Damaskus - Uno-Generalsekretärs Ban Ki Moon hat vor einer weiteren Eskalation der Lage im syrischen Bürgerkrieg hingewiesen. Der Kampf werde immer gewaltreicher und brutaler. Bis zu 40.000 Menschen seien bereits ums Leben gekommen, warnte Ban am Freitag in New York. Bis Anfang 2013 werde die Zahl der Flüchtlinge auf 700.000 steigen.
Der Uno-Sondervermittler Lakhdar Brahimi warnte vor einem Zerfall des Landes. Syrien drohe zu einem "gescheiterten Staat" zu werden, mahnte er vor der Uno-Vollversammlung. Er bat die Weltgemeinschaft um mehr Geld für humanitäre Hilfe. Der internationale Nothilfeplan sei bislang nur zur Hälfte finanziert, der regionale sogar nur zu einem Drittel.
Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR rief zu humanitärer Hilfe speziell für die syrische Unruheprovinz Homs auf. Rund 250 000 Einwohner seien allein dort bereits auf der Flucht. Viele lebten in unbeheizten Notunterkünften, die Hälfte der Krankenhäuser sei geschlossen. "In den bevorstehenden Wintermonaten wird sich die Lage der Flüchtlinge verschlimmern", sagte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters. Insgesamt seien 465.000 Syrer vor der Gewalt in ihrer Heimat in Nachbarländer geflohen. Die Organisation will noch vor Weihnachten sechs Tonnen Medikamente nach Syrien schicken.
Schwere Kämpfe um den Flughafen
Die Kämpfe zwischen syrischen Rebellen und Regierungstruppen gingen auch am Freitag erbittert weiter. Im Zentrum stand der strategisch wichtige Flughafen der Hauptstadt Damaskus. Zwei Flughafenbeschäftigte seien getötet worden, als ihr Bus von Granaten getroffen worden sei, meldeten sowohl Oppositionelle als auch das Staatsfernsehen.
Die Aufständischen rückten nach eigenen Angaben bis auf wenige Kilometer an den Flughafen heran und brachten dabei auch Luftabwehrwaffen der Assad-Truppen in ihre Gewalt. Sie hätten zudem mehrere Armeefahrzeuge zerstört, teilte die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.
Das Staatsfernsehen meldete hingegen, das Militär habe die Straße zum Flughafen absichern können. Dieser liegt knapp 30 Kilometer außerhalb der Hauptstadt. Das Regime hatte seine Truppen in dem Gebiet über Nacht verstärkt.
Die Angriffe sind nach Einschätzung von Beobachtern ein Zeichen dafür, dass die Rebellen immer besser bewaffnet und organisiert sind. Die Aufständischen haben zuletzt Erfolge über die Truppen von Präsident Baschar al-Assad erzielt. Auf dem Land wurden verschiedene Militärbasen eingenommen, die Angriffe auf Damaskus verstärkt.
Egypt Air stellt Flüge ein
Die Kämpfe wirken sich auch auf den Luftverkehr aus. Die ägyptische Fluggesellschaft Egypt Air stellte ihre Flüge nach Damaskus und Aleppo aus Sicherheitsgründen ein. Tags zuvor hatte bereits die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai entschieden, Syrien nicht mehr anzufliegen.
Auch in der Innenstadt von Damaskus kam es zu Kämpfen: Ein Bewohner berichtete, schwarzer Rauch steige über dem Süden der Stadt auf, ständig sei Gefechtsfeuer zu hören. Ein Diplomat in Damaskus sagte, die Eskalation der Kämpfe in der Hauptstadt sei offenbar Teil einer Offensive der Regierungstruppen. Die Führung versuche, die Kontrolle über die Innenstadt zu festigen, während die Aufständischen die Gebiete im Süden und Osten unter Kontrolle haben. "Es scheint, dass eine entscheidende Phase in der Damaskus-Offensive begonnen hat", sagte er. Unter Oppositionellen kursieren Gerüchte über eine bevorstehende Großoffensive der Streitkräfte. Als Indiz dafür nannten sie den Internetausfall.
Das Internet und auch die Telefonverbindungen sind seit Donnerstag landesweit unterbrochen. Die Regierung macht für den Ausfall "Terroristen" verantwortlich. Informationsminister Omran al-Subi dementierte Spekulationen, wonach das Assad-Regime selbst das Internet abgeschaltet habe.
ler/dpa/AFP/dapd
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