassen würden - es gäbe gar nicht genug provisorische Unterkünfte für sie, berichtete das UNHCR. "Australien bleibt für das Wohlergehen von allen verantwortlich, die nach Papua-Neuguinea gebracht wurden, bis adäquate, langfristige Lösungen außerhalb des Landes gefunden wurden." Das Flüchtlingshilfswerk rief die Regierung in Australien auf, die "sich entfaltende humanitäre Krise zu stoppen".

Australiens Außenministerin - und derzeit amtierende Premierministerin - Julie Bishop sagte, die Flüchtlinge sollten das Lager verlassen. Für ihre Sicherheit in diesem Fall wollte sie aber nicht garantieren.

Die Regierung in Canberra hat das Nachbarland Papua-Neuguinea vier Jahre lang dafür bezahlt, Asylsuchende vor Ort zu versorgen. Die meisten der Männer kommen aus Iran, Afghanistan, Sri Lanka, Pakistan und Bangladesch. Australien nimmt generell keine Menschen auf, die das Land per Boot erreichen wollen. Stattdessen werden die Menschen in Lager auf Manus oder im Inselstaat Nauru untergebracht. Dort leben sie unter teils verheerenden Umständen (mehr zur Asylpolitik Australiens lesen Sie hier).

Wegen der andauernden humanitären Notlage kündigte Neuseeland am Donnerstag an, 150 Asylsuchende aus Manus aufzunehmen. In der Vergangenheit hat Australien solche Angebote allerdings häufig abgelehnt. Der australische Schauspieler Russell Crowe sagte, er könne sechs der Männer aus Manus aufnehmen und ihnen einen Job suchen. Er sei sicher, es gebe andere Australier, die dasselbe tun würden. Was in Manus geschehe, sei eine "Schande".

Die Direktorin von Human Rights Watch in Australien, Elaine Pearson, rief nun Deutschland auf, sich in den Fall einzuschalten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist am Wochenende in dem Land zu Besuch und wird unter anderem mit Premier Malcolm Turnbull sprechen. "Deutschland, bitte appelliert an Australien, diese humanitäre Krise auf Manus sofort zu beenden", sagte Pearson.

aar/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.