Flucht vom Hindukusch BND warnt vor afghanischem Schleppernetzwerk

Hunderttausend Menschen flüchten monatlich aus Afghanistan. Das Land stehe vor einer Abwärtsspirale, warnt der Bundesnachrichtendienst. Schleuser hätten sich professionalisiert, das Netz reiche bis nach Frankreich.

Flüchtling aus Afghanistan an der slowenischen Grenze: Internationale Schlepperbanden
DPA

Flüchtling aus Afghanistan an der slowenischen Grenze: Internationale Schlepperbanden


Die politische Lage stagniert, die Wirtschaftslage kippt und die Taliban rücken vor: So beschreibt der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, die aktuelle Situation in Afghanistan. Schon jetzt flüchten jeden Monat hunderttausend Menschen vom Hindukusch. Das ruft Schlepper auf den Plan: Der deutsche Auslandsgeheimdienst hat bei einer Analyse der Fluchtrouten in Afghanistan "eine hochprofessionelle Schleuserstruktur" ausgemacht.

Das internationale Netz der Schlepper reiche über die Türkei bis nach Griechenland, Italien und Frankreich, sagte Schindler bei einem nichtöffentlichen Geheimdienst-Kongress in Berlin. Der Dienst analysiere in diesem Zusammenhang auch die Infrastruktur entlang der Fluchtrouten und den Geldfluss.

Afghanistan stehe "vor einer Abwärtsspirale", warnte Schindler. Für alle aktuellen Krisenherde wie auch Syrien, Irak, Libyen, Jemen und Somalia gelte: "Clans, Milizen und Terrorgruppen sind die Profiteure der Stunde."

"Brutal und unmenschlich"

Die Bundesregierung will angesichts der instabilen Lage in Afghanistan und der stark wachsenden Zahl von Flüchtlingen aus dem Land ebenso wie die USA und andere Partnerländer das militärische Engagement der Bundeswehr dort verlängern.

Schindler zog auch eine ernüchternde Bilanz der internationalen Einsätze im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Das vor gut einem Jahr ausgerufene Kalifat des IS auf syrisch-irakischem Territorium habe sich mittlerweile zu einer Struktur in der Fläche mit staatlichem Anspruch entwickelt.

"Emire des Islamischen Staaets haben Verwaltungsstrukturen übernommen, sie regieren die Provinzen - brutal und unmenschlich", sagte der BND-Präsident. Ermöglicht werde dies durch ein straff organisiertes System, bei dem lokale militärische Einheiten die Provinzen sicherten. Übergreifende Strukturen verteidigten die Grenzen des Kalifats.

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vks/dpa

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