Griechenland Randale auf Kos - Bürger gegen Bau von Flüchtlingszentrum

Demonstranten werfen Steine, die Polizei setzt Tränengas ein: Lokalen Medien zufolge ist es auf der griechischen Insel Kos zu Ausschreitungen gekommen. Grund ist ein geplanter Hotspot für Migranten.


Auf der griechischen Touristeninsel Kos soll einer der sogenannten Hotspots entstehen - ein Registrierungszentrum für Flüchtlinge, von dem sich die EU eine geordnetere Zuwanderung erhofft. Doch vor Ort wehren sich die Einwohner - offenbar auch mit Gewalt. Laut Medienberichten ist es dort zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Hunderten Demonstranten gekommen.

"Hier ist die Situation sehr schlimm. Der Teufel ist los", zitiert die Nachrichtenagentur dpa den stellvertretenden Bürgermeister der Insel, David Geraskalis. Auf die Ferieninsel setzen täglich Hunderte Migranten über. Die türkische Küste ist nur wenige Kilometer entfernt.

Viele Einwohner fürchten, der Flüchtlingsandrang werde ihre wichtigste Einkommensquelle, den Tourismus, "ruinieren", sagte Geraskalis dem Bericht zufolge. Aus diesem Grund forderten sie, dass die Migranten sofort zum Festland gebracht werden.

Bauarbeiten fortgesetzt

Die Polizei habe nach Berichten lokaler Medien massiv Tränengas eingesetzt, die Demonstranten sollen Steine geworfen haben. Ein Mann sei verletzt worden, hieß es. Das Registrierungszentrum von Kos soll nahe Pyli in einer alten Kaserne entstehen. Die Bauarbeiten seien trotz der Ausschreitungen fortgesetzt worden, sagten Augenzeugen.

Mitte der Woche hatten aufgebrachte Einwohner bereits laut Medien die Landung eines Regierungshubschraubers verhindert. Sie liefen demnach am vorgesehenen Landeplatz umher und schimpften, sodass der Helikopter abdrehen musste. An Bord seien Verteidigungsminister Panos Kammenos und zahlreiche Mitarbeiter gewesen.

Griechenland will bis spätestens Ende Februar alle fünf geplanten Aufnahmezentren zur Registrierung und Verteilung Asylsuchender aufbauen. Bislang ist nur ein Hotspot auf der Insel Lesbos in vollem Betrieb. Vier weitere Zentren sollen auf den Inseln Kos, Chios, Samos und Leros entstehen.

kev/dpa

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